Erinnerung an das jüdische Leben in Sonsbeck

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Eine schlichte Gedenktafel erinnert an den Betsaal der jüdischen Gemeinde in Sonsbeck. (Foto: privat)

Der Verein für Denkmalpflege Sonsbeck hat an dem Haus auf der Hochstraße 31 in Sonsbeck eine Erinnerungstafel an das jüdische Leben in Sonsbeck anbringen lassen. Damit, so der Vorsitzende Heinz-Peter Kamps, wurde auch ein großer Wunsch vom Ehrenvorsitzenden Heinrich Kerstgens erfüllt.

Sonsbeck. Im Obergeschoss dieses Hauses befand sich seit etwa 1875 ein Betsaal der kleinen Jüdischen Gemeinde in Sonsbeck. Der Ort verfügte zu keiner Zeit über eine mitgliederstarke jüdische Gemeinde: um 1900 mögen es sicherlich an die vierzig Mitglieder gewesen sein. Sichtbare Erinnerung an jüdisches Leben innerhalb Sonsbecks Mauern ist bezeichnenderweise nur noch der von der Gemeinde gepflegte kleine Friedhof mit 31 Grabsteinen. Nachweislich gab es seit dem 15. Jahrhundert immer wieder einzelne Familien, die, vom Landesherren privilegiert, in Sonsbeck lebten. Erst in Folge der napoleonischen Gesetzgebung setzte sich der Gedanke der Gleichstellung der Juden und die Freizügigkeit bezüglich des Wohnortes - nach allerlei Rückschlägen im Rheinland zur preußischen Zeit - durch.

Jüdisches Leben erlischt

Der Scheitelpunkt einer allmählichen Aufwärtsentwicklung der Jüdischen Bevölkerung wurde im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts erreicht.
Wegen der schwindenden Mitgliederzahl - man zog in die großen Städte - mussten Schule und Betsaal in Sonsbeck kurz nach 1900 aufgegeben werden.
Die wenigen noch am Ort verbliebenen Juden benutzten kurzzeitig einen Versammlungsraum in der „Gaststätte de Witt“ am Alttor. Danach gehörten sie zur Synagoge in Geldern. Nicht unerwähnt bleiben darf auch, so der Vorsitzende des Heimatvereins, Heinz-Peter Kamps, „dass neben anderen ehrenwerten und in unserer Gemeinde voll assimilierten jüdischen Mitbürgern der Gründer des bekannten Düsseldorfer Kaufhauses ‚Carsch‘... in Sonsbeck geboren wurde.“
Das Ehepaar Albert und Rieke Markus, das als letztes jüdisches Ehepaar bis in der NS - Zeit in Sonsbeck wohnte, wurde in das Ghetto nach Riga verschleppt und dort ermordet.
Der Verein für Denkmalpflege ließ im Vorfeld des diesjährigen Chanukka - Festes, die Erinnerungstafel anbringen. Heinz-Peter Kamps: „Diese Tafel soll daran erinnern, dass Juden zum Alltag einer Landgemeinde gehörten und in selbstverständlicher Nachbarschaft mit ihrer christlichen Umwelt lebten.“
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1 Kommentar
Christoph Pries aus Xanten | 28.12.2012 | 13:29  
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