3. Poesienacht: Ein weiterer meiner drei Beiträge (Doch etwas wie die „Heilige Elisabeth“)

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Meine Einladung zur 3. Poesienacht erfreut mich ebenso, wie die Gelegenheit, mit eigenen Beiträgen daran aktiv teilhaben zu können.

Vieleicht ist die hier beschriebene wahre Geschichte ein passender Beitrag.

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Doch etwas wie die „Heilige Elisabeth“

Sie war von Beginn an in der Volkssolidarität aktiv und hat zur Wende das Gericht überzeugt, dass die Volkssolidarität im Landkreis Gotha erhalten blieb. Auch betreute sie jährlich etwa 30 Senioren. Als in der „Wermutsäule“ (Hochhaus, wo heute ADLER steht) noch zahlreiche Senioren wohnten, betreute sie auch dort einige Gebehinderte.

Kennen lernte ich Erika Bischof in der Wendezeit. Als sie „ihren Senioren“ gerade in dieser Wechselzeit etwas bieten wollte, schlug ich ihr Busfahrten mit einem „BARKAS“ vor. So entwickelten wir Freizeitfahrten für jeweils bis zu sieben Gebehinderte.

Die erste Fahrt führte nach Winterstein, um das Grab zu zeigen, wo der Hund begraben ist. Als ich in dieses Gebiet einfuhr, konnten rechts alle das Grab sehen. Im Zurückfahren hörte ich den Unmut der links Sitzenden. Schmunzelnd drehte ich und fuhr rückwärts nochmals hinein. Nun hatten alle das Grab des Hundes „Stuzel“ gesehen.

Auch auf den Inselsberg fuhren wir, um die Aussicht zu genießen.
Jena war ein Ziel, wo wir oben auf dem „Landgrafen“ Mittag aßen – den Blick, der auf dem 10Mark-Schein der DDR zu sehen war, genießend.
Durch Weimars Innenstadt fuhr ich die Senioren ganz langsam, damit sie auch das Schillerhaus und das Nationaltheater sehne konnten.

Ein ganz besonderes Erlebnis schafften Erika Bischof und ich, als ich mit dem Kleinbus an den Fuß des Turmes der Talsperre „Schmalwasser“ fuhr, um die Mächtigkeit der Anlage selbst zu sehen, bevor man später nach der Flutung nicht mehr hin kam. Als die Mitgefahrenen später ihren Verwandten bei deren Besuch im Hochhaus davon erzählten, muss das denen wie eine Sage der „Heiligen Elisabeth“ vorgekommen sein. Aber ein Foto konnte als Beleg gezeigt werden.

Bereits zum Abschluss der ersten Busfahrt, fügte ich eine „neue Tradition“ ein; Während sonst dem Fahrer ein Obolus dankend übergeben wird, übergab ich jedem eine Blume. Später gab es auch mal ein kleines Glas Mirabellen oder andere nützliche Dinge.

Ein wahrer Höhepunkt der Reisen war die Fahrt zum „Dreiherrenstein“ auf dem Rennsteig (nahe Winterstein.
Die Freude, auf dem Rennsteig zu sein, ließ selbst eine Frau mit ihren Krücken schier ins Restaurant „fliegen“. Dort setzten sich alle gemütlich um einen bestellten Tisch und – ganz im Gegensatz zu vorher beschworenen Leiden – bestellten Bockwurst, um danach auch ein großes Stück Torte zu genießen.
Währenddessen vertrat ich mir draußen etwas die Beine.
Nach einer Weile kam die Gehbehinderte mit ihren beiden Krücken in einer Hand heraus, um zur Toilette zu gehen. Nach 5-10 Schritten fiel ihr auf, ohne Krücken zu laufen. Das Glück hatte ihr die Schmerzen regelrecht verdrängt. Schnell schaute sie, ob das jemand mitbekommen haben konnte, und ging dann auf Krücken weiter.

Als alle wieder einstiegen, ging Frau Langner zu einem relativ frei stehenden Baum und streichelte zärtlich dessen Rinde. Als ich Erika fragte, wie ich das denn sehen könne, antwortete sie mir, dass diese Frau mit ihren beiden offenen Beinen nie geglaubt hatte, noch einmal auf dem Rennsteig einen Baum echt anfassen zu können. Nun wurde dieses Wunder wahr!

Über der Heimreise lag eine große Stille. Alle wollten das Erlebte / Unfassbare erst einmal verdauen. Später hörte ich so manche Geschichte über ihren Besuch des herrlichen Rennsteig – viel Wahrheit aber auch ausgeschmückt.

Nun steht die „Wermutsäule“ nicht mehr und sind alle mitgefahrenen Behinderten sowie meine Nichtschwiegermutter, Erika Bischof, schon einige Jahre verstorben.
Doch es ist mir nach wie vor wert, an diese Zeit und wunderbaren zwischenmenschlichen Erlebnisse sowie diese Senioren zu erinnern.


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