Freibäder - Wasserspaß im Freien

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So sieht das Schwimmerbecken ohne Wasser aus. Vor der Saison habe ich auf dem Grund des Beckens gestanden. Foto: Pielorz
 
Eine alte Postkarte aus den sechziger Jahren vom Freibad Sprockhövel. Privatarchiv Pöppe
 
Im Freibad in Welper trainiert auch der DUC Hattingen. Hier wird unter Wasser "Jenga" gespielt. Immer wechselseitig ein Klötzchen aus dem Turm ziehen, irgendwann fällt dieser um. Foto: Seefeldt
Sprockhövel: Freibad Sprockhövel |

Ein Freibad ist eine im Freien angelegte Badeanstalt. Doch das, was uns heute so selbstverständlich erscheint, war es beim Blick in die Geschichte auf keinen Fall, ging doch das Badewesen der Antike im Mittelalter komplett verloren. Baden galt als anrüchig und noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das freie Schwimmen im Fluss bestraft. Freibäder sind also auch ein Thema unserer Serie "Rund ums Wasser".

Freibäder im heutigen Sinn gibt es seit etwa 1899, beispielsweise in Lübeck. In Sprockhövel entstand das heutige Freibad an der Bleichwiese vor genau sechzig Jahren 1956. Das Freibad in Welper wurde ebenfalls in den fünfziger Jahren gebaut, genauer, am 8. Juli 1956, und steht heute unter Denkmalschutz.
In beiden Bädern ist es schon ein Schwimmvergnügen mit Blick in die Vergangenheit. Natürlich wurden die Bäder immer wieder renoviert und den modernen Erfordernissen angepasst, doch der alte Charme der fünfziger Jahre ist geblieben – und das macht sie vielleicht auch zu etwas Besonderem.
Das Hattinger Bad wurde 2004 aufgrund der Architektur in die Denkmalliste aufgenommen, ziemlich einzigartig in NRW. Das zieht bei Sanierungen das Beachten besonderer Vorschriften nach sich. Die geschwungenen Formen, ein typisches Kennzeichen der 50er Jahre, gibt es also bis heute. Nierenförmiges Nichtschwimmerbecken und runde Umkleidekabinen – wo gibt es das noch? Würde auch niemand mehr bauen wollen, denn in runden Kabinen sind Spinde wesentlich schlechter anzubringen. 2015 wurde kräftig renoviert: 7000 Euro für neue Warmwasserduschen, 22.000 Euro für die in die Jahre gekommenen Toiletten. Betreiber des Bades sind übrigens die Stadtwerke Hattingen.
In Sprockhövel kümmert sich die ZGS um den Freibad-Betrieb. Zuschüsse von rund 200.000 Euro pro Jahr sind nicht von Pappe. Trotzdem ist es der ZGS gelungen, in etlichen Jahren die früher noch höheren Zuschüsse zu reduzieren. Und der Jubilar ist für sein Alter auch noch fit und rüstig. Das sieht nicht nur Ralph Holtze, Leiter des städtischen Eigenbetriebes ZGS, so. Auch Martin Müller (29), seit der letzten Freibadsaison als Fachangestellter für Bäderbetriebe dabei, ist sehr zufrieden. Zusammen mit der geprüften Schwimmmeisterin Ulrike Adamy und der Fachangestellten für Bäderbetriebe, Jasmin Dal Canton, ist es für ihn die zweite Saison in Sprockhövel. „Das Wasser bleibt nach der Badesaison im Becken, damit sich im Winter ein leeres Becken nicht ungleichmäßig anheben kann. Das ist nämlich bis zu zehn Zentimetern möglich. Außerdem sorgen wir dafür, dass immer frisches Wasser zugeführt wird, damit sich keine geschlossene Eisdecke bildet, die ebenfalls das Becken zerstören könnte. Ende Februar wird das Wasser dann abgelassen und es beginnen umfangreiche Sanierungsarbeiten an und in den leeren Becken“, erzählt Martin Müller. Die Wasserqualität mit Sprockhöveler Quellwasser ist übrigens top. Und es dauert dann rund zwei Wochen, bis die Becken mit dem frischen Nass gefüllt sind.

Sprockhövel feiert sein Freibad

Seit 1994 bemüht sich auch der Förderverein mit rund 600 Mitgliedern um den Erhalt und die Attraktivitätssteigerung des Bades. So gab es in dieser Saison eine neue Baby-Wickelkommode. Bisher wurden die Kleinen nämlich auf der Wiese gewickelt oder die Tischtennisplatten mussten als Provisorium herhalten. Jetzt hängt die neue Wickelkommode im Bereich der Damenumkleiden an der Wand und ist ausklappbar. Und der Förderverein ist auch maßgeblich am großen Geburtstagsfest vom 19. bis 21. August. Der Freitagabend startet mit einem Open-Air-Kino-Abend. Mit professioneller Unterstützung durch die Firma „Filmriss Projektkino“ wird unmittelbar am 50-Meter-Becken auf einer über 50 qm großen Leinwand die schwedische Komödie „Männer im Wasser“ gezeigt.
Mit Situationskomik und reichlich Dialogwitz wird die Geschichte einer alten Hockeymannschaft gezeigt, die während ihrer Midlife-Crisis auf die absurde Idee kommt, ein Synchronschwimmteam zu gründen.
Die Kinobesucher bekommen ganz stilgerecht abends eine Kinokarte zum Preis von fünf Euro. Einlass ist ab 18 Uhr. Der Film kann sowohl von der Zuschauertribüne aus, als auch im Wasser auf einer Luftmatratze liegend, angeschaut werden. Für die Bewirtung sorgt der Freibad-Förderverein.
Der Hauptfilm startet voraussichtlich um 21.30 Uhr, wenn es dunkel ist, bis dahin wird musikalische Unterhaltung geboten von der Akustik-Band „Della Brown.
Für Samstagabend, 20. August, hat die ZGS dann eine kleine Geburtstagsparty mit Livemusik organisiert. Eintritt ist auch an diesem Abend ab 18 Uhr für fünf Euro. Um 19 Uhr geht es dann los mit der Coverband „Live@Five“, die Hits aus den 80ern, 90ern und aktuelle Songs spielen. Natürlich ist an diesem Abend auch für Essen und Trinken gesorgt. Der Erlös dieser Veranstaltung dient dem Erhalt des Freibades.
Am Sonntagvormittag findet dann noch ein Beach-Volleyball-Turnier statt, organisiert durch die Volleyball-Abteilung der TSG Sprockhövel. Für die Kinder gibt es eine Hüpfburg und eine Torwand.
Auf Grund der Vorbereitungen schließt das Freibad am 19. Und 20. August bereits um 15.30 Uhr.
Übrigens: Ein Blick in das Stadtarchiv in Hattingen zeigt: die erste Badesaison 1956 war verregnet. Doch die Besucherzahlen sind so eine Sache. Schlimm war es auch 2011. Damals kamen nur rund 18000 Besucher nach Welper und auch in Sprockhövel sah es nicht besser aus. Es braucht oft mehrere warme Tage, damit die Gäste auch nur so ins Nasse strömen. 2015 besuchten 27.000 Gäste das Freibad in Welper. Tagesrekord in Sprockhövel war der 4. Juli 2015 mit über 2300 Besuchern.
Das Freibad war früher ein sehr beliebter Freizeitspaß bei der ganzen Bevölkerung. „Ich ging auch mit meiner Freundin und späteren Frau dorthin. Wir saßen auf der Decke und ich hatte den Arm um sie gelegt. Dann kam der Bademeister und sprach von unsittlichem Benehmen und er wollte uns aus dem Freibad werfen“, erinnert sich Hans-Dieter Pöppe aus Sprockhövel. Das konnte er allerdings abwehren. Heute ist der Freizeitspaß in die Jahre gekommen, aber immer noch ein sehr preiswertes Vergnügen für den Sommer.
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