Café Miteinander: Aus "fremd" wird "Freund"

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Ingrid Leukers-Bölicke hatte die Idee zum Café. Foto: Pielorz
 
Das Café Miteinander. Foto: Leukers-Bölicke
Sprockhövel: Gemeindehaus |

In der dritten Novemberwoche im letzten Jahr ging es an den Start, das Café Miteinander“, im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde im Perthesring in Sprockhövel.

Ziel ist es, sich interkulturell zu begegnen. Aus Fremden sollen Freunde werden.
„Hallo, guten Tag. Ich heiße Aladin. Und wie heißen Sie?“ Mit diesen Worten kommen viele Flüchtlinge in das Café, grüßen, sagen ihren Vornamen und fragen nach dem Namen des Angesprochenen. Wie selbstverständlich geben auch die jungen Männer den Frauen die Hand. Keine Spur von Überheblichkeit oder gar Geringschätzung gegenüber Frauen. „Das kennen wir hier nicht. Das Café war so etwas meine Idee in der Flüchtlinghilfe Sprockhövel. Im Gemeindehaus der Evangelischen Kirchengemeinde am Perthesring haben wir passende Räumlichkeiten gefunden. Jetzt sind es etwa dreißig Frauen, die hier ehrenamtlich mitarbeiten. Nur mit den Männern hapert es etwas. Sicher, Jürgen Nath und Uli Pätzold-Jäger kommen öfters vorbei, aber es wäre schön, wenn sich nocht mehr Männer finden würden, die hier mitarbeiten“, berichtet Ingrid Leukers-Bölicke.
Natürlich kennt auch sie die aktuellen Probleme und Sorgen, die sich um das emotionale Thema Flüchtlinge bewegen. „Ich habe auch versucht, die Probleme der sexuellen Übergriffe anzuschneiden, doch in einer so großen Gruppe wie hier im Café kann man das nicht diskutieren. Ich habe aber mit zwei Irakern gesprochen und die sind genauso entsetzt wir wir alle. In kleineren Gruppen würde ich das gerne noch einmal thematisieren, überhaupt auf das Frauenbild in unterschiedlichen Kulturen eingehen.“
In der Café-Atmosphäre ist von alledem nichts zu spüren. Fröhlich geht man miteinander um, mit Kindern wird gebastelt. Erwachsene trinken Tee oder Kaffee, essen Kekse oder spielen ein Gesellschaftsspiel. „Viele alte Gesellschaftsspiele kannten die Flüchtlinge. Mühle, Dame oder Schach waren ihnen vertraut und das hat auch geholfen, miteinander umzugehen“, weiß Leukers-Bölicke.
Eine ältere Dame kommt. Sie hält einen Flyer in den Händen. Der ist verteilt worden und ist eine Einladung in das Café. „Ich möchte mir das mal ansehen“, sagt sie. „So haben wir uns das vorgestellt“, freut sich Leukers-Bölicke.

Entspannte Atmosphäre

Sie berichtet von einem Kuchen, den die Flüchtlingsfrauen gebracht haben und davon, dass man mal arabischen Kaffee probiert habe. Sie zeigt ein visuelles Wörterbuch. Hier gibt es Bilder und dazu stehen die Schriftzeichen in unserer Sprache und in arabischen Zeichen. „Viele der Flüchtlinge, die ins Café kommen, können aber schon etwas Deutsch. Sie sind in der Regel mehrere Monate hier. Kontakt zu der Notunterkunft haben wir mit dem Café nicht, denn wir wollen keine Beziehungen aufbauen, die keine Zukunft haben. Die Menschen, mit denen wir uns hier treffen, besuchen Sprachkurse und hoffen, hier bleiben zu können.“
Willkommen sind alle Nationaliäten und jedes Alter. „Sie kommen alle freiwillig. Deshalb ist die Atmosphäre vermutlich auch locker. Hier gibt es kein Geld, keine Papiere, keine Kleidung. Hier muss niemand für etwas anstehen, hier ist einfach ein Treff, um die Freizeit zu verbringen und mit Landsleuten und Sprockhövelern ins Gespräch zu kommen.“
Es wird immer voller. das Café startet jeden Donnerstag um 16 Uhr im Gemeindehaus am Perthesring. Eine Stunde später sind rund siebzig Personen dort, darunter bestimmt fünfzig Flüchtlinge. Auch Bürgermeister Ulli Winkelmann und Ralph Holtze von der ZGS schauen vorbei. Dann bekommt die Flüchtlingshilfe Sprockhövel noch 702 Euro Erlös aus der Krippenausstellung überreicht und alle freuen sich.
Rezepte austauschen, zusammen backen, voneinder lernen und gemeinsam gut in einer Stadt leben – das ist der Wunsch nicht nur von Ingrid Leukers-Bölicke an das Café Miteinander.
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