Flüchtlingspolitik: ZGS-Leiter wehrt sich gegen Beleidigungen

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Wehrt sich gegen die Vorwürfe: ZGS-Leiter Ralph Holtze
Sprockhövel: Rathaus |

Ralph Holtze (59), seit 15 Jahren bei der Stadt Sprockhövel und Leiter der ZGS, ist stinksauer. Die Zentrale Gebäudebewirtschaftung (ZGS) ist unter anderem zuständig für die Unterkünfte der Flüchtlinge. Dabei verfolgt sie das gemeinsam mit der Politik beschlossene Konzept „Vermeidung von Obdachlosigkeit, Unterbringung in Festbauten wie Wohncontainern und danach Unterbringung in Wohnungen.“ Doch seit Monaten kritisieren Einzelpersonen sowie Vereine und Gruppen diese Politik und das offenbar auf eine sehr persönliche Art und Weise, die an den Leiter der ZGS gerichtet ist.

„Ich bekomme anonyme Briefe ins Rathaus oder nach Hause in den Briefkasten. Ich werde darin zum Rücktritt aufgefordert und erhalte Drohungen mit dem Tenor, ich solle den Bogen nicht überspannen. Am Waldweg werden Briefe an den Bürgermeister und mich an Bäume getackert, anonym von einer ‚Fledermaus‘ geschrieben. Ebenso werden mir Unregelmäßigkeiten als Briefwahlvorstand beim Bürgerentscheid gegen die Bebauung am Waldweg vorgeworfen. Das lasse ich nicht länger auf mir sitzen“, wehrt sich Holtze jetzt in der Sitzung des Betriebsausschusses.
Der Inhalt der Briefe steht zum einen im direkten Zusammenhang mit dem Bürgerentscheid gegen die Bebauung am Waldweg, der ein Bolzplatz weichen soll. Die Bürgerinitiative hatte den Bürgerentscheid verloren und mit der Bebauung kann begonnen werden. „Als wir für die Zufahrt sechs Bäume fällen wollten, waren da auf einmal Fledermäuse. Es wurde bei der Unteren Landschaftsbehörde Einspruch gegen die Baumfällung eingereicht, die nach Prüfung aber abgelehnt wurde. Es handelte sich nicht um ein Quartier der Fledermäuse, sondern nur um ein Futterhabitat, worauf die Baumfällung keinen Einfluss hat“, so Holtze. Im übrigen weist er daraufhin, dass für die bestehenden Häuser der Anwohner vor drei Jahren 25 Bäume gefällt werden mussten.

"Ich setze politische Beschlüsse um"

In diesem Zusammenhang weist der ZGS-Leiter erneut darauf hin, dass die geplante Bebauung keine Flüchtlingsheime darstellten. „Die Häuser sind barrierefrei und behindertengerecht und dienen nur im ersten Schritt der Unterbringung von Flüchtlingsfamilien. Wenn durch Auszüge Wohnungen frei werden, können Sprockhöveler mit einem Wohnberechtigungsschein (WBS) hier ebenfalls mieten.“
Zum anderen wird Holtze immer wieder im direkten Zusammenhang mit der Traglufthalle angegriffen. „Die Traglufthalle ist Ersatz für die Unterbringung von Flüchtlingen in Turnhallen. Der Gesetzgeber sieht vor, dass ankommende Flüchtlinge zunächst in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, damit sie entsprechend registriert werden können und die Helfer auch einen Überblick über die Situation haben. Sie sollen in dieser Halle keinesfalls dauerhaft leben.“ Die ZGS sei hier ein ausführendes Organ für die Umsetzung eines politischen Willens. „Man hätte natürlich auch andere Möglichkeiten nutzen können. Aber die vielzitierten Holzhäuser wären definitiv teuer in der Anschaffung gewesen und aufgrund von Bauvorschriften hätte man eine zweite Fläche benötigt, um die für die Traglufthalle geplante Anzahl von Flüchtlingen auf diese Art und Weise unterzubringen. Dafür gab es keine politische Mehrheitsentscheidung.“
„Seit Monaten werde ich namentlich diffamiert. Auch wenn die Flüchtlingspolitik nicht jedem gefällt, so ist hier keinesfalls eine Einzelperson verantwortlich. Ich setze politische Mehrheitsentscheidungen um, mehr nicht. Und das sollte man einfach mal zur Kenntnis nehmen.“
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2 Kommentare
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Guido Wüppenhorst aus Hattingen | 17.09.2016 | 20:11  
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Dr. Anja Pielorz aus Hattingen | 18.09.2016 | 11:50  
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