Wirtschaft vor Ort: Sprockhövel, mehr als Naherholung

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Volker Hoven als Beigeordneter und Kämmerer, Ingrid Döbbelin von der Wirtschaftsförderung und Bürgermeister Ulli Winkelmann sehen Sprockhövel für das neue Jahr gut aufgestellt. Foto: Pielorz
Sprockhövel: Rathaus |

Volker Hoven, Erster Beigeordneter und Kämmerer in Sprockhövel, zieht gemeinsam mit Bürgermeister Ulli Winkelmann und Wirtschaftsförderin Ingrid Döbbelin eine positive Bilanz des Jahres 2017. „Sprockhövel wird geprägt durch viele familiengeführte mittelständische Unternehmen. Dieser Familiencharakter, der eine hohe soziale Verantwortung mit sich bringt, dominiert das Stadtbild. Um als Stadt weiter wachsen zu können – und das auch im Hinblick auf Gewerbeflächen – wünsche ich mir eine neue Denke in der Regionalplanung.“

Denn, so der Beigeordnete, die Regional- und Landesplanung sehe in Sprockhövel in erster Linie ein grünes Naherholungsgebiet und der Regionalplan biete hier keine Wachstumschancen. „Wir wollen grün bleiben. Aber wir haben auch Bedarf an neuen Gewerbeflächen. Die bisherigen Flächen sind fast ausgereizt und um als Gemeinde sicher in die Zukunft gehen zu können, brauchen wir die Möglichkeit, neue Gewerbeflächen ausweisen zu können. Wenn sich eine Gemeinde entwickeln soll, dann geht dies über neue Wohngebiete, also die Vergrößerung der Einwohnerzahl, und über die Entwicklung der Gewerbestruktur. Beides bringt der Kommune Einnahmen, mit denen sie den Standort attraktiver gestalten kann. Vorhandene Unternehmen müssen Möglichkeiten der Erweiterung finden, damit sie am Ort gehalten werden können. Und neue Unternehmen müssen angeworben werden können, um die Stadt für Wohnen und Arbeiten attraktiv zu halten“, findet Hoven klare Worte.
Er macht deutlich, was er sich von der neuen Landesregierung erwartet. Der Regionalplan trage eine deutlich grüne Handschrift, da müsse man nachbessern. „Sprockhövel ist eine große und grüne Flächengemeinde. Selbstverständlich ist die Natur auch ein Standortfaktor, den wir nicht missen möchten. Aber sie ist nur EIN Standortfaktor. Darüber dürfen wir andere Punkte nicht vernachlässigen. Schon jetzt können wir Anfragen für größere Flächen nicht mehr bedienen. Regionalpläne nehmen immer das ganze Ruhrgebiet in den Blick und sicher ist es richtig, dass es in größeren Ruhrgebietsstädten Brachen gibt, die wieder mit Leben gefüllt werden müssen. Das aber darf nicht den Blick darauf verstellen, dass kleine Kommunen sich ebenfalls entwickeln müssen. Es darf nicht sein, dass Firmen aus kleinen in große Städte abwandern, weil die kleinen Städte ihnen keine Entwicklungspotentiale mehr bieten können.“

Umgehungsstraße: Baubeginn noch in 2018

Der Blick der Wirtschaftsförderung ist fest auf die Einnahmen-Seite gerichtet. Gebühren und Steuern seien zwar ein einfaches Mittel, um diese zu verbessern, aber: „Auf Dauer ist das absolut kontraproduktiv, denn sie sind weder für Unternehmer noch für private Eigentümer attraktiv.“
Ingrid Döbbelin von der Wirtschaftsförderung ergänzt: „Wir freuen uns darüber, dass wir das Gelände von Avery Denison verkaufen konnten und sich hier mit Hytorc ein innovatives Unternehmen angesiedelt hat. Wir freuen uns über Jumbo-Textil, die ihre Firma in der Stefansbecke 2 angesiedelt haben und aus Wuppertal zu uns gekommen sind. Wir freuen uns über die großartigen Ausbildungsbemühungen unserer Firmen. Wir freuen uns über die enge Vernetzung zwischen Unternehmern und Auszubildenden durch die Schulen. Hier gibt es Praktikamöglichkeiten und direkte Kontakte. Das Unternehmerfrühstück haben wir schon sieben Mal durchgeführt. Und wir haben 243 Bewerbungen für die Ausbildung zum Bachelor of law und die Verwaltungsfachangestellte bei der Stadt Sprockhövel erhalten.“
Ein Augenmerk des Ersten Beigeordneten liegt auf dem Busbahnhof in Niedersprockhövel. „Er ist nicht barrierefrei und mit entsprechenden Fördermitteln hoffe ich hier auf einen Umbau. Das Zentrum Niedersprockhövels braucht eine Aufwertung durch einen neugestalteten Marktplatz. Wir haben ein Gutachten in Auftrag, dessen Ergebnisse wir Anfang 2018 Politik und Öffentlichkeit vorstellen werden. Zusammen mit der Umgehungsstraße, die nun endlich kommen wird, rechne ich mit einer Zeitspanne von fünf Jahren, bis alles fertig ist.“
In 2017 gehörte die Breitband-Förderung zu einer der wirtschaftlichen Hauptaufgaben. „Schnelles Internet gewinnt an Dimension und ist für Unternehmen, aber auch Privatleute, zu einer Selbstverständlichkeit wie Strom und Wasser geworden“, erklärt Ingrid Döbbelin.
Zu den „weichen Standortfaktoren“ gehört auch eine gute Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen und Freizeiteinrichtungen. In diesem Zusammenhang sei auch die erneut aufgeflammte Diskussion um ein eigenes Gymnasium zu sehen. „Die Sprockhöveler Kinder besuchen derzeit ohne städtische Haushaltsbelastung umliegende weiterführende Schulen anderer Städte. Diese erhalten aber dafür finanzielle Mittel aus den Schlüsselzuweisungen“, erklärt Bürgermeister Ulli Winkelmann und macht deutlich: „Ich habe Signale, dass sich an dieser Praxis etwas ändern könnte und deshalb sollten wir uns die Frage stellen, ob wir nicht andere eigene Möglichkeiten haben.“
Ohne das hohe bürgerschaftliche Engagement wäre so manches nicht denkbar – da sind sich Bürgermeister, Beigeordneter und Wirtschaftsförderung einig und nennen als Beispiel die ehrenamtlich arbeitenden Werbegemeinschaften, die in den Stadtteilzentren tolle Veranstaltungen auf die Beine stellen. „Sprockhövel entwickelt sich gut – und wird noch besser, wenn sich die Rahmenbedingungen verbessern.“
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