Besinnliches von Arne Stolorz: "Auf der Durchreise"

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Arne Stolorz, Pfarrer der Ev. Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel
Sprockhövel: Zwiebelturmkirche |

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. Als der Tourist das sieht, fragt er überrascht: „Und wo sind Ihre Möbel?“ „Wo sind denn Ihre?“ erwidert der Mönch. Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ Der Mönch lächelt: „Wir auch.“ (Aus: Typisch! Kleine Geschichten für andere Zeiten, S.47).

Der Verfasser des Hebräerbriefes drückt die gleiche Erkenntnis so aus: „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,14).
An diesem Wochenende feiern die Kirchen Totensonntag. Es ist der letzte Sonntag des Kirchenjahres, bevor mit dem Advent das neue Kirchenjahr beginnt.
In den evangelischen Kirchen ist es feste Tradition, dass Angehörige der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres auf persönliche Einladung ihrer Kirchengemeinde in den Gottesdienst geladen werden, wo der Verstorbenen gedacht wird: Ihre Namen werden verlesen, und für jeden Verstorbenen wird eine Kerze angezündet.
Du kannst nichts festhalten. Nichts, was du hast, keinen Menschen, mag er dir noch so lieb und teuer gewesen sein, und auch nicht dein eigenes Leben. Das ist die eine und doch so schwere Erkenntnis dieses Festes.
Und die andere: Da kommt noch was. Denk vom Ende her. Denn von diesem Ende her fällt ein neues Licht auf das Jetzt. Im Licht des von Gott versprochenen Endes der Welt erkennen wir: Alles, was ist, was ich habe und bin und was mir passiert, ist vorletztes Geschehen. Nicht ich bin es, der für Vollendung sorgen kann und muss. Nicht ich bin es, der sich verewigen und die Menschheit retten müsste. Nicht ich bin es, der alles Leid der Welt verhindern oder beseitigen könnte und müsste. Das zu tun, hat Gott versprochen, und Gott hält, was er verspricht.
Beispiele namhafter Christen zeigen: Menschen, die von diesem Ende her denken, sehen sich entlastet. Sie können ihren Weg aufrecht gehen und gelassen ihr Tagewerk tun. Menschen, die von diesem Ende her denken, sind frei, auch andere Meinungen gelten zu lassen und Kompromisse zu schließen.
Und schließlich können Menschen, die von diesem Ende her denken, auch lernen loszulassen. Das wird mir nicht die Trauer nehmen um einen Menschen, den ich lieb hatte und der nicht mehr da ist. Aber es taucht die Trauer in das milde Licht von Gottes Ewigkeit.
Denk vom Ende her, sieh auf Gottes Vollendung! Das ist die tröstende Herausforderung von Totensonntag. Deswegen nennen wir diesen Sonntag auch Ewigkeitssonntag. Und lassen uns daran erinnern: „Wir sind ja nur auf der Durchreise.“

Arne Stolorz,
Pfarrer der
Ev. Kirchengemeinde
Bredenscheid-Sprockhövel
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