Die rote Cordhose oder Früher war alles anders?!

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Die rote Cordhose oder Früher war alles anders ? !

Immer wieder wird heute das völlig übertriebene Modebewusstsein und der Markenwahn der Jugend angesprochen.

Schon mit den Kleinsten in der Schule geht es los.

Kinder achten auf ihre Markenschuhe, Markenkleidung... Der Schultornister muss ein bestimmter sein.
Und alle paar Wochen oder Monate ist out, was gerade noch in war und Neues ist erforderlich.
Die alten Teile werden ausrangiert, obwohl sie meist fast neuwertig und kaum getragen sind.

Preise für Markenartikel werden genannt, gefordert und gezahlt, die in keinem Verhältnis zur Qualität der Ware stehen. Aber der Markenname! Wenn der stimmt, muss gekauft werden!

Die Eltern werden teilweise so lange „bearbeitet“, bis sie die viel zu teuren Teile kaufen, auch wenn das die Einkommensverhältnisse weit übersteigt.

Wer von den Jugendlichen nicht mitzieht, steht außen vor und wird belächelt, verhöhnt und ausgegrenzt.

Wer möchte das seinen Kindern antun?!

Also wird gekauft, was das Zeug hält und gerade „in“ ist.

Die ältere Generation hörte ich schon oft sagen, „das war früher nicht so“.

Und dann fällt sie mir wieder ein, die Geschichte : „Die rote Cordhose“.

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Die rote Cordhose

Ich war 15 Jahre, es war im Jahr 1971.

Mit einigen Klassenkameraden bildeten wir die wohl einflussreichste Gruppe in meinem Jahrgang. Immer die große Klappe, die ersten Rauchversuche, die frühreifen Liebeleien....
Alle wollten dazugehören, es schafften nur „Auserwählte“.

Und, natürlich, waren auch wir damals schon Mode interessiert.

In jenem Sommer war sie „in“, die rote Cordhose. In unserer Gruppe trugen wir alle eine.

Die kleine, blonde Gabi war eher eine Außenseiterin in der Schule. Wir ließen sie manchmal gnädigerweise so „mitlaufen“. Doch wirklich gehörte sie nicht zu unserer Gruppe.

Ihren Wunsch nach einer roten Cordhose konnten ihre Eltern aus finanziellen Gründen nicht erfüllen.

Und die wollte sie doch so gerne. Sie hoffte, dann einmal richtig zu uns zu gehören.


Darum sparte sie eisern in den Sommerferien ihr Taschengeld und versuchte durch kleinere Gefälligkeiten im Ort, wie Autowaschen und Gartenarbeiten, das Geld zusammenzusparen.


Denn es war ja nicht einfach eine rote Cordhose! Nein, die richtige (teure) Marke musste es sein!

Ich weiß den Preis nicht mehr. Er war jedoch unverhältnismäßig hoch.

Sie hat es geschafft. Nach den Ferien präsentierte sie ihre Hose stolz in der Schule.

Wie entsetzlich kommt es mir noch heute vor! Wir haben sie ausgelacht; es war ja längst eine andere Hose in!

Nie werde ich das vergessen. Wie grausam können Kinder sein!

Bei einem Klassentreffen vor Jahren sprachen wir darüber.

Könnte doch manchmal das Rad der Zeit zurückgedreht werden.

Wie vieles würde man anders machen!

Heute wie damals.
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4 Kommentare
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Susanne Demmer aus Essen-Nord | 16.10.2015 | 11:49  
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Christian Nessit aus Gelsenkirchen | 16.10.2015 | 12:42  
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 16.10.2015 | 22:43  
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Christiane Bienemann aus Kleve | 22.10.2015 | 10:51  
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