Böllerschützen St. Barbara Keppeln waren der „Knaller“ in Ravenstein

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Um 22:15 Uhr war das Nachtböllern angesagt.
 
Das teilrestaurierte Bollwerk auf Privatbesitz des Professor van Mourik im niederländischen Ravenstein.
 
Aufbau der Kanonen.
Uedem: Böllerschützen |

Freitag, 13. Mai 2016, war für die Böllerschützen St. Barbara, eine Untergruppe der St. Sebastianus Bruderschaft Keppeln e.V., ein Glückstag. Martin Jan van Mourik, emeritierter Professor der Rechte, hatte die Keppelener Gruppe zur feierlichen Eröffnung des Philip van Kleef Bolwerck in das niederländische Ravenstein eingeladen. Mit Hand-, Schaft- und Standböller, Böllerkanonen und FK-Salutböller im Gepäck, machten sich 15 Mann von Keppeln auf in das Nachbarland.

Von Helmut Heckmann

Das im Jahre 1509 in Ravenstein von Philip von Kleve erbaute Bollwerk, Ravenstein gehörte zum Herzogtum Kleve und später zu Preußen, hatte der geschichts-interessierte Professor schon 1988 auf seinem Anwesen entdeckt. Doch die Zeit verging, einige Hürden mussten genommen werden. Aber dann, 2014, war es endlich soweit: Das alte Bollwerk konnte unter Begleitung von Archäologen freigelegt und dann restauriert und zugänglich gemacht werden.
Dies sollte, so der Plan des Professors, mit einer großen Feier eröffnet werden. Was lag da näher, als eine alte Klever Gilde einzuladen? Lange genug war Ravenstein ja im Eigentum der Klever Herzöge. Doch die alte Klever Gilde sagte - aus welchen Gründen auch immer - ihr Kommen und die Teilnahme an der Eröffnungsfeier ab.
Wim Roosengarten, Mitglied bei den Keppelener Böllerschützen, hatte im Vorfeld mitbekommen, dass Professor van Mourik bedauerlicherweise zu seiner Einladung eine Absage bekommen hatte. Er sprach mit Peter Quinders, Brudermeister der St. Sebastianus Bruderschaft Keppeln e.V., der auch Böllerschütze bei St. Barbara ist, darüber. Quinders nahm Kontakt mit Professor von Mourik auf und sah sich die Örtlichkeit in Ravenstein am Palmsonntag persönlich an. Peter Quinders dazu: „Die Herzlichkeit mit der wir in Ravenstein empfangen wurden, ließ für uns keinen Zweifel aufkommen darüber,ob wir dort auftreten würden. Es musste nur über die Form unseres Auftritts nachgedacht und diese in unserer Gruppe geplant werden“.
Zufällig trägt die Böllerschützengruppe aus Keppeln den Namen St. Barbara, genauso wie die örtliche Gilde in Ravenstein, wo der Professor Schirmherr ist.

Klärung des Ablaufs und Übung in Keppeln

Es wurde im Vorfeld der Ablauf geübt in Keppeln und am vergangenen Freitag war es soweit. Von den 20 Personen der Böllerschützen St. Barbara die eine Erlaubnis nach § 27 Sprengstoffgesetz haben, fuhren Frank Beeker, Henk van Rengs, Wim Roosengarten, Norbert Pichel, Andreas Katzer, Hans-Theo Hoffmann, Heinz-Dieter Winter, Herbert Brenda, Bert Teunissen, Rudi Hoenzelaer, Achim Janshen und Peter Quinders nach Ravenstein. Für Foto und Film fuhren das Mitglied Helmut Heckmann sowie Sven Heckmann mit.
Gut eineinhalb Stunden dauerten Aufbau und Einrichten der Böllerkanonen auf den Wällen des Bollwerks. Und alles bei bester Laune der Böllerschützen, Sonnenschein mit Temeratruren um 27 Grad, und der Gewissheit, dass alles gut organisiert und vorbereitet war. Somit konnte nichts schiefgehen.
Als gegen 18 Uhr Professor Martin Jan van Mourik die Gäste begrüßt, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Oss sowie der Klever Stadtarchivar ihre Reden gahalten hatten, war es nach kurzer Ansprache die Aufgabe des bis 2012 amtierenden Chefs der niederländischen Streitkräfte, General Peter van Uhm, den ersten Schuss aus der großen Kanone abzufeuern. „Jetzt gibt’s was auf die Ohren“, so der General und schon zündete ein mächtiger Böllerschuss, der durch einen Gegenböller eines Keppelner Schützen, von der anderen Seite der Gracht am Bollwerk, beantwortet wurde. Nach allgemeinem Applaus der gut 250 geladenen Gäste schoss eine Kanone aus dem Ravelin und anschließend die Hand- und Schaftböller der Größe nach. Dann sprachen die auf den Wällen stehenden Kanonen ein mächtiges Wort. Unter den jubelnden Rufen der Gäste wurde damit der erste Durchgang der Böllerschützen St. Barbara aus Keppeln beendet.

Das Nachtschießen

Der zweite Teil begann für die Böllerschützen um 22 Uhr mit einem Nachtböllern. Doch bis dahin wurde noch so einiges geboten auf dem historischen Gelände.
Zunächst einmal gab es Essen und Trinken. Besonders Trinken, denn bei den vorherrschenden Temperaturen war dies sehr wichtig. Vom Grill gab es kross gebratenes Spanferkel, dazu Püree mit Sauerkraut oder Möhren sowie Brot. Nun, da ließen es sich unsere St. Barbara Böllerschützen aus Keppeln nicht zweimal bitten, ebenso wie die rund 250 geladenen Gäste.
Man kam auch mit den anderen Gästen ins Gespräch und diese waren des Lobes voll für die bis dahin erlebten Aktionen der Böllerschützen. Wer Lust hatte konnte sich die hervorragende Ausstellung des Böllerschützen Wim Roosengarten, der seine hinter dicken Glasscheiben gut gesicherte private Sammlung an historischen Waffen zeigte. Hierzu beantwortete Wim die vielen Fragen, die ihm in Bezug auf die Historika von den Gästen gestellt wurden.
Zwischendurch lauschten die Gäste den drei Musikern die, in mittelalterlicher Kleidung gewandet, mit Drehleier, Flöte und Sackpfeife durch die Menge wandelten und alte Lieder zum Besten gaben. Extra für die Gäste aus Deutschland gab es dann auch die Lieder „Es wollt’ ein Bauer früh aufstehen“ und „Muss i denn zum Städtele hinaus“ in deutscher Sprache gesungen.
Dann war es wieder soweit. Gegen 22 Uhr verteilten sich die Böllerschützen erneut auf den Wällen des Ravelins und richteten ihre Handböller- und Salutkanonen her für das nächtliche Böllern. Ein wahrhaft romantischer Anblick bot sich den Gästen. Im letzten „Büchsenlicht“ des Abends brannten in Abständen überall auf den Wällen Fackeln und der Feuerschein warf seine Schatten und ein gespenstisches Licht auf die alten Trauerweiden die am Fuß der Wälle an der Gracht standen. Dann waren die Vorbereitungen beendet und es konnte los gehen.
Peter Quinders gab die Kommandos zum Laden, Fertigmachen und Feuern. Die Salven der Böllerkanonen und der Hand- und Schaftböller dröhnten über das nächtliche Ravenstein. Diese wurden wiederum mit viel „Ah“, „Oh“, Applaus und „Bravo“-Rufen der Anwesenden begleitet.
Den krönenden Abschluss des nächtlichen Spektakels gab es über der großen Schießscharte. Dort wurde ein Feuerwerk aus Buchstaben abgebrannt die den Namen „Ravenstein“ in einem Flammenmeer bildeten. Dies war auch der Höhepunkt für Martin Jan van Mourik, dem Professor, dem die Nachwelt nun ein weiteres erhaltenes Relikt aus längst vergangener Zeit zu verdanken hat. Seine begeisterten „Bravo“-Rufe waren laut und deutlich zu hören.
Nach diesem phänomenalen Abschluss des ereignisreichen Tages begann für die Böllerschützen noch einmal ein Stück Arbeit. In der Dunkelheit, nur durch das spärliche Licht einzelner Taschenlampen, musste alles wieder abgebaut und in die Anhänger geschafft werden. Doch mit vereinten Kräften war dies bald geschehen.
Nun hieß es Abschied nehmen. Bei einem letzten Trunk verabschiedete man sich von Professor Martin Jan van Mourik, der sich seinerseits vielfach bedankte für die tolle Darbietung der Böllerschützen St. Barbara aus Keppeln. Und diese konnten sicher sein, eine Menge neue Freunde unter den niederländischen Nachbarn gefunden zu haben.
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