„Davon wusste ich nichts!“: Lebenslügen und ihre Folgen - ARD-Film zeigt Schicksal einer Unnaer Familie

Wann? 18.01.2016 23:30 Uhr

Wo? Fernseher, Unna DE
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Die Unnaerin Sinja Dieks spielt die Unnaerin Ida Timmer. (Foto: SWR)
 
Brigitte Sprenger-Eichhorn (Foto: SWR)
Unna: Fernseher |

Die Zeit des Nationalsozialismus ist ständig präsent. Ganz aktuell hat die Herausgabe einer kommentierten Ausgabe von Hitlers „Mein Kampf“ eine hitzige Diskussion ausgelöst. Doch wie sieht es mit unserer eigenen nationalsozialistischen Vergangenheit aus? Wie sind unsere Großeltern und Eltern damit umgegangen? Ein viel zu oft ausgeklammertes Thema.

Der Südwestrundfunk SWR hat unter dem Titel „Vater Mutter Hitler“ einen Film zu diesem Thema produziert, den die ARD am kommenden Montag, 18. Januar, um 23.30 Uhr zeigt. Kinder und Enkel gehen darin auf mühsame Spurensuche und fragen sich über 70 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus, wie ihre Eltern und Großeltern zu Hitler und zur NS-Ideologie standen. Waren sie Gegner oder gehörten sie zu den Anhängern des NS-Regimes? Waren sie vielleicht sogar selbst Täter? Und was bedeuten die Antworten auf diese Fragen für das Leben der Nachfahren heute?
Die Frage, warum der Film ausgerechnet auf diesem späten Sendeplatz gesendet wird,können wir hier leider auch nicht beantworten.

Der Film „Vater Mutter Hitler“ erzählt, was die Angehörigen von vier völlig unterschiedlichen Menschen bei ihrer Spurensuche herausgefunden haben. Als Quelle dienen ihnen die Tagebücher ihrer Eltern oder Großeltern, in denen diese ihre Gedanken, Ansichten und politischen Überzeugungen festgehalten haben. Diese einzigartigen Zeugnisse sind unmittelbar unter dem Eindruck der historischen Ereignisse geschrieben und geben somit die Überzeugungen ihrer Verfasser unverfälscht und unbeeinflusst von den späteren politischen Entwicklungen wieder.

Die Angehörigen setzen sich dabei mit einer Seite ihrer Familiengeschichte auseinander, über die nach dem Krieg zu oft geschwiegen wurde – und lernen ihre Eltern und Großeltern dabei auch von einer manchmal verstörenden Seite kennen. Die vermeintlich heile Welt der „guten alten Zeit“ bekommt große Risse.
Die Nachfahren erkennen, welche Hoffnungen ihre Eltern oder Großeltern mit der Machtübernahme Hitlers verbanden, welche Lebensentwürfe sie verfolgten und wie sich ihr Leben unter Hitler veränderte. Sie erfahren aber auch, wie diese Träume an Hitlers Politik zerbrachen – und manche müssen damit leben, dass Familienmitglieder auch zu den Tätern gehörten.

Da ist zum Beispiel Ida Timmer aus Solingen, die später in Unna lebte. Sie begrüßt Hitlers Machtübernahme. Als junges Mädchen imponiert ihr, wie das NS-Regime die Jugend umwirbt und Arbeit und soziale Sicherheit verspricht. Sie will heiraten und Kinder bekommen.

Doch ihr Lebensentwurf scheitert an Hitlers Kriegspolitik, ihre Träume platzen. Ihre Töchter, von denen auch heute noch eine in Unna lebt, beklagen das Schweigen der Mutter nach dem Krieg: „Dass sie sich mir gegenüber nicht geöffnet hat, das kann ich nicht verstehen. Warum? Warum?

In aufwändigen Spielszenen rekonstruiert der Film das Leben der vier Protagonisten zwischen 1933 und 1945: Felix Landau, Wilm Hosenfeld, Luise Solmitz und Ida Timmer. In Interviews kommentieren und ergänzen deren Kinder und Enkel die Spielszenen und lassen deutlich werden, wie stark sie die Fragen von Schuld und Verantwortung in der Zeit des Nationalsozialismus noch heute beschäftigen.
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