Rote Couch im OP - Wackerbarth-Ausstellung im Ev. Krankenhaus Unna

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Die rote Couch im OP: Helene Hondelink (Gesundheits- und Krankenpflegerin), Dr. med. Matthias Pothmann ((Stellvertretender Ärztlicher Direktor, Chefarzt Orthopädie), Sebastian Funke (Operations-Assistent) (Foto: Wackerbarth)
Unna: ev. Krankenhaus |

Ob in der Bettenzentrale, in der Küche, im OP oder im Rettungswagen… überall wo sie auftauchte, zog sie die Blicke auf sich: Die Rote Couch.
Neun Tage waren Horst Wackerbarth und sein Team Ende Juni dieses Jahres im Evangelischen Krankenhaus Unna zu Gast. Entstanden ist die Werkserie „Die Rote Couch im Evangelischen Krankenhaus Unna“; 19 Bilder, die die Lebenswelten eines Krankenhauses abbilden.

„Ich habe sonst immer große Regionen abgefahren: Die Vereinigten Staaten, vom Polarkreis bis Gibraltar, von Island bis zur Ukraine. In jedem Land habe ich mir zwei, drei Motive herausgepickt. In den letzten Jahren finde ich es auch immer wieder spannend, mich auf eine Welt zu begrenzen“, erzählt der bekannte Düsseldorfer Fotograf und Videokünstler.

Um sich in die Krankenhauswelt des EK Unna einfühlen zu können, übernachtete er in einem Patientenzimmer, aß in der Cafeteria, rauchte in der Raucherecke, unterhielt sich mit Patienten und plauderte mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Er hat Ärzte, Pflegende, Patienten und Angehörige fotografiert: auf dem Hubschrauberlandeplatz, auf der Demenzstation, in einer Baumkrone oder im Heizungskeller. Jedes der Fotos begleitet ein Video, denn jedem, der auf der Couch Platz nahm, stellte Wackerbarth dieselben 15 Fragen zu existenziellen Themen.

„Die Aktivitäten rund um die Rote Couch haben bei Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern zu einer enormen Resonanz geführt. Nicht nur, dass ein solches Projekt für ein Krankenhaus völlig ungewöhnlich ist. Die entstandenen Bilder und die in den dazugehörigen Videos festgehaltenen Aussagen und Statements nehmen ein und berühren. Der Betrachter bzw. Zuhörer bekommt ein ungeschminktes und authentisches Bild, das geprägt ist von der Arbeit von Menschen für Menschen. Kein Marketing kann die Botschaft eines christlich geprägten Krankenhauses derart nachhaltig transportieren“, ließ der Stiftungsvorstand dazu verlauten.

Horst Wackerbarth und die Rote Couch – eine „never ending story”

Horst Wackerbarth sammelt Menschen. Er sammelt Schicksale. Seit über einem Vierteljahrhundert bereist er die Welt mit seiner Roten Couch, die er in das Lebensumfeld unterschiedlicher Menschen platziert und diese darauf porträtiert; Junge und Alte, Arme und Reiche, Prominente und Unbekannte, Nobelpreisträger und Analphabeten, in der Eiswüste Alaskas und im Regenwald in Südamerika, in den Metropolen Europas und den Dörfern Sibiriens.
Menschen aus unterschiedlichen Lebenswelten erzählen auf der Couch von Glück und Unglück, von Ängsten und Träumen, von dem was ihr Leben bereichert oder belastet.

Ziel ist, ein Porträtwerk zu schaffen, eine Galerie der Menschheit. Die Rote Couch ist dabei gemeinsamer Nenner, roter Faden, Bühne, Thron, Kommunikationsplattform zugleich. Die Rote Couch bringt alle Menschen auf Augenhöhe!

Wackerbarths Arbeiten sind in 10 Buch-Monografien veröffentlicht, wurden in mehr als 50 Einzelausstellungen in Museen und Galerien weltweit gezeigt und sind in 13 bedeutende Sammlungen zeitgenössischer Kunst aufgenommen.
Nur eine Couch ist jeweils im Umlauf. Drei Sofas sind verloren gegangen: Eines ist bei einem gewagten Schiffsmanöver in den Pazifik gefallen, eines bei Aufnahmen mit Feuerwehrmännern abgebrannt und eines wurde versehentlich von Arbeitern eines Museums für Sperrmüll gehalten und entsorgt.

Die derzeit amtierende Couch ist seit 1996 im Einsatz und auf ihr haben die meisten Protagonisten Platz genommen. Sie wird in Abständen neu bezogen. Zweimal war eine komplette Restaurierung notwendig, nachdem Löwen und Eisbären sie zerlegt hatten.

Die Bilder und Videoinstallationen der Wackerbarth-Aktion am Ev. Krankenhaus Unna werden im gesamten Krankenhaus angebracht – erst einmal für unbestimmte Zeit. Es wird einen „Wegweiser“ geben, mit Hilfe dessen jeder Besucher/Patient die Ausstellungsorte finden kann.
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