Zum Thema 200 Jahre Fahrrad - Ein spannender Abend mit Werner Wülfing im Nicolai-Haus Unna

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Werner Wülfing
 
Werner Wülfing, Klaus Thorwarth und Ulrich Lübke ein „Künstler“ auf dem Hochrad
Unna: Nicolai-Haus | Donnerstag, 08. Juni 2017 19:00 bis 21:30 Uhr

Von Karl Drais bis Charlotte Becker

Zu dieser spannenden und wechselvollen Geschichte des Fahrrads hatte Klaus Thorwarth Freunde der Wanderakademie des Sauerländischen Gebirgsvereins Unna eingeladen.

Die Freude, zu diesem Thema den 1. Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Kreis Unna, Werner Wülfing gewonnen zu haben, konnte man Klaus Thorwarth anmerken.

Und Werner Wülfing hatte sich mit einer über 2 Stunden dauernden Dia-Vortragsserie gut auf diesen Abend und Gespräche mit Gästen vorbereitet. Mit Informationen zu Karl Friedrich Christian Ludwig Freiherr Drais von Sauerbronn, dem aus Karlsruhe stammenden Erfinder des Ur-Fahrrads, auch Laufmaschine oder Draisine genannt, begann sein Vortrag. Dies war das erste Prinzip ein Zweirad mit beiden Rädern auf einer Spur zu bewegen.

Und einen Grund für diese Erfindung gab es auch. Es war der Hafer- und allgemeine Futtermangel, verursacht durch den Vulkanausbruch Tamboras in Indonesien, der für den buchstäblich verhagelten Sommer im Jahr 1816 sorgte. Viele Pferde starben an der resultierenden Futterknappheit, die bis zu diesem Zeitpunkt das Fortbewegungsmittel Nummer eins waren.

Es musste nach einer anderen Art des Vorankommens gesucht werden. Karl Drais erfand erst vierrädrige Wagen mit Tretmühlen und dann die Draisine. Mit dieser unternahm er am 12. Juni 1817 seine erste Ausfahrt. Dann stellte er das neue Gefährt erstmals dem Publikum vor. Das Laufrad erreichte bei dieser Fahrt eine Geschwindigkeit von beachtlichen 15 Kilometern pro Stunde.

Es war spannend und abenteuerlich, die weitere Entwicklung des Fahrrads von seinem „Urtyp“ bis zum heutigen Fahrrad zu verfolgen. Ein Foto unserer erfolgreichen Radsportlerin Charlotte Becker auf einem Rennrad belegt die rasante Weiterentwicklung.


Als der französische Wagenbauer Pierre Michaux auf der Weltaustellung 1867 sein Tretkurbelrad Velocipede vorstellte, ging es mit der Entwicklung des Zweirads weiter. Dieses Velocipede bestand aus einem massiv geschmiedeten Rahmen und hölzernen Rädern. An das Vorderrad wurden die ersten Pedale montiert. Weiter ging es in der Entwicklung mit dem Hochrad nachdem Eugene Meyer das Stahlspeichenrad erfunden hatte. Der Trend zum immer kleiner werdenden Hinterrad nicht aufzuhalten. So entstand das Hochrad Mitte der 1870er Jahre. Es hatte ein sehr viel größeres Vorderrad. Und auch das war neu: Hartgummibereifung, Stahlfelgen- und speichen sowie Hohlrohre. Die Sturzgefahr mit dem Hochrad war groß und die Entwicklung ging weiter zum Niederrad mit den Neuerungen Kettenantrieb, Tretkurbel nun zwischen Vorder- und Hinterrad, nicht mehr nur am Vorderrad, und der damit resultierende weiter nach hinten verlagerter Sattel. Der Diamantrahmen wurde 1880 für das Niederrad konstruiert und überzeugte sowohl in Statik als auch in Ästhetik, sodass dieser noch heute als weiterer Standard vorzufinden ist. 1885 wurde das Sicherheits-Niederrad patentiert.

Ausführlich ging Werner Wülfing auf den Einfluss des Fahrrads für die Entwicklung des Automobils ein. Viel gab es über den Auf- und Abschwung des Fahrrads im 20. Jahrhundert zu berichten, denn mit der Industrialisierung und dem Einsetzen der Massenproduktion des Fahrrads wurde dieses zum am meist benutzten Transportmittel Anfang des 20. Jahrhunderts. Es entstanden die ersten Fahrradclubs. Frauen mussten am Anfang noch um ihr Recht auf das Fahrrad kämpfen, da das Radfahren als unweiblich galt. Die Fahrradindustrie reagierte und die ersten Damenräder ohne Querstange wurden hergestellt, was das Radfahren mit Rock erheblich erleichterte.
In seinem Vortrag ging Werner Wülfing auch auf den Rollenwandel des Fahrrads
während der Nazizeit und nach 1945 ein. Das aufkommende Umweltbewusstsein brachte die Fahrradkultur wieder zu einem neuen Aufschwung. Er erinnerte dabei an die Ölkrise in den 1970er Jahren und an den autofreien Sonntag, an dem die Radfahrer im Blickpunkt standen.

Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern:

Das Fahrrad ist das ökologischste und Ressourcen schonendste Verkehrsmittel.

Sonstiges aus dem Vortrag
Auch hier in Fröndenberg gab es mit der im Januar 1899 gegründeten UNION Fröndenberg, Wilhelm Feuerhake & Co. ein deutsches Unternehmen zur Produktion von Fahrradteilen und die 1918 in Wickede als Metallwarenfabrik gegründete Firma Humpert in Wickede produzierte Jahre später Fahrradlenker. Nur Fahrräder wurden hier nie produziert, so Werner Wülfing.

Dieses Zitat des Vortrags hat mir besonders gut gefallen
„Mir ist es eingefallen, während ich Fahrrad fuhr.“ (Albert Einstein über die Relativitätstheorie, deutsch-schweizerischer Physiker und Nobelpreisträger, 1879 - 1955)


Fotos © Jürgen Thoms
11.06.17 06:58:39
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2 Kommentare
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Christiane Bienemann aus Kleve | 11.06.2017 | 10:00  
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Jürgen Thoms aus Unna | 13.06.2017 | 09:11  
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