Es braucht mehr als Mut: Frauen auf dem Sprung in die Selbständigkeit

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Carola Baxmann und Petra Katzenberger machten sich selbstständig, Silke Höhne unterstützte sie.
 
Petra Katzenberger (Foto: privat)
 
Carola Baxmann (Foto: privat)
Unna: Unna |

Immer wieder ist zu hören, dass Politik und Wirtschaft Frauen auffordern, mehr Mut im Wirtschaftsleben zu zeigen. Und in der Tat gibt es zahllose Beratungsangebote und Infomöglichkeiten. Aber reicht das? Auch die beiden Unnaer Existenzgründerinnen Carola Baxmann und Petra Katzenberger wagten den Schritt - mit ihrem eigenen "Wirtschaftswunder".

„Wirtschaftswunder“ heißt das Unternehmen der beiden Frauen, das seit dem 1. Oktober in der Lindenbrauerei an der Massener Straße 33 beheimatet ist. Unter dem Slogan „Erfolg ist menschlich“ setzen sich beide für ein Umdenken in Unternehmen ein, dass mehr den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Dafür nutzen Petra Katzenberger als Betriebswirtin und Carola Baxmann als Diplom-Psychologin ihre eigenen langjährigen Erfahrungen in der Wirtschaft. Das Besondere: Bis zum April dieses Jahres kannten sich beide Frauen noch gar nicht, erst über das Startercenter der kreiseigenen Wirtschaftsförderungsgesellschaft WFG kam der Kontakt und letztendlich die gemeinsame Firmengründung zustande.

Carola Baxmann, Jahrgang 1964, wollte von Anfang an nicht nur als Psychologin arbeiten und fand daher zunächst einmal in der Arbeit als Geschäftsführerin im sozialen Bereich die passende Aufgabe. Neben den administrativen Aufgaben konzentrierte sie sich auf Teamführung, Teambildung und Teamentwicklung, entwickelte unter anderem Anti-Gewalt-Schulungen und machte sich schließlich mit einer psychologischen Praxis selbständig.

„Das war eine sehr schöne aber auch sehr anstrengende Zeit für mich“, erinnert sich Carola Baxmann heute. Dann kam noch eine Trennung und ein Umzug von Norddeutschland nach Unna hinzu, und schließlich musste sie einsehen: „So geht es nicht weiter“ und verordnete sich selbst eine schöpferische Pause. „Ich habe mich in einer psychologischen Praxis anstellen lassen, um einmal nicht mehr die Verantwortung tragen zu müssen. Und habe dann schnell gemerkt: Das ist nichts mehr für mich“, schmunzelt Carola Baxmann.

Über eine Veranstaltungsankündigung entdeckte Carola Baxmann die vielfältigen Angebote der WFG und so reifte in ihr der Entschluss, es erneut mit einer Selbstständigkeit zu versuchen.

Spannend: Wirtschaft und Psychologie


Ganz anders verlief die Karriere von Petra Katzenberger. Als studierte Betriebswirtschaftlerin arbeitete die 1970 geborene Eise­nacherin im Textil-Einkauf und war vom Standort Bönen aus beruflich vor allem in Asien unterwegs und kümmerte sich unter anderem um die Einhaltung sozialer Standards in den Herstellerländern. „Vor allem das ständige Reisen forderte irgendwann seinen Tribut und ich konnte auch rein körperlich nicht mehr“, erinnert sich Petra Katzenberger an ihren „Burn Out“.

Und hier näherten sich die beiden Lebensläufe langsam an, denn wie Carola Baxmann reifte auch bei Petra Katzenberger der Entschluss, es mit einer Selbstständigkeit zu versuchen. „Ich hatte in meinem beruflichen Tun sehr viel Freiräume genossen und wusste, dass ich so etwas woanders nicht mehr finden würde. Da war die Selbstständigkeit die logische Folge“, so Katzenberger. Doch zunächst einmal nutze sie ihre berufliche Auszeit für eine Weiterbildung zum systemischen Coach. „Ich fand das Thema ‚Wirtschaft und Psychologie‘ schon immer spannend und habe mich daher für diese Weiterbildung entschieden“, so Petra Katzenberger.

Und während Carola Baxmann bereits einen Schreibtisch im „WorkInn“, einem Existenzgründerzentrum in Dortmund, gemietet hatte, war Petra Katzenberger noch auf der Suche nach der zündenden Geschäftsidee. Dabei fand sie auf Anraten des Arbeitsamtes wertvolle Unterstützung im Startercenter der WFG, wo sich unter anderem Silke Höhne um „ihre“ Gründerinnen kümmert – und die beiden Frauen zusammenbrachte.

Wertvolle Unterstützung im Startercenter


Trotz der unterschiedlichen Lebensläufe stimmte die Chemie zwischen den beiden Frauen und schnell war ein erstes grobes Geschäftskonzept fertig: „Wir wollen Unternehmen Unterstützung und Hilfe anbieten in den Bereichen Gesundheitsförderung, Teamentwicklung und Nachhaltigkeit. So können die Unternehmen größeren wirtschaftlichen Erfolg erzielen“, fasst Petra Katzenberger knapp zusammen.

Gerade einmal acht Wochen brauchten die Beiden, um ein durchaus tragfähiges Geschäftsmodell zu entwickeln, „aber dann hakte es irgendwie, da waren so viele Ideen und Wünsche, dass wir etwas den Weg aus den Augen verloren“, erinnert sich Carola Baxmann. Und so suchte man tatkräftige Hilfe bei Silke Höhne, die die beiden zu einer Geschäftspräsentation einlud. Hier nahmen auch weitere Experten der WFG das Modell unter die Lupe. „Die ehrliche Kritik und die Ratschläge aus der Praxis haben uns geholfen, unsere Ideen und Wünsche besser einordnen zu können“, so Carola Baxmann. „Und schließlich konnten wir auch die Frage ‚Ist das jetzt Spaß oder machen wir Ernst?‘ mit einem klaren ‚Wir machen ernst‘ beantworten“, so Petra Katzenberger.

Probleme wie die Namensfindung oder aber der Erhalt einer eigenen Steuernummer kosteten einige Kraft. Und auch die ersten gemeinsamen Veranstaltungen gestalteten sich durchaus interessant – gelinde gesagt: „Ich kam mit dem Beamer und einem Haufen Unterlagen unterm Arm – sie mit Blumen“, lacht Petra Katzenberger. „Jaja, und als ich dann mal keine Blumen dabei hatte, hast Du sofort gefragt, wo denn die Blumen wären“, schmunzelt Carola Baxmann.

Heute kann Silke Höhne mit einem gewissen Stolz auf die beiden Unternehmerinnen schauen. In der kommenden Ausgabe des WFG-Magazin „In Form“ wird den beiden „Wirtschaftswunder“-­Damen ein eigenes Porträt gewidmet. „Dabei hätte jede Existenzgründerin ein dickes Lob verdient – allein schon fürs Durchhalten“, weiß Silke Höhne. Die Wirtschaftsförderin kennt die Probleme der Gründerinnen – und der Gründer. „Denn im Grunde genommen gründet jeder – egal ob Mann oder Frau – anders, je nach Persönlichkeit“, so Höhne.

Doch die Probleme zum Beispiel bei der heute schwierig gewordenen Finanzierung durch eine Bank oder im Kampf mit den Behörden, sind für alle gleich. „Das kostet alles unheimlich viel Kraft und gerade die geringe Finanzierungsunterstützung lässt viel Potential versickern“, erklärt Silke Höhne.

Infos:
www.wirtschaftswunder-unna.de

www.wfg-kreis-unna.de

Startercenter Kreis Unna,

Silke Höhne,
Tel. 02303/27 2490
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2 Kommentare
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Jürgen Thoms aus Unna | 20.11.2014 | 10:12  
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Andreas Schilling aus Bochum | 22.11.2014 | 10:57  
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