Flucht darf nicht ein Leben lang andauern "Weltflüchtlingstag 20. Juni 2016".

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Dieser Gedenkstein erinnert an die Flüchtlinge und Vertriebenen der letzten Jahrzente, die hier in der Landesstelle Massen ihre neue Heimat fanden.
 
Hier im Gespräch Zeitzeugen, die nach der Vertreibung hier einen neuen Anfang begonnen hatten.
Massen: Gedenkfeier zum Weltflüchtlingstag in der Erstaufnahmestelle in Unna Massen |

Laut UNHCR-Angaben waren 2015 weltweit rund 65 Millionen Menschen auf der Flucht.

Der Bund der Vertriebener (BdV) gedachte der Flüchtlinge die nach dem Kriege ihre Heimat verloren haben, und in der Landesstelle Unna Massen nach der Flucht ihre Aufnahme gefunden hatten.

Frau Dr. Beutner als Kreisvorsitzende des BdV Unna, begrüßte die Gäste die sich am Gedenkstein in der früheren Landestelle versammelt hatten.
Aus der heutigen Erstaufnahmeeinrichtung beteiligten sich Vertreter der vor Ort tätigen Mitarbeiter des DRK und der Bezirksregierung sowie einige Asylsuchende an dieser Gedenkfeier.
Die Ansprache von Frau Dr. Beutner möchte ich im vollen Wortlaut übermitteln.
Liebe Landsleute, meine Damen und Herren.
Als wir vor einem Jahr zum ersten Mal den „Weltflüchtlingstag“ begingen, hatten gerade die Vertriebenenverbände kontroverse Diskussionen hinter sich, wieweit sie sich in den Weltflüchtlings – Tag einbringen sollten.
Das Schicksal der deutschen Vertriebenen am Ende des 2. Weltkrieges sei anders einzuordnen als die das der Flüchtlinge heute, war und ist eine Überlegung.
Die deutschen Vertriebenen flüchteten von einem Teil Deutschlands in einen anderen, aus den früheren deutschen Ostgebieten Pommern – Schlesien – Ostpreußen – Sudetenland in westliche deutsche Provinzen, ins Rheinland, nach Bayern, nach Schleswig-Holstein.
Sie blieben im deutschen Sprach- und Kulturbereich, und das sei eine andere Voraussetzung als bei den Flüchtlingen aus dem Vorderen Orient und aus Nordafrika heute.
Das Wort „Integration“ findet bei den „Altvertriebenen“ und auch bei den deutschen Spätaussiedlern, die sich in einem veränderten Europa in den deutschen Westen aufmachten, keine gute Aufnahme.
„Wir brauchten nicht integriert zu werden, wir kamen als Deutsche“, lautet das durchaus richtige Argument.
Heute stehen wir vor neuen und sicherlich nicht einfacheren Voraussetzungen. Damals flüchteten Deutsche in ein zerbombtes und überfülltes Restdeutschland, heute suchen Flüchtlinge Schutz bei uns, die aus anderen Kulturkreisen kommen, die deutsche Sprache lernen müssen und einer fremden Welt gegenüber stehen.
War damals nach dem Krieg die wirtschaftliche Versorgung das Hauptproblem, die Versorgung, Kleidung, Wohnraum, Arbeit, so stehen wir heute vor der Aufgabe, verschiedene Kulturkreise miteinander zu verbinden und ein friedliches Zusammenleben zu ermöglichen.
Unsere Eltern und Großeltern hatten es schwer, aber wir haben es auch nicht leicht.
Da fallen einmal mehr bittere Worte. „Flüchtlingskrise“, „Wirtschaftsflüchtlinge“, „Asylbetrüger“, „Überfremdung“, „Asylantenflut“ usw.
Anderseits gibt es überall Hilfsinitiativen auf den verschiedensten Ebenen, und in zwanzig Jahren werden Studenten der Sozial- und Politikwissenschaften vielleicht schon ihre Diplomarbeiten über die Flüchtlingshilfen heute schreiben.

Vielleicht wird man dann mal erfahren, wie viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet worden sind.

Der „Weltflüchtlingstag“ macht deutlich, dass hinter jedem Flüchtling ein typisches Flüchtlingsschicksal steht: Heimatverlust, Ankunft in der Fremde, Verlust sozialer Bindungen, Besitzverlust, Neuanfang bei Null, unsichere Zukunft.
Kein Mensch nimmt dieses Schicksal freiwillig auf sich.
Die deutschen Vertriebenen, die sich in dem 20. Jahrhundert auf den Weg machen mussten, fühlen sich heute an ihr eigenes Schicksal erinnert, und das oft sehr schmerzlich.
Ein Landsmann sagte erst gestern bei einer Veranstaltung: „DIE Welt hat nichts aus unserem Schicksal gelernt!“
Dass die Welt trotzdem nicht aufhört zu lernen und das die Lektion eines Tages doch begreifen wird, daran wollen die Vertriebenen mit allen anderen zusammen mitarbeiten.
Von dem Königsberger Philosophen Emanuel Kant (1724-1804) stammt die bedeutende Schrift

„Zum ewigen Frieden“

.
Dort findet man alle notwendigen Anleitungen. Es ist nur der

„Gute Wille“

nötig, auch das ein ist wichtiger Gedanke Kants, um das gedachte in die Tat umzusetzen.
Es war für mich eine Bereicherung diese Veranstaltung zu erleben, und zu sehen wie sich jung und alt verschiedener Länder vor Ort verstehen.
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Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 21.06.2016 | 10:29  
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Elisabeth Jagusch aus Schermbeck | 21.06.2016 | 18:47  
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Karl-Heinz Hohmann aus Unna | 22.06.2016 | 21:34  
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