Frauen mit Mut zur Gründung: Eine eigene Existenz aufbauen ist gar nicht so einfach – aber es lohnt sich

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Zwei starke Frauen, die den Mut hatten, etwas ganz Neues zu wagen: Jacqueline Diller (Miet-Fach) und Annett Kyncl (Senfladen Unna) haben sich mit ihren außergewöhnlichen Geschäftsideen durchgeboxt.
 
Annett Kyncl in ihrem Senfladen. Auch wenn der Laden ihr ganzer Stolz ist - sie fände es trotzdem schön, irgendwann einmal nicht mehr rund um die Uhr für ihr Geschäft da sein zu müssen. (Foto: Stengl)

Keine Frage: Der Schritt in die Selbständigkeit ist mit vielen Risiken und Gefahren verbunden. Mit Jacqueline Diller - Mietfach - und Annett Kyncl - Senfladen - stellen wir zwei Geschäftsfrauen aus Unna und Holzwickede vor, die den Mut hatten, sich dem zu stellen – und sich vor allem nicht haben entmutigen lassen. Denn dafür gab es durchaus genug Anlass.

Unna/Holzwickede. Seit fünf Jahren eine feste Größe in Unna ist Annett Kyncl mit ihrem Senf­laden nebst Wurstbraterei auf der Massener Straße 24. „Das Vorbild für meinen Laden habe ich in Gera in Thüringen gefunden. Als ich den dortigen Senfladen gesehen hatte, wusste ich: So was will ich auch“, erinnert sich Annett Kyncl an die Geburt ihrer Geschäftsidee. Doch zunächst einmal verschlug es die Thüringerin in den Kreis Unna, wo die gelernte Köchin als Kantinenleiterin arbeitete. „Aber da war ich nie so richtig glücklich“, gibt die heute 44-Jährige zu. Und so wurde der Wunsch nach der selbstbestimmten Existenz immer größer.

Ähnlich erging es auch Jacqueline Diller. Der gelernten Gymnastiklehrerin gelang es nach der Ausbildung nicht, in ihrem Beruf Fuß zu fassen. Sie arbeitete daher als Bürokraft in einem Call-Center. „Das hat mir schon Spaß gemacht, aber dann sollte ich doch als Telefonistin arbeiten, und das wollte ich einfach nicht“, so die 32-Jährige. Also machte sich die Holzwickederin im vergangenen Jahr auf die Suche nach einer Geschäfts­idee, die zu ihr passte. Und wurde bei „All you can miet“ in Dortmund fündig. Hier können Privatpersonen Regalfächer mieten und zum Verkauf von Second-Hand-Ware benutzen.

Erst die Idee, dann die Arbeit


Nach „sehr verhaltenen“ Reaktionen seitens der Banken, der IHK und sogar der Stadt Unna fand Annett ­Kyncl Hilfe und Beratung bei der Wirtschaftsförderung (WFG) für den Kreis Unna, die sie auch bei der Suche nach einer passenden Immobilie unterstützte. „Gefunden habe ich mein Ladenlokal auf der Massener Straße dann aber letztendlich doch auf Eigeninitiative hin“, erinnert sich Annett Kyncl.

Zwei Frauen, eine Geschäftsidee. Was tun?


Diese Zeit vor der Gründung ist Annett Kyncl in keiner besonders guten Erinnerung geblieben. „Kleinunternehmer haben es echt schwer“, ist ihre Quintessenz von damals. Für einen Startkredit fand sie schließlich in der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) den passenden Partner.

Verblüfft war sie über die Vielzahl kleiner Stolpersteine, die ihr in den Weg gelegt wurden. Ob Knöllchen beim Einzug oder Bemängelung der beiden Stufen, die ins Ladenlokal führen: „Solche Nebensächlichkeiten sind erstmal unglaublich nervig – aber da muss man dann einfach mal drüberstehen!“
Auch Jacqueline Diller hatte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen – zumal ihre Geschäftsidee noch nicht allzu viele Vorbilder hat.

Praktische Tipps von der WFG


Doch sie fand Hilfe. Ihr zuständiger Sachbearbeiter beim Arbeitsamt empfahl ihr, sich an die WFG zu wenden, wo man ihre Idee begeistert aufnahm und ihr nicht nur praktische Tipps sondern auch mehrere Immobilien als mögliche Ladenlokale präsentierte. „Aber auch ich habe mein Ladenlokal letztendlich auf eigene Faust und auch eher zufällig gefunden“, so Jacqueline Diller. Die ehemalige Blumenhandlung an der Ziegelstraße nahe des Evangelischen Krankenhauses in Unna bot ihr die idealen Räumlichkeiten für ihr „Miet-Fach“. Dabei war schnell klar: große finanzielle Hilfe konnte sie nicht erwarten. Und so griff die Holzwickederin auf ihr eigenes Erspartes zurück. Das war ein nervenzehrendes Wagnis, das noch durch langwierige Probleme mit dem Bauamt verschärft wurde.

Doch am 5. April feierte sie Eröffnung – und ist inzwischen mit der Geschäftsentwicklung sehr zufrieden. „Ich habe anfangs schon gedacht: Oh, oh, das wird nichts“, gibt sie freimütig zu. Doch auch aufgrund ihres offensiven Einsatzes über die sozialen Medien hat sich ihre Geschäftsidee unter dem Motto „Dein Regal macht Kapital“ inzwischen gut etabliert.


Immer wieder neu


„Man muss sich auch ständig etwas Neues einfallen lassen und dafür sorgen, dass man im Gespräch bleibt“, findet Annett Kyncl. Sie hat ihr Speisen- und Serviceangebot und auch die Räumlichkeiten stetig erweitert, Jacqueline Diller lädt regelmäßig zu Tupperpartys ein und ist nun auch Paketshop für GLS-Pakete.

Beiden Existenzgründerinnen gemein ist der Grundsatz „Wir wollen hier nicht reich werden, aber unser Geld mit etwas verdienen, das uns Spaß macht!“ Und beide Frauen haben – trotz aller Schwierigkeiten und Risiken – nie wirklich an ihren Geschäftsideen gezweifelt.

Info: Die WFG Kreis Unna


ie WFG verfolgt das Ziel, die soziale und wirtschaftliche Entwicklung im Kreis Unna zu steuern und zu beschleunigen.

Online-Plattform der WFG für Gründerinnen: www.existenzgruenderinnen.de

Hier gibt es Gründungsinformationen, Arbeitshilfen, Veranstaltungshinweise und Beratungsrecherche des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie (BMWi) in Zusammenarbeit mit der bundesweiten Gründerinnenagentur (bga).

Die WFG-Gründungsberaterinnen des Startercenter Kreis Unna sind sehr gut vernetzt mit den regionalen Unternehmerinnen-Netzwerken, z.B DONNA Dortmund-Unna oder PROFILE Unna-Kamen.

Das Startercenter Kreis Unna bietet Veranstaltungen für die weibliche Zielgruppe in Kooperation mit COMPETENTIA – also nur für Frauen.
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