Erntedankfest 2016 – Bauern ziehen Bilanz

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Hans-Heinrich Wortmann, der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe, zieht Bilanz. (Foto: privat)

Erntedank heißt es wieder am kommenden Sonntag, „ein Tag, um Dank zu sagen und Rückschau zu halten“, so der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Ruhr-Lippe (Kreis Unna, kreisfreie Städte Bochum, Dortmund, Hamm und Herne) Hans-Heinrich Wortmann.

Auf das Erntejahr 2016 blicken die Landwirte der Region mit gemischten Gefühlen. Landwirtevorsitzender Hans-Heinrich Wortmann sagt: „Die Ernteerträge aller Kulturen fielen in diesem Jahr deutlich geringer als im Vorjahr aus, dennoch blieben wir Bauern hier in unserem Gebiet von wirklichen Missernten verschont.“

Die Erträge von Gerste, Weizen und Raps seien im Bereich Ruhr-Lippe um zehn bis zwanzig Prozent geringer ausgefallen als im ertragsstarken Jahr 2015 und lägen um gut fünf Prozent unter dem langjährigen Mittelwert, sagt Wortmann und führt weiter aus: „Trotzdem sind wir froh, dass wir alle Felder ernten konnten und von den Überschwemmungen, wie sie beispielweise am Niederrhein im Mai und Juni stattgefunden haben, verschont geblieben sind.“

Reduzierte Erne

Die Ursache für die reduzierte Ernte sei das unbeständige Wetter. Die Temperaturen im Juni und Juli seien zu gering und die Niederschläge zu hoch gewesen, um eine optimale Ernte einzufahren. „Die Sonneneinstrahlung in der Kornfüllungsphase im Juni war sehr niedrig“, erklärt Wortmann und führt fort: „Das wirkte sich negativ auf das Getreide aus. Die Körner sind kleiner und haben einen geringeren Rohproteinanteil und somit eine schlechtere Backqualität.“

Ebenfalls nicht zufriedenstellend sei die Preissituation in diesem Jahr. Rekordernten in der Ukraine, Russland und den USA hätten die Vorratsspeicher weltweit gut gefüllt und würden die Erzeugerpreise entsprechend niedrig ausfallen lassen. Zudem sei der Anteil an Futtergetreide aufgrund der geringen Backqualität hoch und drücke die Preise weiter nach unten. „Wir liegen rund 20 Prozent unter dem Preisniveau des letzten Jahres“, sagt Wortmann.

Wetterabhängiger Berufszweig

„Auch bei den Pflanzen, die jetzt noch auf den Feldern stehen oder bei denen die Ernte bereits begonnen hat, merken wir, wie sehr wir als Berufszweig vom Wetter abhängen", sagt er. Auf sehr leichten Standorten habe die Maisernte bereits Anfang September begonnen. „Das ist sehr ungewöhnlich und viel früher als in den vergangenen Jahren“, so Wortmann. Die Ursache sei die lange spätsommerliche Trockenphase. Die Erntebedingungen seien bis jetzt gut gewesen, die mangelnde Wasserversorgung habe sich jedoch auf die Erträge ausgewirkt.

Bei den Kartoffeln habe es aufgrund der hohen Niederschläge und geringen Sonneneinstrahlung im Frühjahr und Sommer Probleme mit der Krautfäule, einer Pilzkrankheit, gegeben. Bei der Ernte habe dann die extreme Trockenheit zu Problemen geführt. Harte Erdklumpen würden in großen Mengen beim Roden mit den Kartoffeln aus dem Boden gefördert; diese würden einerseits an die Kartoffeln schlagen und müssten andererseits auf den Sortierbändern wieder aufwendig heraussortiert werden. „Da haben wir hier in der Börde ein größeres Problem, als die Kollegen auf Sandböden“, so der Landwirt.

„Für die Zuckerrüben hingegen war die Sonnenperiode im August und September sehr gut“, erzählt Wortmann, „sie lagern bei Sonnenschein viel Zucker ein.“ Die Ernte, die aktuell begonnen habe, verspreche zwar geringere Erträge, aber gute Zuckergehalte.

Preislage für Milch und Fleisch

Blicke man vom Feld in den Stall, bereite den Landwirten die Preislage für Milch und Fleisch große Sorgen. Besonders in der Milchwirtschaft gebe es einen Tiefpunkt, der die Landwirte um ihre Existenz bangen lasse, sagt der Landwirtevorsitzende.

Zum Erntedankfest 2016 blickt der Vorsitzende der Landwirte sorgenvoll auf die angespannte wirtschaftliche Situation und die teilweise akuten Existenzprobleme auf vielen Höfen. Trotzdem ist er dankbar für die eingebrachten Früchte. Sichere Erträge, gesunde und preiswerte Nahrungsmittel für alle Menschen seien nicht selbstverständlich. „Über eine Milliarde Menschen leiden weltweit unter Hunger und Unternährung. Erntedank soll uns immer wieder auch an diesen bedrückenden Umstand erinnern“, sagt der Vorsitzende.
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