"NEIN zu Gewalt an Frauen" - Flaggenaktion vor dem Rathaus Unna

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Mit einer Falggenaktion machte die Stadt Unna jetzt wieder auf das Thema "Gewalt gegen Frauen" aufmerksam. (Foto: Stadt Unna)
Unna: Rathausplatz |

Das Mädchen- und Frauennetzwerk Unna führtejetzt gemeinsam mit der Frauen- und Mädchenberatungsstelle im Kreis Unna und dem ZontaClub UnnaHamm eine Flaggenaktion vor dem Rathaus Unna durch.

Aus Anlass des Internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ hissten die Frauen zum 13. Mal die Fahne „Nein zu Gewalt an Frauen. Frei leben ohne Gewalt“. Mit dabei waren die stellvertretende Bürgermeisterin Renate Nick, Mitglieder des Rates, Mitarbeitende der Verwaltung sowie Bürgerinnen und Bürger.

Josefa Redzepi, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Unna, berichtete: „Seit mehr als 30 Jahren setzen sich Frauen in Unna dafür ein, dass die Gewalt gegen Frauen öffentlich wahrgenommen wird und dass es Schutzeinrichtungen gibt. In all den Jahren hat das Thema leider seine Aktualität behalten. Jede 3. Frau über 16 Jahren hat Gewalterfahrungen machen müssen.“

Karin Gottwald, Leiterin der Frauen- und Mädchenberatungsstelle, hatte Zahlen mitgebracht: „2013 wurde die Polizei in Unna in 67 Fällen Häuslicher Gewalt tätig und verwies 13 Gewalttäter aus der gemeinsamen Wohnung. Schutz im Frauenhaus suchten 77 Frauen mit 74 Kindern. Knapp drei Viertel von ihnen war vom Ehemann, Freund oder Lebensgefährten misshandelt worden. 136 Frauen und Mädchen wandten sich wegen physischer und /oder psychischer Gewalterfahrungen an die Frauen- und Mädchenberatungsstelle. Weitere 55 Frauen und Mädchen kamen wegen "sexualisierter Gewalt" zur Beratung.“

Die Frauen wiesen darauf hin, dass Gewalt gegen Frauen viele Gesichter hat. Frauen erleiden Misshandlungen, körperliche Übergriffe, sexuelle Gewalt. Sie werden Opfer von Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, Zwangsheirat und Frauenhandel. Körperliche und seelische Gewalt findet vielfach in den scheinbar sicheren, eigenen vier Wänden statt. Jede 4. Frau erlebt Gewalt durch ihren Ehemann bzw. Partner. Dabei sind häufig auch Kinder direkt bzw. mittelbar betroffen.

Erfreulich sei, dass die Öffentlichkeit inzwischen bei dem Thema aufmerksamer geworden sei. Hieß es früher bei häuslicher Gewalt noch, das ist eine Familiensache, da mischen wir uns nicht ein, ist inzwischen die Bereitschaft gewachsen, auf das Unrecht hinzuweisen und auch die Polizei zu rufen. Seit 2002 hat die Polizei mit dem Gewaltschutzgesetz die Möglichkeit, den schlagenden Gewalttäter aus der gemeinsamen Wohnung zu verweisen. Die steigenden Zahlen bei häuslicher Gewalt werden in Fachkreisen auf die zunehmende Sensibilität von Nachbarn, Familienangehörigen, Freunden zurückgeführt. Dadurch wissen betroffene Frauen auch eher, dass sie sich Hilfe holen können.

Josefa Redzepi zeigte allerdings auch weiteren Handlungsbedarf in der Gesetzgebung auf: „Bei der sexualisierten Gewalt, sprich Vergewaltigung, gibt es in Deutschland noch große Schutzlücken. Lediglich ein Bruchteil aller angezeigten Vergewaltigungen wird auch verurteilt. Seit Jahren haben sich Frauenorganisationen und der Deutsche Juristinnenbund, djb, dafür eingesetzt, dass der § 177 StGB reformiert wird.

Ein „Nein, ich will nicht“ reicht nicht aus. Dem Opfer muss entweder Gewalt angetan, mit Gefahr für Leib und Leben gedroht werden oder es muss dem Täter schutzlos ausgeliefert sein. In anderen EU-Ländern greift dagegen die „Nein heißt Nein!“-Regelung. Ziel ist es, jede nicht einvernehmliche sexuelle Handlung unter Strafe zu stellen. Jetzt endlich greift das Justizministerium das Thema auf und wir Frauen hoffen auf eine baldige und umfassende Reform.“
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