Radfahren wie Gott in Holland

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ADFC-Aktive am Hovenring in Eindhoven
 
Von Enschede bis Hengelo auf dem Fietssnelweg 35
Unna: Rathaus | ADFC-Aktive erfahren beispielhafte Fahrradinfrastruktur in den Niederlanden

Zehn Aktive aus fünf Kreiskommunen beteiligten sich vier Tage lang an der Fahrradexkursion des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs Kreisverband Unna e.V. (ADFC) durch die Niederlande und brachten viele neue Erkenntnisse über die Fahrradinfrastruktur mit in den Kreis Unna.

Die Bereisung, die in dieser Form erstmalig vom ADFC Kreisverband angeboten wurde, führte die Teilnehmer über Zwolle, Utrecht und Eindhoven nach Venlo. Dabei legten die Teilnehmer einen Großteil der Strecke mit dem Rad zurück. Vor Ort wurden sie von örtlichen Vertretern des Fietsersbond, eine dem ADFC vergleichbare Radfahrerlobbyorganisation, empfangen und bewirtet.

Alle zwei Jahre zeichnet der Fietsersbond die fahrradfreundlichste Stadt in den Niederlanden aus. Dass Zwolle diesen Titel im letzten Jahr zurecht erhalten hatte, konnten die Teilnehmer auf einer Radtour durch die Stadt "erfahren". Auf der Tour bewunderten die Teilnehmer die breiten und hellen Radunterführungen, die ein schnelles, sicheres und kreuzungsfreies Fortkommen auf dem Rad ermöglichen. Auf einem Fietsnelweg, in der Ausstattung vergleichbar mit dem in NRW geplanten RS1, wurden sie auf die Sensor-Beleuchtung aufmerksam gemacht, die LED-Lampen beim Vorbeifahren der Radfahrer automatisch anschalten. Regensensoren und Induktionsschleifen sorgen an Ampeln dafür, dass bei schlechtem Wetter die Wartezeit für die Radler besonders kurz ist. Einmalig in der Welt ist die Fietsrodonde. Die Fietsrotonde ist ein Kreisverkehr für Radfahrer, der den Radfahrern an einer Kreuzung eines Radweges mit einer stark befahrenen Straße Vorrang vor dem Autoverkehr ermöglicht.

"Zwolle hat einen Radverkehrsanteil von 50% und einen PKW-Anteil von 35%", dies teilte den Teilnehmern Willem Bosch, der in Zwolle für die Radverkehrsförderung zuständig ist, mit. Zwolle ist 'Fietsstad 2014' geworden, weil seit 40 Jahren der Radverkehr stark gefördert wurde und dies von Verwaltung und Politik getragen wurde. Die Exkursionsteilnehmer erfuhren aus seinem Mund auch, dass für den Bau von Fahrradinfrastruktur in Zwolle auch Gelder aus dem Straßenbau verwendet wurden, da die Förderung des Radverkehrs gleichzeitig auch einen flüssigen PKW-Verkehr ermöglicht.

In Utrecht stand das Thema Radparken im Vordergrund. Um den Utrechter Hauptbahnhof "Utrecht Centraal Station" parken täglich 20.000 Fahrräder. Um die Radparksituation zu verbessern, wird derzeit das größte Fahrradparkhaus der Welt gebaut. Es soll 12.500 Fahrräder beherbergen. Ein kleineres an der Ostseite des Bahnhofes bereits fertiggestelltes Parkhaus (5.000 Stellplätze) konnten die Teilnehmer besichtigen. Mit einer Chipkarte, die auch für den öffentlichen Nahverkehr genutzt wird, kann man das bewachte Parkhaus rund um die Uhr nutzen. Die Chipkarte kann man über das Internet aufladen. Das Fahrradparken ist hier für die ersten 24 Stunden kostenlos, danach kostet es 1,25 € pro Tag. Ein Jahresabonnement ist für 75 € zu haben. Auch Mieträder kann man in der Station erhalten. In der Radstation kann man sein Fahrrad auch reparieren lassen. Wenn man sein Rad bis 10:00 Uhr gebracht hat, wird garantiert, dass es bis 16:00 Uhr repariert wird. Ansonsten wird ein kostenloses Leihrad gestellt. Eine Wegweisung innerhalb des Parkhauses zeigt den Nutzern, wo im Parkhaus noch freie Stellplätze vorhanden sind. Gezielte Farbgebungen in den einzelnen Etagen erleichtern die Orientierung. Aus dem oberen Stockwerk gelangt man direkt zu den Bahnsteigen des Hauptbahnhofes. Die Unterhaltunskosten trägt zu gleichen Teilen die holländische Bahn, die Stadt Utrecht und die Provinz Utrecht.

Am dritten Etappentag war das Ziel der Hovenring von Eindhoven. Der Hovenring ist eine mit Seilen an einem 70 m hohen Pylon aufgehängte kreisförmige Brücke für Radfahrer über einer Kreuzung zweier sehr stark befahrener Straßen. Der früher existierende Kreisverkehr konnte die notwendige Kapazität nicht mehr aufnehmen. Der Umbau kostete 11 Millionen Euro und wurde zu 60% von der Europäischen Union finanziert. Eröffnet wurde der schwebende Kreisverkehr für Radfahrer im Jahr 2012.

"Mit dem Fahrrad in den Niederlanden zu fahren, macht großen Spaß. Es wird sehr schnell Rad gefahren und die Autofahrer nehmen große Rücksicht auf die Radfahrer," meint Werner Wülfing, der als Vorsitzender des ADFC Unna die Idee zu dieser Radreise hatte. "Durch die Breite der Radwege und dem hohen Grad an Asphaltierung kommt man flott voran, sodass die Tagesetappen von 70 bis 100 km auch mit Gepäck gut zu schaffen waren." Die Bereisung zeigte den Mitfahrenden deutlich, wie hoch das Potential des Radverkehrs sein kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Da das Interesse an dieser Exkursion unter den Aktiven im Kreisverband sehr groß war, ist eine ähnliche Tour im kommenden Jahr angedacht.
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