Wir hätten da mal ‘ne Frage: Am Sonntag heißt es „Ja“ oder „Nein“ für Kolter

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Die Grünen hatten die Unnaer Bürger aufgefordert, dem amtierenden und zukünftigen Bürgermeister Werner Kolter Fragen zu stellen. Mit durchaus interessantem Ergebnis. (Foto: privat)
 
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Unnas Bürger nahmen die Einladung auf das "grüne Sofa" gerne an. (Foto: privat)

Statt „Stell‘ Dir vor es ist Wahl und keiner geht hin“ heißt es in Unna „Stell‘ Dir vor es ist Wahl und keiner kandidiert“. Abgesehen vom amtierenden SPD-Bürgermeister Werner Kolter waren die anderen Parteien nicht in der Lage, einen eigenen Kandidaten aufzustellen. Was aber nicht heißt, dass der Bürger den Kandidaten unbefragt wählt.

Die Unnaer Grünen hatten sich erbarmt und den naturgemäß lahmen Wahlkampf etwas in Schwung gebracht. Mitsamt froschgrünem Sofa sammelte man auf dem Alten Markt Bürgerfragen an den Kandidaten ein. Insgesamt 16 Fragen rund um bauliche Maßnahmen, Familienpolitik und seine Gründe zur Kandidatur in diesem Jahr wurden an das Ratsbüro weitergeleitet.

1. Inwieweit beteiligt sich die Stadt an der Finanzierung des Planschbeckens im Bornekamp-Bad?


Die im Bornekamp-Bad ehrenamtlich geleistete Arbeit ist beispielhaft, und das Kinderbecken ist eine sehr attraktive Ergänzung der Einrichtung. Ich werde seitens der Verwaltung vorschlagen, die vom Verein beantragten 30.000 Euro kurzfristig im Nachtragshaushalt 2015 bereitzustellen und im Rat nachdrücklich für eine breite Zustimmung werben.

2. Was tun Sie für die Flüchtlinge?


Die Stadt Unna hat schnell und unbürokratisch Verantwortung übernommen und mit dem Land NRW eine öffentlich-rechtliche Vereinbarung über 10 Jahre zum Aufbau einer Erstaufnahmeeinrichtung mit 600 – 800 Plätzen in der ehemaligen Landesstelle Unna-Massen abgeschlossen. Und dies in unmittelbarer Nachbarschaft zum Neuaufbau einer privaten Hochschule, deren positive Weiterentwicklung wir uns sehr wünschen. Mein Dank gilt allen, die sich in Massen vor Ort für die dort ankommenden Menschen und für ein gutes Miteinander engagieren.

3. Wie wahrscheinlich ist die Kultur-gGmbH?


Die mögliche Einrichtung einer Kultur-gGmbH war eine Empfehlung des Kultur-Gutachtens. Der Stadtrat hat daraufhin einen umfassenden Prüfauftrag erteilt. Nach meiner Einschätzung wird es diese gGmbH aber nur geben, wenn sich dauerhaft finanzielle Vorteile ergeben die Zusammenarbeit aller Kulturschaffenden verbessert wird die Qualität, Vielfalt und Innovation der Arbeit nicht leidet die Strukturen der gGmbH für Politik und Kultur-Akteure transparent und offen bleiben Nur wenn diese Ziele dauerhaft erreicht werden können, werde ich die Bildung einer entsprechenden gGmbH dem Rat vorschlagen.

4. Wann pflanzt die Stadt endlich mehr Bäume?


Stichwort: Flächennutzungsplan Unna ist eine sichtbar grüne Stadt mit vielen Bäumen, Freiflächen und Naturbereichen. Es wurden über Jahre zahlreiche private und öffentliche Flächen aufgeforstet, wie z. B. zuletzt in Obermassen an der Unnaer Straße. Im Ausgleich für größere Baumaßnahmen, wie dem Regenrückhaltebecken im Bimbergtal, werden zeitnah umfangreiche Ersatzpflanzungen angelegt. In allen Neubaugebieten werden ebenfalls öffentliche Grünflächen und Bäume verbindlich festgesetzt und neu angepflanzt.

5. Wo sehen Sie die Stadt Unna 2020?



Ich sehe unsere Stadt auch im Jahr 2020 als liebens-, lebenswerte und lebendige Stadt mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern, einer wachsenden Zahl an sicheren, guten Arbeitsplätzen, einer breit aufgestellten Bildungslandschaft, Angeboten für alle Generationen. Ich wünsche mir eine Stadt mit Solidarität für die Schwachen, eine Stadt mit einem guten nachbarschaftlichen Miteinander.

6. Warum haben Sie sich nicht letztes Jahr zur Wahl gestellt?


Meine gesetzliche Amtszeit reicht bis zum 20. Oktober 2015. Diesen Auftrag haben mir die Wählerinnen und Wähler im Jahr 2009 erteilt. Ich habe die Entscheidung, nicht bereits zur Kommunalwahl 2014 vorzeitig zu kandidieren, aus sehr persönlichen Gründen getroffen und das offen kommuniziert.

7. Was kostet die „unnötige“ Wahl?


Eine gefühlt „unnötige“ Wahl ohne Gegenkandidaten ist gewiss sehr ungewöhnlich und ganz bestimmt nicht mein Wunsch. Hier stehen zunächst einmal alle Parteien außer der SPD in der Verantwortung. Die Kosten einer alleingestellten Bürgermeisterwahl werden absehbar deutlich unter den anderer Wahlen liegen und nach Abschluss und Prüfung detailliert im Wahlausschuss belegt.

8. Wie lange will Herr Kolter Bürgermeister bleiben?


Ich trete für die jetzt laufende Kommunalwahlperiode bis zum Jahr 2020 an. Und dies ist, wie schon mehrfach gesagt, meine letzte Amtszeit.

9. Wann wird die Baulücke in der Massener Straße geschlossen?


Die Baulücke an der ansonsten sehr attraktiven Massener Straße ist auch für mich ein großes Ärgernis. Da jedoch ein gesetzliches „Baugebot“ nicht durchzusetzen ist, bleibt hier zunächst der Grundstückseigentümer gefordert. Es gilt der Satz des Grundgesetzes: Eigentum verpflichtet. Ohne ein aktives Handeln des Grundstückseigentümers sind der Stadt die Hände gebunden.

10. Wann wird der „Balkon“ am Markt abgerissen?


Im Grundsatz gilt auch für dieses Vorhaben die gleiche Antwort. Der Eigentümer muss handeln, Rat und Verwaltung sind aufgefordert, partnerschaftlich mit dem Bauherrn im Rahmen des Baugesetzes nach Lösungen für die wichtigen Projekte an unserem historischen Marktplatz zu suchen. Beide Projekte – Markt und Massener Straße – stehen ganz oben auf der Prioritätenliste der Stadterneuerung.

11. Wie stellen Sie sich Betreuungszeiten bis nach 16.00 Uhr vor? Stichwort: Familienfreundlich


Sechs Kindertageseinrichtungen in Unna (von 29) bieten bereits Öffnungszeiten bis 17/17.15 Uhr an. Einige bieten darüber hinaus die sogenannte Randzeitenbetreuung an, d. h. Kinder außerhalb der Öffnungszeit werden durch Tagesmütter oder Kita-Personal in der Einrichtung betreut. In den letzten Jahren war es unser Ziel, den Rechtsanspruch für die unter Dreijährigen durch Um- und Anbauten und Neubau und durch die Ergänzung der Einrichtungen in der Ausstattung abzusichern. Das ist auch vorbildlich gelungen.

In den nächsten Jahren wird es nun verstärkt um die qualitative Weiterentwicklung der Einrichtungen gehen. Dazu zählen u. a. die Öffnungszeiten, aber auch die Möglichkeiten, den Kita-Platz bedarfsgerecht zu buchen (z. B. von Mo bis Mi, oder Montag bis 17 Uhr, die anderen Tage bis 14 Uhr). Das können wir nicht alleine stemmen, zumal wir keine eigenen Einrichtungen betreiben. Wir sind also auf die Kooperation mit den Trägern angewiesen und auf weitere Reformschritte des Landes (Stichwort KiBiz).

12. Setzen Sie sich für die Tafel ein?


Die Absicherung und Weiterführung der Arbeit der Tafel im Kreis Unna hat für mich sehr hohe Bedeutung. Ich habe dieses aktuelle Thema in die Bürgermeisterkonferenz des Kreises Unna eingebracht und bin sehr zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit allen Verantwortlichen in den kommenden Monaten eine dauerhafte, räumliche und finanziell tragbare Lösung für die Tafel finden werden.

13. Werden Sie dafür sorgen, dass nicht noch ein Ramschladen in das Berletgebäude kommt?


Auch bei einer Weiter- oder Neuvermietung ist der unmittelbare Einfluss der Stadt sehr gering, da Vermieter, Mieter, Markt und Nachfrage die lokale Entwicklung eigenverantwortlich bestimmen. Trotzdem versuche ich in enger Abstimmung mit dem City-Werbering alle Einflussmöglichkeiten zu nutzen, ein möglichst vielfältiges und attraktives Einzelhandelsangebot zu erhalten und auszubauen.

14. Wann gibt es wieder saubere, kostenlose Toiletten in Schulen?


In den vergangenen Jahren konnten zahlreiche Schultoiletten erneuert und modernisiert werden, z. B. am Ernst-Barlach-Gymnasium, der Hellweg-Realschule und der Grilloschule. In Fortführung der Schulbausanierung und auch mit Hilfe von Sondermitteln des Bundes werden wir das Programm der Modernisierung unserer Schulen verstärkt weiter fortsetzen.

15. Sehen Sie die Möglichkeit die Fußgängerzone behindertengerecht (für Rollstuhl) zu bauen. (Stichwort: Fugen?)


Der Stadtrat hat bereits mit seinem Beschluss zum Doppelhaushalt 2015/16 reagiert. Die Fußgängerzone wird nach einer zwischenzeitlich eingeleiteten Planungsphase in den kommenden Jahren abschnittsweise saniert und neugestaltet werden. Hierbei wird dem Aspekt der Behinderten- und Seniorengerechtigkeit über die Materialauswahl besondere Bedeutung geschenkt.

16. Werden Sie sich einsetzen, mehr „gute“ Wohnungen unter 50m² zu schaffen?


Ich messe dem Thema „kleiner, gut bezahlbarer Wohnungen unter 50 m²“ eine hohe Bedeutung im Rahmen des demografischen Wandels zu. Mitgedacht werden muss auch die Tatsache deutlich zunehmender Singlehaushalte. Dieses Thema habe ich bereits im Aufsichtsrat der kommunalen Wohnungsgesellschaft (UKBS) wie auch in Abstimmungsgesprächen mit privaten Investoren vorgebracht. Die Diskussion ist im Gange.
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