Wohnungslosenhilfe vor großen Problemen

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Die Wohnungslosenhilfe im Kreis Unna stellte jetzt den Jahresbericht 2015 vor: Roland Löhr (Beratungsstelle, l. und Ralf Plogmann(Abteilungsleiter), sowie Tanja Scheuermann (neues Streetwork-Projekt, l.) und Magdalena Gladkowski (Ambulantes betreutes Wohnen)
Unna: Wohnungslosenhilfe | Bezahlbarer Wohnraum für Singles fehlt – Wohnungslosenhilfe vor großen Problemen

Mieterhöhungen, steigende Nebenkosten: Wohnungslosenhilfe sucht bezahlbaren Wohnraum

Die Verzweiflung wächst - Endgültiges Ende der Wohnungslosigkeit immer unerreichbarer


Bedrückende Aussichten zeichnet die Wohnungslosenhilfe im Kreis Unna. Mittellose Bedürftige finden für sich in der Stadt Unna kein Dach mehr über dem Kopf. Stattdessen ziehen sie in Zweckgemeinschaften in große Familienwohnungen oder müssen ihr lokales soziales Umfeld ganz aufgeben. Mehr Engagement öffentlicher Bauträger fordert daher der Caritasverband als Träger der Wohnungslosenhilfe.



Die Hilfe zur Anmietung von Wohnraum ist Kernaufgabe der Beratungsstelle für Wohnungslose, die jetzt den Jahresbericht 2015 vorlegte. Für 50 Personen gelang dies im abgelaufenen Jahr. Insgesamt 331 Hilfesuchende, der höchste Stand seit 2004, wurden betreut. Für 217 Betroffene ist mangels festen Wohnsitzes die Einrichtung in der Hansastraße auch ihre Postadresse, oft seit vielen Jahren. Auch für sie wird die Unterbringung in einer festen Wohnung, u.a. Voraussetzung für einen Job, immer schwieriger. „Die Kosten der Unterkunft laufen uns davon“, fasst Ralf Plogmann, Vorstand im Caritasverband, zusammen.

„Gewährung angemessener Unterkunftskosten“ beschloss zwar der Kreistag im Juni 2013, verbunden mit einer Überprüfung alle zwei bis drei Jahre. Seitdem liegen sie in Unna bei 327 Euro, in Bönen bei 313,50 Euro. Doch Mieterhöhungen, steigende Grundsteuer und Nebenkosten machen die Anmietung immer öfter unmöglich. Immer mehr Bedürftige landen im ambulanten Wohnen. Von einem Langzeitklienten aus Kamen berichtet Leiterin Magdalena Gladkowski, der zwangsweise umziehen musste. Über 110 Euro hätte er aus eigener Tasche draufzahlen müssen, ohne Arbeit unmöglich und die HartzIV-Unterstützung ist nicht für Wohnkosten vorgesehen. In einem anderen Fall erkannte das JobCenter eine Wohnung plötzlich nicht mehr als angemessen an. Seit über sechs Monaten sucht Magdalena Gladkowski eine Wohnung für den Klienten, erfolglos, weil „Zu gut, zu groß, zu teuer“. Um mindestens zehn Prozent müssten die Unterkunftskosten angehoben werden, um die Chancen zu verbessern, fordert die Wohnungslosenhilfe.

Hinzu komme aber generell ein zu geringes Angebot an Wohnraum im Kreis Unna. „Für 1-Personen-Haushalte eine Katastrophe“, betont Roland Löhr von der Beratungsstelle. Während andererseits luxuriöse Eigentumswohnungen errichtet würden. Zusammenzüge seien aus der Not geboren. „Man verkracht sich und dann verlieren alle ihre Wohnung.“ Mittlerweile würden vom JobCenter auch UKBS-Wohnungen nicht mehr als angemessen erachtet, da der Standard zu hoch sei. Der Soziale Wohnungsbau gewährleiste keine ausreichende Versorgung mehr. Schlupflöcher gebe es teils in Kamen und Bergkamen. Wenn von einer Mio. Zuwanderern die Hälfte Asyl erhalte, drängen Hunderttausende zusätzlich auf den Markt. Vor dem Hintergrund des Einzugs von Flüchtlingen in preisgebundenen Wohnraum fordert Ralf Plogmann aktuelle Prognosen zum künftigen Wohnraumangebot. „Die jetzige ist rund zehn Jahre alt.“ Erforderlich sei die Bereitstellung von Wohnraum mit einfachem Standard. Unter dem Dach der Wohnungslosenhilfe sind drei weitere Bereiche aktiv: Über 20 Personen mit wesentlichen Probleme in den Bereichen Sucht, Schulden, Gesundheit, Umgang mit Behörden half das ambulant betreute Wohnen beim Bezug einer Wohnung. Die Tagesstätte für chronisch mehrfach beeinträchtigte Wohnungslose betreute insgesamt 226 Personen, davon zwei Drittel mit Migrationshintergrund. Zu den Aufgaben der Stelle zählen niederschwellige Angebote wie Arztbesuche, Koch-, Ausflugs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Übernachtungsstellen für Obdachlose im Kreis Unna platzen aus den Nähten, die Schlafräume sind mit bis zu 10 Betten belegt. Stationäre Einrichtungen wie „Gemeinsam Leben“ am Beethovenring oder „Haus Dellwig“ in Kamen haben keine freien Plätze. Immer mehr Wohnungslose wechseln daher ins Heim. Um mit Obdachlosen direkt ins Gespräch zu kommen und Hilfemöglichkeiten anzubieten, stellt die Wohnungslosenhilfe in Kürze ein neues Streetwork-Projekt unter der Leitung von Tanja Scheuermann vor. Ralf Plogmann: „Es verschiebt sich alles. Die soziale Verwurzelung wird aufgelöst und viele Leute sind länger als ein Jahr in der Stelle.“ Mit Blick in die Zukunft befürchtet er einen zunehmenden Konkurrenzkampf um Wohnraum.
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