Europameisterschaft mit Charlotte Becker und Aaron Grosser vom RSV Unna

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Charlotte Becker und Aaron Grosser bei der EM. (Foto: privat)

120 km hatten die Frauen bei den europäischen Titelkämpfen im dänischen Herning zu absolvieren. Mit am Start Marianne Vos, die Olympiasiegerin von London 2012, und die gesamte europäischen Frauen-Elite. Der flache Kurs prognostizierte, dass es eine Massenankunft und eine Sprintentscheidung geben würde. Für Charlotte (Lotte) Becker vom RSV Unna nicht die schlechteste Situation, da sie neben ihren Zeitfahrqualitäten auch im Spurt zu beachten ist. Viele Nationen hatten aber etwas gegen einen Massensprint. So wurde das Rennen von Anfang an schnell. Immer wieder lösten sich Gruppen und hielten das Tempo bei starkem Wind hoch.

„Als Marianne Vos 25 km vor dem Ziel antrat und u. a. die Italienerin Bronzini mitging, wusste ich, dass dies die entscheidende Gruppe sein könnte. Ich habe es dann in die Gruppe geschafft und wir konnten uns anschließend einen guten Vorsprung heraus fahren,“ so Lotte zwei Stunden nach dem Rennen. „Die sechser Gruppe lief gut. Ich bin jetzt noch richtig platt. Wir sind ein unglaubliches Tempo gefahren. Wir waren die gesamte Zeit am Anschlag. Je näher wir dem Ziel kamen war die Überlegung schon da, wie es ausgehen könnte. Vos und Bronzini würde ich nicht schlagen können, Platz drei war aber sehr gut möglich. Dann stürzte fünf Kilometer vor dem Ziel unmittelbar vor mir Pawlowska und ich musste bis zum Stehen abbremsen. Die anderen vier haben dann plötzlich einen Antritt wie beim Spurt hingelegt als sie die Situation erkannten. Es waren nur 50 Meter zwischen denen und mir. Ich war aber leider nicht mehr in der Lage, bei diesem Gegenwind am Ende diese kleine Lücke zu schließen. Ich bin irgendwie elendig verreckt. Als dann auch noch das restliche Feld von hinten angeflogen kam hatte ich das Gefühl zu stehen. Es war lange ein Gänsehautfeeling, noch einmal eine Medaille gewinnen zu können, und dann ….“

Bereits zuvor war Charlotte Becker im Zeitfahren für das deutsche Team an den Start gegangen. Mit Platz 11 verpasste sie hier knapp ihr Ziel, in die Top Ten zu fahren.

Sprinthoffnung Aaron Grosser

Mit Aaron Grosser ging eine zweite Sprinthoffnung des RSV Unna an den Start. Für ihn waren es die ersten internationalen Meisterschaften. „Es war schon etwas Besonderes. Ich habe auch gemerkt, dass die Anspannung von Tag zu Tag stieg. Am Renntag war es dann okay. Viel Zeit zu grübeln hatte ich nicht, da wir schon um 9 Uhr an den Start gingen“, so Grosser rückblickend.

Wie bei den Frauen rechneten auch bei den U23 Männer alle mit einem Massenspurt. Aaron Grosser sollte dabei Manuel Porzner an die Ziellinie bringen. Auch in diesem Rennen gab es zahlreiche Nationen, die bei starkem Wind und Regen eine Sprintankunft verhindern wollten. So galt es, immer wieder Ausreissergruppen zurück zu holen. Sehr aktiv dabei auch Grosser. Nach 100 Kilometern bekam Aaron plötzlich den Auftrag, selbst am Ende in den Spurt zu gehen. Porzner, auf den Bundestrainer Grabsch im Spurt gesetzt hatte, erwischte bis dahin schon drei Mal ein Reifendefekt und musste viel Kraftaufwand betreiben, immer wieder ins Feld zu kommen. Für Aaron ging es nun darum, sich auf den letzten 60 Kilometern dann doch noch zu erholen. 25 Kilometer vor dem Ziel lösten sich dann vier Fahrer vom Feld. Als der Abstand auf der langen Zielgeraden nur noch vier Sekunden betrug, kam es im Feld zu einem großen Sturz. Während die Ausreißer ihren Vorsprung glücklich ins Ziel brachten und der Däne Pedersen den Titel gewann, spurtete Aaron Grosser als bester Deutscher auf Platz 20.

„Bei dem Sturz ist mit Jonas Rutsch mein Anfahrer schwer gestürzt, hat sich einen Schlüsselbeinbruch und eine tiefe Kopfwunde zugezogen. Ich musste mich dann alleine durchkämpfen, war aber irgendwie auch eingebaut. Am Ende bin ich ein wenig enttäuscht. Die Top Ten sind irgendwie mein Ziel gewesen. Bundestrainer Grabsch war allerdings mit mir zufrieden. Insbesondere, weil ich die ersten 100 Kilometer so offensiv gefahren bin und am Ende dennoch gute Beine hatte. Ich werde jetzt weiter hart trainieren und hoffen, dass ich noch einmal eine Chance bekomme.“
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