Radsportlegende Reinhold Böhm überraschend gestorben

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Reinhold Böhm (Foto: Möller)
 
Reinhold Böhm im Interview mit Luca Felix Happke. (Foto: Archiv)
Unna: Unna |

Mit Reinhold Böhm verstarb am Sonntag, 30. April, eine der profiliertesten Persönlichkeiten des deutschen Radsports und der Kreisstadt Unna im Alter von 77 Jahren.

Noch während seiner aktiven Rennfahrerzeit gründete der Verstorbene 1968 den RSV Unna. Schon im ersten Vereinsjahr wurde die Landesmeisterschaft NRW von Reinhold Böhm ausgerichtet, der zwei Jahre später das internationale Osterrennen durch den Kreis Unna folgte, das 25 Jahre lang das organisatorische Vorzeigeobjekt des Vereins war. Mit diesem Straßenrennen stieg der unermüdliche Arbeiter und kritische Geist in die Spitzenklasse der deutschen Rennveranstalter auf, die er mit der mustergültigen Organisation von fünf Deutschen Meisterschaften und weiteren Rennen in allen Wettkampfsparten festigte.
Mit der Ära des Unnaers Erik Zabel kamen noch acht Austragungen des Rundstreckenrennens „Unnaer City-Nacht“ mit jeweils über 20.000 Zuschauern hinzu, die dank Reinhold Böhm, seines Partners und Freundes Hans Kuhn und des gesamten Teams zu den bestorganisierten Veranstaltungen ihrer Art gezählt werden müssen.

Erfolgreich in Beruf und Sport

Seine Moderationen unzähliger Rennen und anderer Sport- und Showveranstaltungen sind unerreicht, wobei besonders seine Live-Reportagen von der Rennstrecke bis heute Legende sind. Neben dem sportlichen Engagement glänzte Reinhold Böhm auch im Berufsleben. Aus dem Nichts baute er einen Baustoff-Großhandel in Unna auf, den er vor einem Jahrzehnt verkaufte, um sich nun zusammen mit seiner ihn stets unterstützenden Ehefrau Maria den Enkeln mehr widmen zu können. Seine vermehrte Freizeit nutze Böhm auch zum verstärkten Einsatz für „seine“ Sportler.
Zweimal gewann seine Mannschaft das „Grüne Band“ als erfolgreichstes BDR-Jugendteam. Derzeit sind acht Aktive des RSV Unna in den Nationalmannschaften des BDR vertreten. Lucas Liß wurde unlängst Vize-Weltmeister. Stets war es Reinhold Böhm, der Sponsoren für die Sportler suchte oder selber Geld und Zeit einsetzte, um die Rennfahrer zu unterstützen.

Deutsche Meisterschaft in Unna

Im kommenden Jahr plante Reinhold Böhm wieder eine Deutsche Meisterschaft im Kreis Unna. Er wollte anlässlich des 50-jährigen Vereinsjubiläums die Deutsche U23 Meisterschaft vor dem Schloss Opherdicke veranstalten und danach, nach einem halben Jahrhundert, als Geschäftsführer zurücktreten. Noch stand die Organisation nicht ganz. Den Rest wollte der Verstorbene in den nächsten Wochen abschließen. Wie es im RSV Unna weitergeht ohne das Zugpferd und Multitalent, ist noch offen. Ein Team um Hans Kuhn und Frank Schemmer wird erst einmal die Geschäfte übernehmen.
Auch seine norwegischen Freunde werden bei der Weltmeisterschaft in Bergen vergeblich auf ihren langjährigen Unterstützer warten. Wie in jedem Jahr hätte er natürlich auch diese WM vor Ort erlebt, wie fast alle seit 40 Jahren.

Geburtstagsparty in Dubai

77 Jahre und kein bisschen im Ruhestand, so hatten noch im Januar seine Freunde formuliert, als er seinen Geburtstag in Dubai feierte. Dass dies sein letzter sein würde, hatte niemand vermutet. Der Tod ereilte ihn, wie sollte es auch anders sein, auf dem Weg zum Rennen in Hamm.
Seine Stimme, seine Ideen, sein Einsatzwille und sein Fachwissen werden dem Radsport in ganz Deutschland und besonders seiner Heimatstadt Unna fehlen. Seiner Familie wird er als liebevoller und fürsorglicher Gatte, Vater und Großvater unersetzlich sein.
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