„Die Verweildauer ist ein Problem“: Frauenforum Kreis Unna stellt Doppel-Jahresbericht vor

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Birgit Unger (Geschäftsführerin Frauenforum), Anja Wolsza (Leiterin Wohnungslosenhilfe) und Christina Schulz (Leiterin Frauenhaus) stellten jetzt den Doppel-Jahresbericht des Frauenforum Kreis Unna e.V. vor. (Foto: Elke Böinghoff)
Unna: Frauenforum im Kreis Unna e.V. | Von Elke Böinghoff

„Manchmal ist einfach so viel zu tun, das man keine Zeit für einen Jahresbericht findet“, erklärt Birgit Unger, Geschäftsführerin des Frauenforums im Kreis Unna, schmunzelnd, warum es nur einen Jahresbericht für die Jahre 2013 und 2014 gibt

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Ein gleichzeitig gutes als auch schlechtes Zeichen: Dass so viel zu tun ist, zeigt zum einen, dass Gewalt gegen Frauen, die Begleitung, Beratung oder Schutz im Frauenforum suchen und finden, ein gleichbleibend großes Problem ist. „Es zeigt aber auch, dass wir von den Frauen akzeptiert sind, und es zeigt auch den Willen der Frauen, etwas zu ändern“, erläutert Christina Schulz, die das Frauenhaus leitet. „Und wenn uns das gelingt, wir Veränderungsprozesse bei den Frauen in Gang setzen können, dann ist das ein Erfolg“, ergänzt Birgit Unger.

Insgesamt 440 Frauen in 2013 und 468 Frauen in 2014 haben Kontakt zu den Einrichtungen und Angeboten des Frauenforum aufgenommen, zu denen auch das Frauenhaus oder die Wohnungslosenhilfe gehören. 77 bzw. 67 Frauen wurden nach der Flucht vor häuslicher Gewalt mit ihren Kindern im Frauenhaus aufgenommen. Zeitweise war die Unterkunft voll belegt, so dass um Hilfe bittende Frauen an andere Frauenhäuser verwiesen werden mussten. Insgesamt sei dies 110 mal der Fall gewesen.

„Dabei ist nicht die hohe Fallzahl an sich das Problem, sondern die lange Verweildauer“, erläutert Christina Schulz. Denn es werde immer schwieriger, den Frauen adäquaten Wohnraum zu vermitteln.

„Da ist zum einen der tatsächliche Mangel an Wohnraum, dazu kommen aber auch Probleme wie Überschuldung und Hartz-IV-Bezug, die es schwierig machen, die Frauen schnell wieder in ein selbstständiges Leben zu bekommen. Viele Frauen scheitern an bürokratischen Hürden und verlieren aufgrund der vielen zu bewerkstelligenden Probleme die Motivation, eine eigene Bleibe zu finden. Hier gilt es für das Team, die Frauen zu unterstützen und immer wieder zu motivieren.

Eine besorgniserregende Entwicklung ist, dass immer mehr Frauen unter 25 Jahren das Frauenhaus aufsuchen. „In vielen Fällen ist zwar ein Schulabschluss vorhanden, aber keine Ausbildung. Dafür aber Kinder, die kein anderes Leben kennen als das mit Hartz IV und Gewalt in der Familie“, so Christina Schulz. „Über lange Lebens- und Entwicklungsphasen gemachte traumatisierende Erfahrungen hindern an mutigen Entscheidungen“, ergänzt Birgit Unger.

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