Erinnerung erhalten: Königsborner Knappen blicken auf erfolgreiche Arbeit zurück

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Herbert Zacharias, Nino Matich und Lothar Mischnik (v.l.) sind zu Recht stolz auf das Erreichte. Auf dem Zechenplatz hat der Arbeitskreis ein ganzes Ensemble mit Bergbaurelikten geschaffen.
  Unna: Colonie |

Dass die Region einst vom Bergbau geprägt war, ist vielen Unnaern gar nicht mehr bewusst. Das mag auch daran liegen, dass es gerade in Unna kaum sichtbare Hinterlassenschaften gibt. In Königsborn hat der Knappenverein dafür gesorgt, dass die Erinnerung ein sichtbares Zeichen setzt und erinnerte jetzt an 30 Jahre Seilscheibe am Zechenplatz.



Bereits 1880 hatte die Kohleförderung über den Schacht I der Zeche Königsborn begonnen, bis 1966 fuhren hier die Bergleute ein, dann wurde die Förderung im Zuge der ersten großen Kohlekrise nach dem 2. Weltkrieg eingestellt. 1968 verschwand das Schachtgerüst und damit das sichtbare Zeichen, dass hier einst tausende von Menschen in Lohn und Brot standen.

1984 wurde „der Deckel draufgemacht“, wie der Bergmann sagt, wenn ein Schacht endgültig verschlossen wird. Heute erinnert am Zechenplatz nur noch ein Abluftrohr an die Schachtanlage, die untertägig einst von Königsborn aus bis Kamen Heeren-Werve und Bönen reichte.

Die Seilscheibe kommt vom „Schrott“


Ebenfalls zur Zeche Königsborn gehörte die Bergbausiedlung Colonie rund um den Schacht I in Königsborn. Vom Zecheneigner Klöckner nach dem zweiten Weltkrieg erbaut, ist die Siedlung noch heute ein echtes Schmuckstück.

„Nachdem die Schachtanlage aufgegeben wurde, haben wir in den 70ern dafür gesorgt, dass die Stadt die Siedlung kauft und so das einheitliche Bild bewahrt werden konnte“, erklärt dazu Nino Matich, langjähriger Ortsvorsteher in Königsborn. Nachdem die Siedlung als Ganzes bewahrt werden konnte, machte sich der seit 1974 bestehende Arbeitskreis „Arbeit und Leben“ im Knappenverein daran, die Erinnerung an die Zechengeschichte des Stadtteils wachzuhalten. „Die Frage war nur wie, schließlich wollten wir etwas Bleibendes schaffen“, erinnert sich Nino Matich.

Unter der Leitung von Adam Seidel entschloss man sich schließlich, eine Seilscheibe aufzustellen. „Die fanden wir damals Anfang der 80er Jahre schon fast auf dem Schrott an der Kamener Zeche Monopol“, schmunzelt der ehemalige Ortsvorsteher. Die Knappen fackelten nicht lang und schwatzten dem damaligen Bergwerksdirektor Ziegler das mächtige Rad ab und ließen es 1984 auf dem Zechenplatz aufstellen.

Kurze Zeit später gesellte sich zur Seilscheibe noch eine Untertage-Lok mitsamt Lore dazu, gestiftet vom Bergbauzulieferer Schulze-Strathoff aus Unna. So schuf der Arbeitskreis mitten in der Colonie einen Platz der Erinnerung, der in den folgenden Jahren immer wieder gerne für Veranstaltungen genutzt wurde. Zuletzt 2010 hatte man hier an der Schachtzeichen-Aktion im Zuge des Kulturhauptstadtjahres teilgenommen. „Das war eine richtig tolle Sache“, erinnert sich auch Lothar Mischnik, Kassierer des Knappenvereins. „Aber heute könnten wir so eine Aktion nicht mehr auf die Beine stellen“, weist Matich auf die großen Nachwuchsprobleme der bergbaunahen Vereine hin.

Wir werden alle nicht jünger


„Aber das ist ja auch ganz normal, wir werden eben alle nicht jünger“, nimmt‘s Herbert Zacharias, Vorstandsmitglied des Knappenvereins, gelassen. Aber schade finden es die drei engagierten Königsborner schon, dass in naher Zukunft niemand mehr da sein wird, der aus eigener Erfahrung an den Bergbau in Königsborn erinnern kann. Umso wichtiger sind bleibende Denkmäler wie die Seilscheibe in der Colonie.
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