Deutsch sprechen ist ihr Ziel!

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Der Flüchtlingsalltag bietet für viele Flüchtlinge kaum Chancen, um deutsch zu sprechen


Sie sind strebsam und setzen alles daran, die deutsche Sprache zu erlernen. Doch im Alltag ist es für die meisten Flüchtlinge oft schwierig, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die mit ihnen Deutsch sprechen.

Der Kursraum der VHS ist gut gefüllt. Wie immer lauschen die rund 20 Schüler ihrer Lehrerin. Heute besonders konzentriert, denn drei Tage später ist Prüfung. Die Schüler, überwiegend Männer mittleren Alters, sind Flüchtlinge aus Ländern mit guter Bleibeperspektive und haben alle das gleiche Ziel: Sie möchten Deutsch lernen. So schnell wie möglich und so gut wie möglich, denn diese Qualifikation entscheidet über ihre spätere berufliche Zukunft.
Doch hier sehen viele von ihnen ein großes Problem. Der Kontakt zur deutschsprachigen Bevölkerung ist sehr begrenzt. "Wir Flüchtlinge verknüpfen uns untereinander. Dann sprechen wir aber leider kein Deutsch. Das Zusammentreffen mit Einheimischen ist leider sehr selten. Doch nur so können wir die Sprache üben", so Abdulfatah Alorr. Was bleibt sind die Sprachkurse und die sind heiß begehrt. "Zur Zeit gibt es bei uns drei Parallel-Kurse und einen Alphabetisierungskurs, meist für jüngere Teilnehmer", so Béatrice Delassalle-Wischert vom Fachbereich Sprachen der VHS. "Die Abschlussprüfung ist eine VHS- interne Prüfung auf A1 Niveau." Und natürlich gebe es auch Anschlusskurse. Auch hier sei das Interesse schon groß. Finanziert wird das Ganze von der Bundesagentur für Arbeit.

Und noch etwas haben die Schüler dieses Kurses gemeinsam — sie haben eine abgeschlossene Berufsausbildung und hatten in ihren Heimatländern eine Arbeit. Abdulfatah Alorr war in seiner Heimat Agrar-Ingenieur und hat seinen Master in Micro- Biologie. "Ich spreche sehr gut Englisch. Deutsch habe ich leider nie gelernt", so der aus Syrien stammende Mann. Seit drei Monaten lernt er nun Deutsch und es ist erstaunlich, wie gut sich Abdulfatah in dieser, ihm doch so fremden Sprache bereits verständigen kann. Um häufiger deutsch sprechen zu können, arbeitet er regelmäßig bei der Tafel und hat schon ein Praktikum in einer Produktionsfirma für Medizin gemacht.
Einen Bruder und vier Schwestern habe er zurücklassen müssen, als er vor sechs Monaten aus Damaskus floh. Zu Fuß, mit dem Bus oder Zug — über die Türkei, Griechenland, Mazedonien, Serbien, Österreich — bis nach Deutschland, inklusive lebensgefährlicher Bootstour. Ebenso erging es seinen Landsmännern Wael Alouh und Maher Alhamwi. Die beiden Männer haben sogar ihre Familien verlassen müssen. "Der Krieg in Syrien hat alles verändert. Ich bin Pazifist. Dort gibt es keine Zukunft für uns. Mein Drogeriegeschäft wurde bei einem Bombenangriff zerstört", so der aus dem Süden Syriens stammende Wael. Hier in Deutschland könnte sich der gelernte Kaufmann vorstellen, einmal Deutsch-Unterricht zu geben. "Ich weiß, wo es Verständnisschwierigkeiten geben kann, wenn ein arabisch-sprechender Mensch die deutsche Grammatik lernen möchte." Schon jetzt hilft er acht Schülern am Langenberger Gymnasium beim "Grammatik-Pauken" und er könnte sich eine Zukunft als Lehrer gut vorstellen.

Sein Lebens-Motto lautet: Du willst — du kannst. Du willst nicht — du kannst nicht.


Auch die Fabrik von Maher wurde Opfer der Bomben. Der gelernte Textil- Schneider produzierte Kleidung und hofft auch hier wieder in der Modebranche arbeiten zu können. Alle Männer hoffen, dass sie ihre Familien bald wieder in die Arme schließen können. "Ich denke viel an meine Frau und meine drei Kinder", so Maher Alhamwi. "Richtig glücklich kann ich erst wieder sein, wenn sie bei mir sind." Die Männer fühlen sich wohl in Deutschland, lieben die Natur hier. Sie sind sich einig: "Alle sind sehr nett zu uns. Wir wurden sehr gut aufgenommen."
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Torsten Richter-Arnoldi aus Hattingen | 01.04.2016 | 21:22  
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