„Ich träume deutsch“ - Serie "Wir sind bunt" des Stadtanzeigers

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Yasmin Yavuz ist in Deutschland geboren. Die Türkin fühlt sich deutsch, ist kulturell türkisch geprägt, lebt nach deutschen Werten und Normen, trägt ein Kopftuch und praktiziert den islamischen Glauben. Vor 40 Jahren wanderten ihre Eltern nach Deutschland ein.
Yasmin Yavuz wurde in Velbert geboren und hat noch zwei Geschwister. Heute hat sie selbst zwei Kinder, zehn und elf Jahre alt, und sagt von sich selbst, dass ihre Integration vollzogen sei. „Wir nehmen am gesellschaftlichen Leben teil und haben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht.“ Und das, obwohl sich Yasmin Yavuz‘ Weltanschauungen in kein Raster fassen lassen.
„Ich fühle mich deutsch, ich träume deutsch und meine Muttersprache ist deutsch“, so die zweisprachig erzogene Türkin. „Wenn ich türkisch spreche, schleichen sich da immer deutsche Wörter ein.“
Auch ihre Werte und Normen seien deutsch, da sie „typisch deutsch“ erzogen wurde. „Meine Eltern waren vollzeit berufstätig und ich lebte während der Woche bei einer deutschen Familie.“ Aber: Ihre kulturelle Prägung wurde von der eigenen Familie vermittelt und ist damit türkisch.
Sie ist praktizierende Muslimin und, seit sie Mutter ist, hat sie sich entschieden, ein Kopftuch zu tragen. Yavuz: „Meine elfjährige Tochter möchte zurzeit kein Kopftuch tragen. Diese Entscheidung überlasse ich ihr.“
Die ganz persönliche Entscheidung, ein Kopftuch zu tragen, bereitete ihr selbst allerdings schon einmal Schwierigkeiten. Nach dem Abitur besuchte sie die Höhere Handelsschule. Bei einem Telekommunikationsunternehmen fand sie eine Stelle als Sachbearbeiterin und avancierte schnell zur Teamleiterin. Dann kamen die Kinder und damit verbunden eine berufliche Pause. „Mein beruflicher Wiedereinstieg gestaltete sich dann schwieriger, als ich vermutet hätte“, so die Muslimin. Immer wieder sei irgendwann die Frage gestellt worden, ob sie ein Kopftuch trage und damit seien Sprache und alle anderen beruflichen Kopetenzen hinfällig gewesen. Ein Jahr war sie arbeitslos.
Dann entschied sie sich für ein Studium. Sie studierte soziale Arbeit, ihr Mann übernahm die Verantwortung für die Kinder und nach drei Jahren beendete sie ihr Studium mit einem Notendurchschnitt von 1,8.
Heute arbeitet Yasmin Yavuz als Sozialarbeiterin bei der Caritas in Velbert.
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