Jürgen Bartsch: Vor 50 Jahren lernten die Velberter das Grauen kennen

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Ort des Grauens: Mitten im Langenberger Ortsteil Bonsfeld, in einer ruhigen Wohnstraße, befindet sich der Stollen in den Jürgen Bartsch die Jungen verschleppte. Früher nur mit Holzbrettern vernagelt, ist die Höhle heute zubetoniert, zugewachsen und verbirgt sich hinter einer hohen Leitplanke.
  In diesen Tagen jährt sich die Verhaftung des Kindermörders Jürgen Bartsch zum 50. Mal. Für viele Bürger dieser Stadt haben sich die Ereignisse von damals in ihr Gedächtnis gebrannt. Damals nämlich zog das Grauen in den kleinen, idyllischen Stadtteil Langenberg ein.

Mit erst 15 Jahren beging Jürgen Bartsch seine erste bestialische Tat. In einem ehemaligen Luftschutzstollen brachte er in der Zeit zwischen 1962 und 1966 vier Jungen im Alter zwischen acht und 13 Jahren um, verging sich an ihnen und zerstückelte anschließend ihre Leichen mit einem Schlachtermesser. Erst als sich sein letztes Opfer im Juni 1966 befreien konnte, indem es sich die Fußfesseln mit Hilfe einer Kerzenflamme durchtrennte, kamen die Gräueltaten ans Tageslicht und Jürgen Bartsch, adoptierter Sohn eines Metzger-Ehepaars, wurde verhaftet.

Für die Velberter Bürger ein Schock. Auch Silvia Erben vom Velberter Modegeschäft "Schäffkes" kann sich noch gut an diese Zeit erinnern. Sie war Schülerin der Pestalozzi-Schule in Velbert und Mitschülerin eines Opfers. Silvia Erben: "Ich kann mich noch gut an diesen Unterrichtsvormittag erinnern. Zwei Polizeibeamten betraten unser Klassenzimmer und fragten uns, ob jemand den Ulrich K. gesehen hätte, denn dieser war von seinen Eltern als vermisst gemeldet worden. Wir waren natürlich alle sehr aufgeregt, konnten aber nicht weiterhelfen."
Zu diesem Zeitpunkt war der Junge bereits tot, wie sich nach der Festnahme von Jürgen Bartsch schnell herausstellte. Auch die weiteren Details und der traurige Hergang dieser Verbrechen wurden aufgedeckt: Wie auch die anderen Opfer sprach Bartsch den zwölfjährigen Jungen auf der Kirmes an. Unter einem Vorwand lockte er ihn von dort fort, ermordete ihn und verschleppte die Leiche in "seine" Höhle.

Sprachaufzeichnungen seiner Vernehmungen zeugen erschreckend detailliert von der Tat, aber auch von dem emotionalen Zustand des Täters: Dieser war in der Lage, seine Taten zu reflektieren und ermöglichte so Einblicke in seine Psyche als Triebtäter. Neben der unbeschreiblichen Grausamkeit der begangenen Morde machte auch das den Fall Bartsch unvergesslich. Zahlreiche Dokumentarfilme, Aufzeichnungen von Vernehmungen, Psychogramme und Bücher wurden verfasst und ließen den Mensch hinter dem "Monster" entstehen. Ein Meilenstein in der Kriminal-Psychologie, denn es zeigte, dass auch ein Täter Opfer sein kann.

Für Silvia Erben und ihre Mitschüler blieb nach der Todesnachricht jedoch nur die Trauer um ihren Schulkameraden. Die ganze Pestalozzi-Schule habe unter Schock gestanden, so Erben. "Das konnten wir natürlich nicht fassen, dass Uli ermordet worden war. Wir hatten ja immer in den Pausen zusammen auf dem Schulhof gespielt." Auch sie hatte an dem besagten Samstag die Velberter Kirmes am Wasserturm besucht und auch sie hatte am Autoscooter gestanden. "Das kam damals natürlich alles sehr nah an einen heran. Unsere Bestürzung war riesengroß", so die heutige Geschäftsfrau. Und auch die Eltern waren damals zutiefst verunsichert: "Lange Zeit durfte ich nur in Begleitung meines Vaters öffentliche Veranstaltungen besuchen. Die Angst saß bei allen tief."

Jürgen Bartsch wurde vom Landgericht Wuppertal zu einer lebenslänglichen Gefängnisstrafe verurteilt. Dieses Urteil wurde später entsprechend dem Jugendstrafrecht zu zehn Jahren Jugendhaft mit anschließender Unterbringung in einer Heilanstalt geändert. Mit 29 Jahren starb Bartsch während einer OP: Eine Kastration sollte ihm nach eigenem Wunsch ein normales Leben ermöglichen.
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Volker Dau aus Bochum | 01.07.2016 | 20:54  
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