Keine Angst vor Nähe!

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Norbert Molitor lebt in Neviges und hat gerade sein erstes Buch veröffentlicht. Sein Titel: „Im Kaff der guten Hoffnung“. (Foto: Anna Schwartz)
 

Norbert Molitor: Erst hat er gebloggt – jetzt liest er und kommt am 15. März in die Bücherei.

Im Jahr 2014 bekam Norbert Molitor den Grimme Online Award verliehen. Und zwar für seinen Internet-Blog „42553 Neviges“. Jetzt liest der Wahl-Nevigeser aus seinem Erstlingswerk „Im Kaff der guten Hoffnung“ vor. Und zwar am Dienstag, 15. März, um 19.30 Uhr. Und wo sollte er das besser machen, als in der Stadtteilbibliothek Neviges an der Elberfelder Straße. Dort wird er dann mit zahlreichen seiner Mitbewohner des „Kaffes“ zusammentreffen, denn schon jetzt ist klar, es sind kaum noch Karten zu bekommen.

Doch Angst vor negativen Reaktionen hat der Autor nicht. Denn was sich in seinem Buch auf den ersten Blick an manchen Stellen abwertend anhört, wenn er beispielsweise schreibt „Der Ort ist mittwochnachmittags und an allen anderen Tagen ab 18.30 Uhr geschlossen!“, ist eine sehr detaillierte, liebevolle Beschreibung des Kleinstadtlebens. Und wer es versteht, zwischen den Zeilen zu lesen, erkennt sehr schnell: Da stecken Emotionen drin und zwar sehr viele, sehr positive. Die Liebe zu einem Dorf, in dem man gerne lebt.

„Die Resonanz auf meinen Blog war eigentlich immer positiv. Zwar liebe ich dieses ’Kaff’, auch mit seinen Schwächen, doch heißt das nicht, dass ich Schwachstellen nicht sehe und benenne. Auch, wenn das bei mir immer mit einer großen Portion Humor einhergeht. Ich beobachte und beschreibe was ich sehe. Wenn das jemand als Kritik sieht ‑ bitte schön“, so der gelernte Grafiker und Messebauer. Und nicht nur in seinem Blog schaut Molitor ganz genau hin. In seinem jüngst erschienen Buch benennt er Geschäfte, arbeitet mit Namen – es ist nicht schwer, die Menschen dahinter zu erkennen, Angst vor Nähe hat er nicht.

„Der Gurkenkönig heißt eigentlich Mesut.“

So schreibt er: „Im ‚Eisernen Kreuz’ trifft sich der Nevigeser Bürgerverein. „Lauter wichtige Leute, die im Kaff viel zu sagen haben und vermutlich sogar viel machen, bloß was genau, außer dem Bürgerfest im Sommer, weiß kein Mensch“. An anderer Stelle heißt es: „Seit das Kaff keine Polente mehr hat (die Polizeistation wurde an einen Investor verkauft), haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ordnungsamtes das Sagen. Ihre Autos sind groß, ihre Uniformen schwarz, ihre Haare sind ab und ihr Humor ist futsch. Sie fahren Streife in der Fußgängerzone: Pizza holen.“ Das sitzt.

Norbert Molitors Beschreibung der Nevigeser „Kleinstadtidylle“ ist seiner Meinung nach auf jede andere Stadt in der Provinz übertragbar. Molitor: „Das passiert doch überall. Es gehört einfach dazu.“ Aber die liebevollen Beschreibungen von Menschen aus dem Dorf und typischen Begebenheiten überwiegen in seinem Erstlingswerk. Mit viel trockenem Humor und immer authentisch schaut er genau hin und dahinter.

„Der Gurkenkönig heißt eigentlich Mesut. […] Seine Frau hat einen Obst- und Gemüseladen im Dorf nebenan. Er hat seinen Laden in der Fußgängerzone. […] Wer etwas probieren will, darf das. Wer handeln will, den schickt er in den Supermarkt.“ Der Nevigeser weiß, worauf sich der Autor mit dieser Beschreibung bezieht. „So etwas kann man nicht mit dem Blick von Außen schreiben. Da muss man schon mittendrin sein. Man muss dazu gehören und mit den Menschen reden.“

Jetzt freut sich Molitor auf seine erste Lesung. „Ich liebe die Menschen hier im Dorf. Was gibt es da Schöneres, als mit ihnen direkt in Kontakt zu treten. Molitors Blog liegt übrigens nicht brach. Dort dokumentiert er seine „Kaff-Erlebnisse“ fleißig weiter.
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