Überraschungsparty zum 30. Geburtstag!

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Die Überraschungsparty ist geglückt: Dirk Sonnenschein (Mitte) und Ehefrau Dorothee (dritte von rechts) im Kreise ihrer Belegschaft.
 
Zum Geburtstag druckten die Mitarbeiter passende T-Shirts.

Mitarbeiter der Videothek "Empire" veranstalteten für ihren Chef eine Überraschungsparty

Da staunte der Chef der Videothek "Empire", Dirk Sonnenschein, nicht schlecht. Eine Überraschungsparty mit allem Zipp und Zapp bereiteten ihm seine Frau Dorothee und seine zehn Mitarbeiter zum 30-jährigen Bestehen der Videothek.

„Ich hatte den Geburtstag gar nicht mehr auf dem Schirm“, so Dirk Sonnenschein. „Erst als ich das Auto meiner Tochter an diesem Morgen vor der Videothek geparkt sah, begann ich Lunte zu riechen.“ Und dann waren sie alle da. Das Team hatte den Verkaufsraum dem Anlass entsprechend feierlich geschmückt und alle weiblichen Mitarbeiterinnen trugen ein silbernes Happy-Birthday-Krönchen und auch die bedruckten T-Shirts durften nicht fehlen. „Da habe ich mich natürlich riesig gefreut.“

Und Anlass zur Freude gibt es für die Sonnenscheins ohne Zweifel, ist ihre Videothek an der Mettmanner Straße doch so etwas wie "der letzte Mohikaner“. „In Velbert sind wir eindeutig die letzte Videothek. Und im Umkreis von 20 Kilometern werden Sie hier auch keine mehr finden“, so der Velberter im Gespräch mit dem Stadtanzeiger. Angefangen habe alles vor 30 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern. Damals studierte Dirk Sonnenschein noch Informatik und Betriebswirtschaft und "nebenher“ arbeitete er mit bei den Eltern. Damals boomte das Video-Geschäft, so dass das „Nebenher“ irgendwann zu viel wurde, erinnert sich der Videofachmann. Daher habe er nach den Vordiplomen mit dem Studium Schluss gemacht und sei mit in das elterliche Geschäft eingestiegen. Da war er 22 Jahre alt.

Das ist lange her und Sonnenschein erinnert sich: „Bis 1999 gab es VHS-Kassetten. Nach und nach wurden diese dann von den DVDs und Bluerays abgelöst“, so der beliebte Chef. „1989 ging es mit den Spielen los. Als dann das Internet an Bedeutung gewann, kam die Krise. Ab 2004 mussten wir einen stetigen Rückgang verzeichnen.“ Die Entwicklung sei nicht mehr aufzuhalten gewesen. Anfänglich noch langsam. Doch mit immer schneller werdendem Internet, bestand bald die Möglichkeit, alles, was es in der Filmwelt zu sehen gibt, downzuloaden oder zu streamen. Was anfänglich noch einen Tag dauerte, passierte jetzt in „Echtzeit“. "Natürlich war und ist das illegal, doch bei den Menschen gibt es diesbezüglich kein besonders ausgebildetes Unrechtsbewusstsein“, erklärt Sonnenschein dieses Phänomen. „Zwar sei das Downloaden und Streamen jetzt urheberrechtlich geschützt, doch es gebe nach wie vor große Portale, die das anbieten würden und an die käme man nur sehr schwer ran. Im Grunde könne man hier von einer „organisierten Kriminalität“ sprechen und das habe zur Folge gehabt, dass eine Videothek nach der anderen habe schließen müssen.

Deutschlandweit nur noch 900 Videotheken

Insgesamt gebe es deutschlandweit nur noch 900 Videotheken, dass seien noch gerade einmal zehn Prozent von damals. Die Illegalität habe das „Videothekensterben“ beschleunigt. Auf die Frage, wie er denn durchgehalten habe, versucht sich Dirk Sonnenschein an einer Erklärung: „Mein kaufmännisches Know-How hat mir sicherlich geholfen. Leider sicher auch, dass die Konkurrenz immer kleiner wurde.“ Außerdem sei Beratung inzwischen so etwas wie ein Alleinstellungsmerkmal. „Es gibt Filme, nach denen würde man nie greifen. Titel oder Cover überzeugen einfach nicht. Dahinter kann sich aber ein richtig guter Film verstecken. Wenn der Kunde uns sagt, was er gerne sieht, dann können wir ihm genau solche Filme empfehlen.“ Außerdem gebe es immer noch Menschen, die ganz besonderen Wert auf hohe Qualität bei der Wiedergabe eines Filmes legten. „Wer zu Hause bei Bild und Ton ein Top-Equipment hat, der weiß, dass es zu einer sogenannten ,physischen Veröffentlichung' keine Alternative gibt, wenn man keine qualitativen Einbußen in Kauf nehmen will.“

Doch bei aller Freude über das 30-jährige Bestehen macht sich der Unternehmer hinsichtlich der Zukunft keine falschen Hoffnungen. „Ich bin Realist. Die technische Entwicklung lässt sich nicht aufhalten.“ Doch das hält den „besten Chef“ nicht davon ab mit seiner Belegschaft und seinen Kunden ausgiebig zu feiern. Denn auch daran hat das Empire-Team an diesem besonderen Tag gedacht: Es gibt leckere Würstchen vom Grill, selbstgemachte Salate, Getränke und Musik – so stärkt man das Zusammengehörigkeitsgefühl - auch in „schwierigen Zeiten“.
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