Ein Kleinod ist gerettet

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Projektleiter Björn Dröscher (Mitte) führte die ersten Besucher durch die geheimnisvollen Wehrgänge am Hardenberger Schloss. Foto: Bangert
Velbert: Schloss Hardenberg |

Sanierung der einmaligen Kasematten am Schloss Hardenberg ist fertig


Mit der Wiederherstellung der Artillerieumwehrung des Hardenberger Schlosses ist Neviges um eine Attraktion reicher. „Hier verfiel ein echtes Kleinod“, erinnerte sich bei der offiziellen Eröffnung der Burgenexperte Dr. Joachim Zeune an seinen ersten Besuch im Jahr 2007. „Es war zehn nach zwölf“, so sein Urteil über den Zustand der Kasematten.

Damals dachte er nicht, dass die Anlage noch zu retten sei. Nicht zuletzt durch den Schlossförderverein setzte langsam ein Umdenken bei allen Verantwortlichen ein. Die Mittel, die zur Wiederherstellung des Herrenhauses vorhanden waren, würden dafür nicht ausreichen, aber es wäre genug, diese in Deutschland einmalige Wehranlage vor dem endgültigen Verfall zu bewahren. 2013 gab der Rat schließlich die Gelder für die Kasematten frei. „Ein gemeinsames Projekt, in das viel Herzblut gesteckt wurde“, resümierte Bürgermeister Dirk Lukrafka.

Burgenexperte Dr. Zeune war häufig vor Ort, als die Bauleute die Mauern Stein für Stein wieder aufbauten. Dabei zeigten sich einige Überraschungen: So verfügten nicht nur die unterirdischen Kasematten über Schießscharten für Kleingeschütze, sondern der darüber liegende Wehrgang besaß Öffnungen für größere Geschütze. Da diese Mauern einfach nicht mehr da waren, werden die Schießscharten jetzt nur angedeutet. „Wir wollten ein Denkmal retten und nicht erneuern“, so sie Auffassung des Fachmanns, der die Existenz der Artillerieumwehrung auf die enge Tallage des Herrenhauses zurückführt. Um 1540 beauftragte Wilhelm von Bernsau einen Militärarchitekten, der den alten Wehrgang mit einer Überwölbung versah und so eine kleine Festung schuf. „Ein Denkmal von nationaler Bedeutung, ich kenne keine Parallelen dazu“, so die Erkenntnis des Burgenforschers, der fordert, dasDenkmal zu erschließen.

Das hat die Stadt auch vor: Interessenten können sich wegen Führungen an Dr. Ulrich Morgenroth, den Leiter des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums, wenden. Betreten werden die unterirdischen Gänge nur noch in diesem Monat, ab Oktober suchen die Fledermäuse dort Unterschlupf. Im kommenden Frühjahr sind weitere Termine geplant.

Projektleiter Björn Dröscher nahm nach der offiziellen Einweihung interessierte Teilnehmer mit in die Unterwelt. „Passen Sie auf den Kopf auf, es ist teilweise sehr niedrig“, so seine Warnung und so verteilte er auf Wunsch Schutzhelme. „Hier vor diesen Schießscharten kann man Hakenbüschen aufstellen, damit die Besucher eine Ahnung bekommen, was hier einst geschah“, so die Anregung des Burgenforschers. In dem fast hallenartig großen Raum unter dem Wehrturm könnte sich Björn Dröscher eine Informationsstele vorstellen.
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