„Mein Körper gehört mir!“

Anzeige
Spielszene: Ein Mädchen hat einen Exhibitionisten gesehen und erzählt es einer vertrauten Person.
 
Die Regenbogen-Schüler waren konzentriert bei der Sache.
Velbert: Regenbogenschule |

Theaterstück klärt Schüler der Regenbogenschule über sexuellen Missbrauch auf

Seit bald 25 Jahren gibt es sie nun schon. Die Rede ist von der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück. Ihr Hauptanliegen: Kinder vor Gefahren und sexuellem Missbrauch zu schützen. Diesmal besuchten die Verantwortlichen die dritten und vierten Klassen der Regenbogen Grundschule in Neviges.

Ein Mädchen spielt mit einem Ball. Ein Mann sitzt in einem Auto - der Ball rollt zu dem Auto - das Mädchen läuft verschreckt weg. Sie holt Hilfe und erzählt einem Mann ihres Vertrauens was passiert ist: „Der Mann hatte seine Hose auf und zeigte seinen Penis.“ Der Mann erklärt: „Das war ein Exhibitionist. Das ist ein Mann, der anderen seinen Penis zeigt, um sie zu erschrecken. Das ist sexueller Missbrauch.“

Schüler sind geschockt

Soweit die erste Spielszene an diesem Vormittag in der Regenbogenschule. Die Reaktion der Schüler ist deutlich. Sie sind geschockt, rufen in den Raum „Ihhh, wie ekelig!", "Bah, das ist fies und widerlich!“ und vieles andere. Manche Kinder halten sich die Ohren zu, wollen nicht hören, was da Schreckliches thematisiert wird. Doch das Darsteller-Pärchen der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück nimmt die Schüler mit. Mit auf ihrem Weg, der den Schülern vor allem eines klar machen soll: Sexueller Missbrauch hat viele Gesichter. Er ist strafbar und es gibt viele Möglichkeiten, um sich zu wehren.
Mit vielen einfühlsamen Fragen beziehen sie die Kinder mit in das Dargestellte ein und erarbeiten gemeinsam Lösungsansätze, wie man sich erfolgreich gegen Übergriffe wehren kann: Der Exhibitionist muss angezeigt werden, lautes Schreien hilft bei aufdringlichen Annäherungen, es ist von Gefühlen die Rede, auf die man vertrauen sollte.

Auf das Ja- und Nein-Gefühl hören

In weiteren Spielszenen zeigen die Pädagogen, wo darüber hinaus im Internet oder auf der Straße Gefahren lauern. Sie machen den Kindern Mut sich auf ihr Ja- oder Nein-Gefühl zu verlassen und geben ihnen konkretes Handwerkszeug mit an die Hand. Dazu gehören unter anderem die Fragen: „Weiß eine vertraute Person, wo ich bin?“ oder „Bekomme ich Hilfe, wenn ich welche brauche?“.
„Aber natürlich versuchen wir den Schülern ebenso klar zu machen, dass es auch viele nette Menschen auf dieser Welt gibt. Und wenn man sich an bestimmte Regeln hält, kann man gefahrlos mit ihnen Kontakt aufnehmen“, so Thorsten Simon, Darsteller der Theatergruppe. An diesem Vormittag ist er gemeinsam mit seiner Spielpartnerin Meike Angermann zu Gast in der Nevigeser Grundschule. Man wolle die Kinder nicht verunsichern, im Gegenteil, ein gesundes Selbstbewusstsein und die richtige Einschätzung von Gefahrenmomenten sei ihr Ziel.

Nicht Abschottung, sondern Offenheit stehen hier im Vordergrund

So handelt die letzte Szene an diesem Vormittag auch von dem netten Nachbarn, der ein Mädchen zum Kaffeetrinken einlädt. Und die Schüler erfahren, dass auch das kein Problem ist, wenn die Eltern Bescheid wissen oder sogar selbst mitkommen. Nicht Abschottung, sondern Offenheit stehen hier im Vordergrund.

Die rund 30 Schüler sind konzentriert bei der Sache, nicht zuletzt, weil die Darsteller immer wieder für kleine, humoristische Momente sorgen. „Wir kommen nicht mit dem erhobenen Zeigefinger. Klassischer Frontalunterricht ist hier wenig sinnvoll. Wir schaffen eine lockere Atmosphäre - nur so öffnen sich die Kinder bei so einem sensiblen Thema, das von Natur aus mit viel Scham behaftet ist“, so Meike Angermann. Und natürlich spiele die Aufbereitung des Themas im Anschluss an die Theater-Reihe eine ganz wichtige Rolle.

An drei Terminen besuchte die Theaterwerkstatt die Regenbogenschule. Jedesmal wurde mit den Schülern ein besonderer Inhalt zu dem Thema „Mein Körper gehört mir!“ erarbeitet. Nun sind die Lehrer an der Reihe und diese legen schon seit längerem besonderen Wert auf die pädagogischen Schwerpunkte "Gewaltprävention" und "Prävention von sexuellem Missbrauch", so Schulleiter Arnfried Szymanski. Die Schüler wird das freuen, denn Redebedarf zu diesem Thema gibt es viel, das hat der Vormittag gezeigt.

Info:
-Die Theaterpädagogische Werkstatt Osnabrück arbeitet seit rund 25 Jahren mit Schulen zusammen.
-Insgesamt 50 Spieler-Paare sind allein in NRW tätig.
-Beinahe alle Grundschulen in NRW haben bereits von dem Angebot Gebrauch gemacht.
-Kontakt: www.meinkoerpergehoertmir.de
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.