Bundestagswahl/TV-Duell: "Wir haben Nachholbedarf"

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Benjamin Daniel Thomas, Landesvorsitzender des Netzwerk Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen Foto: privat

Drei Fragen an Benjamin Daniel Thomas, Landesvorsitzender des Netzwerk Menschen mit Behinderung der CDU Nordrhein-Westfalen

1 Sie haben zusammen mit Uwe Schummer, Mitglied des Bundestages, eine Anfrage an ARD, ZDF und RTL gestellt, dass das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und dem SPD-Herausforderer Martin Schulz, das am 3. September auf diesen Sendern ausgestrahlt wird, barrierefrei gesendet wird. Heißt in diesem Fall: Sie sprachen sich dafür aus, dass es einen Untertitel für taubstumme Menschen geben soll. Phönix überträgt diese Sendung nun sogar in Gebärdensprache. Eine Ausnahme? Warum ist es heutzutage keine Selbstverständlichkeit, dass solch wichtige Ereignisse für Menschen mit Handicap entsprechend übertragen werden?

Leider werden immer noch relativ wenige Sendungen in Gebärdensprache übersetzt, zumeist sind es Nachrichten wie die Tagesschau und das heute journal. Uns war es wichtig mit dieser Anfrage deutlich zu machen, in diesem politischen Meinungsbildungsprozess eben auch die Gehörlose zu berücksichtigen. Gerade die UN-Behindertenrechtskonvention macht deutlich, dass jeder Mensch unabhängig von seiner Behinderung Zugang zu den Informationsmedien haben muss. Insgesamt muss man leider festhalten, dass in den öffentlich-rechtlichen Sendern nur wenige Beiträge und in den privaten Sendern keine Reportagen in Gebärdensprache übertragen werden. Wir können als Politiker an der Stelle gerade die öffentlich-rechtlichen Sender versuchen, stärker in die Pflicht zu nehmen, mehr Sendungen in Gebärdensprache zu übertragen und alle Beiträge konsequent zu untertiteln. Ich persönlich werbe dafür, dass dieses Thema auch bei den nächsten Verhandlungen über die Rundfunkabgabe auf den Tisch kommt.

2 Fehlt es an Sensibilität gegenüber behinderten Menschen, die auch politisch interessiert sind? Gibt es für diese Menschen zu wenig Öffentlichkeit?


Wir haben in Deutschland sicherlich viel erreicht, was die Sensibilität gegenüber Menschen mit Behinderung angeht, aber natürlich haben wir auch noch einiges zu tun. Viele Menschen bekommen diese Sensibilität erst, wenn sie direkt oder indirekt betroffen sind. Viele Hindernisse, die es für Menschen mit einer Behinderung gibt, kann man sich erst wirklich vorstellen, wenn man diese konkret im Alltag oder bestimmten Situationen erfährt. Ob es zu wenig Öffentlichkeit gibt, ist nicht pauschal mit Ja oder Nein zu beantworten. Wichtig ist es aber, dass wir immer wieder die Öffentlichkeit mit den Themen sensibilisieren.

3 Sie sind selbst betroffen. Sie sehen die Welt mit anderen Augen - was kann man für gehandicapte Menschen eigentlich ganz leicht in die Tat umsetzen? Woran hapert es?

Ich selber bin Rollstuhlfahrer und dieses von Geburt an. Die Frage, woran es hapert und was ganz leicht umgesetzt werden kann, muss man Behinderungsspezifisch sehen. Für Rollstuhlfahrer ist es schon eine große Erleichterung, wenn es ebenerdige Wege und Zugänge gibt oder eben Rampen und Aufzüge. Bei Sehbehinderten ist es wichtig, dass das Umfeld kontrastreich gestaltet ist und dass es ein taktiles Leitsystem gibt. Dieses ist leider an vielen Stellen immer noch nicht konsequent vorhanden. Gerade in Innenstädten gibt es da noch einiges an Nachholbedarf. Aber auch bei Gehörlosen muss einfach viel öfter noch daran gedacht werden, dass sie die Gebärdensprache als Kommunikation benötigen. In vielen Ländern ist es schon selbstverständlicher, dass es Veranstaltungen mit Gebärdensprachdolmetschern gibt. Dieses waren nur Beispiele für drei große Gruppen. Was ich damit sagen will, ist, dass es nicht einfach mal eben so geht. Aber wir müssen als Gesellschaft gemeinsam den begonnenen Weg der Inklusion von Menschen mit einer Behinderung weitergehen. Was den Niederrhein betrifft: Es wird dringend Zeit, dass der Bahnhof Moers umgebaut werden muss. Es gibt hier seitens der EU klare Vorgaben, dass bis 2022 ein barrierefreier ÖPNV zu schaffen ist. Allerdings wird dieses an vielen Stellen nicht möglich sein. Bei dem Bahnhof Kamp-Lintfort muss er direkt barrierefrei gebaut werden.
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7 Kommentare
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 31.08.2017 | 12:21  
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Volker Dau aus Bochum | 01.09.2017 | 10:04  
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Andrè M. Pietroschek aus Essen-Ruhr | 03.09.2017 | 20:06  
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 03.09.2017 | 22:10  
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Andrè M. Pietroschek aus Essen-Ruhr | 04.09.2017 | 02:10  
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Wolfgang Kill aus Gladbeck | 04.09.2017 | 07:34  
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Heinz-Josef Thiel aus Gladbeck | 04.09.2017 | 10:21  
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