Eigene Religion glauben. Immer noch stehen viele Aleviten nicht zu ihrer Religion aus Angst vor Beschimpfungen

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Wenn andere Schüler am Dienstag Nachmittag toben, spielen und ihre Freizeit genießen, lernen nun 23 Kinder und Jugendliche ihre Religion kennen.

Dienstag Nachmittag an der MLK. Alle Türen sind verschlossen. In den Fluren und dem Atrium ist es still. Nur in einem Raum wird noch aufmerksam zugehört und gelernt: Devrim Yilmaz-Hardenberg, Lehrerin an der MLK, hat sich stark dafür gemacht, dass endlich auch in Velbert ein alevitischer Religionsunterricht stattfindet. „Die Idee wurde schon in vielen anderen Bundesländern umgesetzt und wir haben angeregt, den Unterricht auch hier in Velbert anzubieten.“
So wurde im Vorfeld an den Schulen der Stadt abgefragt, wie viele Kinder alevitischen Glaubens dort gemeldet sind und auch der „alevitische Verein hat aktiv mitgearbeitet“.
Um den klassen- und schulübergreifenden Unterricht ins Leben rufen zu können, brauchte Yilmaz-Hardenberg zwölf Anmeldungen. 23 hat sie letzten Endes erhalten. Ein stolzes Ergebnis, wenngleich dies auch nur ein minimaler Teil der schulpflichtigen Kinder alevitischen Glaubens ist. „Es ist ein unterdrückter Glauben und von unserer Schule nehmen gerade mal drei Kinder an meinem Unterricht teil.“
Devrim Yilmaz-Hardenberg weiß, dass es schwer für die Kinder ist, in der Öffentlichkeit zu ihrem alevitischen Glauben zu stehen, „weil sie nicht selten beschimpft“ werden. „Wenn sie sich nur trauen würden zu ihrer Religion zu stehen, wären wesentlich mehr hier.“ Jeden Dienstag Nachmittag kommen nun die 23 Kinder und Jugendlichen vom Grundschulalter bis zur Sekundarstufe eins zur Doppelstunde. Die Anmeldung zum Unterricht ist zwar freiwillig erfolgt, dennoch sollen die Schüler regelmäßig teilnehmen.
„Natürlich lernen die sechsjährigen Kinder anders als die 14- bis 16-Jährigen“, weiß die Lehrerin. So sollen die Kleineren erst einmal im Hintergrund bleiben und durch Zuhören erfahren, welche Kulturen und Gebräuche zum alevitischen Glauben gehören. Zunächst muss die Lehrerin, die den Unterricht ausschließlich auf Deutsch abhält, herausfinden, was die Kinder und Jugendlichen bereits über das Alevitentum wissen. „Es ist eine humanistische, naturverbundene, tolerante, weltoffene, Bescheidenheit und Nächstenliebe ausstrahlende Glaubenslehre“, so Yilmaz-Hardenberg.
Und weiter: „Wir Aleviten stehen für Glaubensfreiheit, Einhaltung der Menschenrechte und Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft.“
So sollen die Kinder des alevitischen Religionsunterrichts ihr „eigenes Selbstverständnis festigen und ihre eigene Identität kennen lernen und behalten.“ Darüber hinaus werden im Unterricht aber auch „Werte und Rituale des Glaubens erlernt und bewahrt.“
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