Auf dem Weg des Lebens - Velberterin auf dem Jakobsweg

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Etwa 400 Kilometer hatte Marlies Papke auf der französischen Etappe des Compostela-Weges 2014 zurückgelegt. Start war der Ort „Le Puy-en-Velay“. Ende der Etappe Moissac. Naturpanoramen, spiriuelle Erfahrungen und Begegnungen mit anderen Pilgern aus vielen Ländern hatten sie fasziniert, so dass sie sich jetzt wieder auf die Reise machte.

Diesmal war das Ziel, die spanische Grenze zu erreichen.Wieder hatten die Pilgerin und ihr Freund sich eine Etappe von 400 Kilometern vorgenommen. Alles, was sie für diese Pilgerzeit in vier Wochen brauchten, hatten sie in ihrem Rucksack, den sie ständig mit sich führten.
Da war schon das Packen eine Herausforderung. Mit dem Zug ging es frühmorgens von Essen nach Paris und dann weiter bis Moissac.
Am frühen Abend kamen die Beiden ermüdet in der Herberge eines irischen Paares an. An einem Küchentisch versammelten sich alle angekommenen Pilger. Nach dem Essen wurde den Gästen eine große Teekiste gereicht. Marlies Papke entschied sich für: „Jambes légères „leichte Beine“, ein Versprechen, am nächsten Morgen hoffentlich leichten Fußes den Weg beginnen zu können.

Bei 38 Grad im
Schatten steil bergauf


Ausschlafen war nicht angesagt, die meisten Pilger starten sehr früh morgens, Rucksack aufgeschnallt und Wanderschuhe an. Jede Etappe, zwischen 16 und 24 Kilometer, musste geschafft werden, egal ob Hitze, Regen oder beschwerliche Wege. Endlose Landschaften,pittoreske Dörfer, Mais-und Sonnenblumenfelder säumten die Wege. Der Höhepunkt des französischen Pilgerweges war aber der Anstieg der Pyrenäen. Ein wahres Schauspiel der Natur. Schafe, Kühe und wilde Pferde ließen sich nicht durch die Pilger stören, die bei 38 Grad im Schatten mit dem Aufstieg zu kämpfen hatten. Diese Etappe bis zur französisch-spanischen Grenze war die anspruchsvollste überhaupt mit einer Steigung von 1430 Metern. In einer Herberge in Orisson wurde ein Zwischenstopp eingelegt. Einerseits, um die beeindruckene Pyrenäenlandschaft zu genießen, und andererseits, um gut ausgeruht zu sein für die schwierigste Etappe.
Zur Begrüßung in der Herberge bekam jeder Pilger einen Chip gereicht, damit konnte man fünf Minuten duschen. Danach schaltete sich das Wasser automatisch ab. Die Nacht im Sechsbettzimmer war unruhig, erholsamer Schlaf? Fehlanzeige.„Früh morgens bin ich dann nach draußen gegangen, alle anderen schliefen noch. Ich war allein inmitten eines beeindruckenden Panoramas. Nebelschwaden verschleierten Bergspitzen, die Sonne erwachte langsam. Ich glaubte, die Erde küsst den Himmel.“ Mit diesen Bildern im Kopf war genügend Kraft für die letzte Etappe bis nach Roncesvalles in Spanien getankt. „Aber es gab auch Momente, da sind mir am Ziel der Tagesstrecke vor Erschöpfung die Tränen gelaufen, die Füße schmerzten, die Beine waren müde, der Rucksack eine schwere Last.

Auf dem Weg hat jeder seine eigenen Gedanken


Auf diesem Weg zu sein, heißt aber weitergehen, egal, wie schwer die Strecken und wie schwer die Füße sind.“ Und auch, als Marlies Papke an einem Regentag ausrutschte und im Matsch landete, hieß es aufstehen und weitergehen. Aber auch spirituelle Motivationen trieben das Paar an, nicht aufzugeben. „Am Wegesrand finden sich immer wieder Kreuze, manchmal auch eine Madonna.“ Hier legen Pilger ihre Ängste, Nöte, Bitten und Sorgen in Form von Steinen ab.
„Auf dem Weg hat jeder seinen eigenen Rhythmus, seine eigene Motivation, seine eigenen Gedanken, Hoffnungen, Erwartungen. Jeder geht seinen Weg, seinen Lebensweg, geht streckenweise mit anderen Pilgern, verliert und findet sie vielleicht wieder. Doch jede Begegnung bleibt eine besondere Erinnerung“, so die Pilgerin. Und so ist für nächstes Jahr ist die Fortsetzung des Weges schon geplant - dann bis zum Endziel Santiago de Compostela.
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