Brachland statt Wohnhaus. Der letzte Mieter des Gebäudes am Ziegeleiweg ist bereits ausgezogen

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Aus einem mehrere hundert Jahre alten Fachwerkhaus am Ziegeleiweg ist der letzte Mieter ausgezogen. Jetzt wird es abgerissen.

Zwischen den Bahngleisen und idyllischer Natur liegt das Firmengelände von Wieland. Schräg gegenüber, direkt am Neanderlandsteig, stehen die alten Häuser, die nun dem Erdboden gleichgemacht werden sollen. Bis Ende März musste der letzte Mieter der Hausnummer 11 nun seine Wohnung räumen.
Das Haus ist nach Einschätzungen der Langenberger Architektin Barbara Brombeis mindestens 300 Jahre alt. Da das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht, „darf der Eigentümer grundsätzlich machen, was er will, sofern er eine Abrissgenehmigung hat.“
Alexander Blässing, Werksleiter der Firma Wieland, weiß: „In dem Haus befanden sich ehemals zwei Werkswohnungen.“ Doch die Häuser, die sich auf dem Firmengelände des Betriebs befinden, sind schon lange baufällig. „Wir haben ein Gebäude, das vor der Hausnummer 11 liegt, schon vor zwei Jahren abreißen lassen.“ Eine Renovierung des noch bestehenden Hauses sei nicht gerechtfertigt, so der Werksleiter. „Es handelt sich hier schlichtweg um ein altes, verfallenes Haus und wir haben uns selbst ein Bild vom Zustand gemacht. Die Wände sind feucht und teilweise schimmelig.“

Vorgehensweise ist rechtlich geklärt


Die weiteren Vorgehensweisen hat das Unternehmen rechtlich klären lassen. „Wir haben ja auch eine Fürsorgepflicht unseren Mietern gegenüber.“ Die Mutter des letzten, bislang verbliebenen Mieters, Georg Emanuel, war im Unternehmen beschäftigt. Sie hatte beim Renteneintritt laut Werksleiter mit dem Betrieb die Vereinbarung getroffen, in der Wohnung bleiben zu dürfen. „Nun ist sie aber verstorben und wir mussten etwas unternehmen.“
Renovieren oder abreißen - diese beiden Alternativen stellten sich Wieland. „Und wir sind ein Industrieunternehmen und haben unsere Kernkompetenz nicht im Mietgeschäft“, räumt der Werksleiter ein. So habe man dem Sohn gekündigt. „Wir sind seiner Bitte nachgekommen, ihm mit dem Auszug Zeit zu lassen, da er ja auch das Hab und Gut seiner Mutter auflösen musste.“ Ein halbes Jahr habe ihm das Unternehmen gewährt - das ist nun abgelaufen.
Georg Emanuel hat derweil die Wohnung geräumt. „Was sollen wir machen? Wieland hat mir gekündigt und jetzt ist es auch zu spät. Über Alternativen hätte ich mich vor einem halben Jahr informieren müssen“, nimmt der gekündigte Mieter die Situation hin. „Natürlich ist es ein altes Haus, aber ob es wirklich baufällig ist, das kann ich nicht beurteilen.“ Er ist in dem Haus am Ziegeleiweg aufgewachsen, hat sein ganzes Leben dort verbracht. „Aber das ist eben der Lauf der Zeit.“ Er weiß, dass an dem Wohnhaus „mit Sicherheit seit 30 bis 40 Jahren nichts mehr gemacht worden ist.“
Auf ihn kommt nun eine neue Ära zu. „Was weiß ich, was mit dem Grundstück passiert, vielleicht wird ein Parkplatz oder sonst etwas gebaut.“ Dieses Gerücht ist für den Werksleiter von Wieland allerdings neu: „Wir haben genügend Parkmöglichkeiten, wir werden dort keinen Parkplatz bauen und haben auch sonst mit dieser Fläche nichts weiter vor. Das Gelände wird brach liegen.“
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