Das Schweigen gebrochen

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Peter Wensierksi (59): Der Heiligenhauser lebt in Berlin, ist Redakteur beim „Spiegel“ und berichtet immer wieder aus dem Vatikan. Hier zu sehen ist er hoch oben auf der Aussichtsplattform des Petersdomes mit Blick in die vatikanischen Gärten, in dem Gebäude rechts wird Benedikt nun demnächst seinen Lebensabend verbringen.
  Was mit einem einzigen Telefonat begann, wuchs schnell zu einer Geschichte nationalen Ausmaßes heran: Der Heiligenhauser Journalist Peter Wensierski gab den bis zu einer Millionen Heimkindern der 60er Jahre eine Stimme.

Das ist nur eine von zahllosen Publikationen des 59-jährigen Redakteurs, der seit 20 Jahren für den „Spiegel“ tätig ist. Nachdem er nach dem Abitur seine Heimatstadt in Richtung Berlin verlassen hatte, begann seine journalistische Karriere 1979 mit Berichten und Reportagen aus der ehemaligen DDR. „Das Interesse an der DDR entstand durch die räumliche Nähe“, erklärt Wensierski. Und so ergab es sich, dass der Heiligenhauser als jüngster westlicher Reisekorrespondent für den evangelischen Pressedienst, den Spiegel und andere Zeitungen schrieb, selbst zum Buchautor wurde und Radiosendungen und Dokumentarfilme über Themen der DDR, beispielsweise die aufkommende Oppositionsbewegung, erstellte.
Von 1986 an arbeitete Wensierski als Fernsehjournalist für die ARD, später realisierte er mit dem aus der DDR zwangsausgebürgerten Roland Jahn zahlreiche Filmprojekte, wiederum zu Themen der DDR. Wensierski ist Preisträger des Bundesfilmpreises und des Euopäischen Fernsehpreises.
1993 wechselte er zum Spiegel, fünf Jahre später wurde er Berichterstatter über den Vatikan in Rom. Auch 2005 berichtete Wensierski über das Ende Papst Johannes Paul II. und der Wahl Joseph Ratzingers zum neuen Papst. Und auch jetzt wieder führt es ihn nach Rom. „Womöglich kann ich die TV-Ausstrahlung von ,Schläge im Namen des Herrn‘ gar nicht in Ruhe gucken, weil ich schon auf dem Weg zur Papstwahl nach Rom bin.“ Andernfalls wird er den Themenabend im ZDF im Kreise von Freunden sehen.
2003 war Wensierski durch einen Anruf auf das Thema Heimkinder gekommen: „Eine Frau aus dem Ruhrgebiet rief mich an und erkundigte sich nach dem irischen Film ,Die unbarmherzigen Schwestern‘. Darin geht es um das Unrecht, das Kindern in Waisenhäusern angetan wurde.“ Der Journalist fragte nach, warum sich die Anruferin denn so für dieses Thema interessiere, und erhielt als Antwort: „Ich habe das selbe in einem Kinderheim in Dortmund erlebt.“
Wensierskis Interesse war geweckt, er begann zu recherchieren, veröffentlichte einen Artikel zum Thema und stellte beim Anblick der 500 eingegangenen Leserbriefe schnell fest: „Das ist ein riesiger weißer Fleck auf der Landkarte.“ Bis zu eine Millionen Kinder lebten in den 60er Jahren in deutschen Kinderheimen und erlebten dort Unrecht. „Es gab wahrhaftig Arbeitslager, in denen die Kinder schuften mussten“, so der Journalist.
Mit seinem Buch „Schläge im Namen des Herrn“ - 80 Prozent der Heime waren damals in kirchlicher Hand - wollte er „das Schweigen brechen“ - was ihm auch gelang. Neben der Verfilmung haben sich Ausschüsse des Bundestages mit dem Thema befasst, der „Runde Tisch Heimerziehung“ wurde gegründet. Für diese Arbeit wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Band ausgezeichnet.

Der Film:
-Basierend auf dem Buch „Schläge im Namen des Herrn - Die verdrängte Geschichte der Heimkinder in der Bundesrepublik" von Peter Wensierski wurde der Spielfilm „Und alle haben geschwiegen", unter anderem mit Senta Berger und Matthias Habich, produziert.
-Zu sehen ist er am Montag, 4. März, um 20.15 Uhr im ZDF. Im Anschluss folgt eine Dokumentation.
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