Das Zusammenspiel von Distanz und Nähe

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Während manche Patienten bettlägerig sind und für alle Aufgaben des Alltags Hilfe benötigen, lassen sich andere nur beim Verbandswechsel oder der richtigen Dosierung der Medikamente unterstützen. (Foto: Miriam Dabitsch)
  Viele Arbeitsschritte ähneln sich und doch ist es bei jedem Patienten wieder anders: Simoné Stoffers vom mobilen Krankenpflegedienst Kniebeler zeigte Maren Menke vom Stadtanzeiger, wie ihr Arbeitsalltag aussieht.
Doch eigentlich ist es schon falsch, von einem Alltag zu sprechen, denn jeder Patient erhält aufgrund der Beschwerden auch individuelle Leistungen, fühlt sich mal besser und mal schlechter, lässt sich gerne helfen oder möchte eigentlich möglichst wenig Unterstützung durch die Fachkräfte.
Hinter jeder Wohnungstür steckt somit etwas Neues: Was für die Pfleger so selbstverständlich ist, löst beim Laien vor jeder Tür eine gewisse Anspannung aus, einhergehend mit der Frage, wie gut die bevorstehende Situation zu verkraften ist. „Es gibt Patienten, die lassen sich nur einmal wöchentlich beim Duschen helfen, andere müssen wir mehrmals am Tag aufsuchen, damit die grundmedizinische Versorgung gesichert ist“, sagt die examinierte Fachkraft, die seit zehn Jahren für den Heiligenhauser Krankenpflegedienst arbeitet. „Ebenso haben einige schon ihren Lebensmut verloren, während die anderen stets positiv gestimmt sind.“
Genau das bestätigen auch die ersten zwei Hausbesuche des Tages: Denn der ersten dunklen Wohnung, in der eine pessimistische Patientin gewaschen und angezogen werden muss, folgt eine helle Wohnung, die durch Sauberkeit und Ordnung besticht und dessen fröhlich gestimmte Bewohnerin versucht, möglichst selbstständig zu agieren. Freudestrahlend erzählt sie, dass niemand gedacht hätte, dass sie nach ihrem Schlaganfall wieder so fit werden würde.
Ein Bild, das ebenfalls in Erinnerung bleibt, ist das einer verhältnismäßig jungen Patientin mit starkem Übergewicht, die das Bett nicht mehr verlassen kann, wohl auch, weil sie es gar nicht mehr verlassen möchte. „In solchen Situationen sind es häufig die Angehörigen, die uns brauchen. Selbst wenn wir einfach nur zuhören“, weiß Stoffers.
Neben einer freundlichen Begrüßung und der Frage nach dem Befinden, gehört für sie natürlich auch das Anziehen der Handschuhe zu den ersten Arbeitsschritten. „Sie haben für mich nicht nur einen hygienischen, sondern auch einen schützenden Aspekt“, verrät die 47-Jährige. Denn obwohl man zu jedem seiner Patienten eine Beziehung aufbauen würde, dürfe man nicht vergessen, eine gewisse Distanz zu wahren.
Doch wie funktioniert dieses Ausbalancieren zwischen Distanz und Nähe? Schließlich lässt sich eine gewisse körperliche Nähe nicht vermeiden, Männer und Frauen müssen an intimen Stellen gewaschen, eiternde Wunden versorgt und Windeln gewechselt werden. Außerdem berichten viele Patienten aus ihrem Leben, bauen eine emotionale Nähe auf und betrachten ihre Pflegekraft als eine wichtige Konstante in ihrem Leben. „Man lernt, damit umzugehen“, sagt die Kniebeler-Mitarbeiterin. „Ich übe den Beruf mit Leidenschaft aus, anders geht es auch gar nicht.“
Es wird sich Zeit genommen, Zeit zum Reden und Zuhören, Zeit, um das Wasser zu wechseln, wenn zu viel Salbenreste am Waschlappen waren und Zeit, um die Nylonsocken so anzuziehen, dass es keine Laufmaschen gibt. Sind die Patienten versorgt, ist aber noch kein Feierabend. Im Büro werden die Besuche dokumentiert, Medikamente bestellt und Tabletten vorsortiert. Darüber hinaus gibt es jede Woche eine Besprechung, bei der über jeden der 255 Patienten aus Velbert und Heiligenhaus gesprochen wird.
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