Emotionen werden frei bei der Ausstellung der Gesamtschule

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Senna Parlak, Yanina Amend und Nina Grütz haben die Ausstellung organisiert, in der Kunstwerke ihrer Mitschüler zu sehen sind. Den Schülerinnen ist es gelungen, den Besuchern nah zu bringen, welche Emotionen der Besuch des Konzentrationslagers in Ausschwitz bei ihnen ausgelöst hat.
 
Jeder hat die Eindrücke der Fahrt anders verarbeitet. Die 18-jährige Aileen Karrenberg hat alles in ein Bild fließen lassen.
Velbert: Aula der Gesamtschule | "Wer die Vergangenheit nicht kennt, der ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." - Eine Aussage, die sich einige Schüler der Städtischen Gesamtschule Velbert-Mitte sehr zu Herzen genommen haben. Anfang der Woche eröffneten sie eine Ausstellung, die über das Konzentrationslager in Auschwitz, die Geschehnisse im NS-Regime und viele persönliche Eindrücke informiert. Verarbeitet in Fotos, Texten, Bildern, einer Videoprojektion und mehr veranschaulichen die Jungen und Mädchen, welche Emotionen sie bei einer Studienfahrt durchlebten. Tränen, Verständnislosigkeit für die Grausamkeiten, die sich im KZ abspielten, Ratlosigkeit und Angst - all das blieb auch bei der Eröffnung der Ausstellung nicht verborgen.

Ein bedrückendes Gefühl beim Betrachter


Kein Wunder, was hier zu sehen ist, löst ein bedrückendes Gefühl beim Betrachter aus. Die Fotos zeigen unter anderem, wie es heute in dem Konzentrationslager aussieht. Ein kleiner Haufen mit dreckigen, alten Schuhen soll veranschaulichen, wie damals den Insassen das gesamte Hab und Gut weggenommen und zu einem großen ,Müllberg' getürmt wurde. Selbst Rollstühle und Krücken zählten dazu. Mit Bildern - oft in dunklen Farben gehalten - zeigen die Schüler, welche Gefühle die Fahrt Ende Februar bei ihnen ausgelöst hat. Und auch welche Fragen ihnen seither durch den Kopf geistern bleibt nicht verborgen. "Wie können menschen zu solchen Grausamkeiten in der Lage sein?" Die Antwort darauf wollen sie dann aber lieber doch nicht wissen. Fest steht: So etwas darf nie wieder passieren! Und daher sollte sich eigentlich jeder mit dem Thema auseinandersetzen.

Kunstwerke in Form von Bildern, Texten, Filmen oder Ähnlichem


Schon seit einigen Jahren existiert an der Gesamtschule der Auschwitz Projektkurs mit dem Thema "Mit eigenen Augen sehen, wovon andere nur reden". Jedes Jahr fährt eine Gruppe von Schülern aus den Jahrgangsstufen zehn und zwölf im Rahmen einer einwöchigen Studienfahrt unter anderem zum Mahnmal nach Berlin und zum Konzentrationslager nach Auschwitz, um sich mit der Geschichte rund um die Verfolgung des Judentums zu befassen. "Dabei erhält jeder - sowohl Schüler als auch Eltern und Lehrer - einen neuen Blickwinkel auf diese Ereignisse", so Thomas Badstieber, verantwortlicher Lehrer. "Und alle Schüler verarbeiten die Fahrt auf eine andere Art und Weise." So entstanden die Kunstwerke in Form von Bildern, Texten, Filmen oder Ähnlichem.

Schüler sind selber zu Zeugen der Geschichte geworden


"Wir sind bei der Fahrt selbst zu einer Art usstellung der Gesamtschule und diese Erfahrungen und Eindrücke möchten wir nun mit jedem teilen", erläutert Senna Parlak, die sich mit Nina Grütz und Yanina Amend für die Ausstellung verantwortlich zeichnet. Die drei Schülerinnen der Jahrgangsstufe zwölf haben mit viel Engagement einen passenden Rahmen für die Kunstwerke ihrer Mitschüler geschaffen, die ohne Frage ein doch sehr bedrückendes Thema aufgreifen.
Einen Schwerpunkt stellt auch das Kalendarium des KZs dar. "Darin wurde jeden Tag festgehalten, was passiert ist", so Parlak, der bei der Eröffnungsrede Tränen über die Wange liefen. Neben Dankesworten an die Sponsoren, die diese Fahrt seit 2004 jedes Jahr möglich machen, las die Schülerin auch den Eintrag vom 20. Juni 1942 aus dem Kalendarium vor. Dabei wurde es mucksmäuschenstill - Schüler, Lehrer und weitere Besucher lauschten konzentriert ihren Worten.

Nachdem die Ausstellung nun im Beisein von Bürgermeister Dirk Lukrafka und Volker Münchow, SPD-Landtagsabgeordneter, in der Aula der Schule eröffnet wurde, wird sie ab sofort in der Schulbücherei zu besichtigen sein. "Wir hoffen, dass sie sich viele Interessierte anschauen", so Parlak. "Unser Leitmotto ,Wer die Vergangenheit nicht kennt, der ist dazu verdammt, sie zu wiederholen' haben wir schließlich nicht willkürlich ausgesucht."
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