Erntebilanz 2016: Landwirte der Region sprechen vom Hofsterben

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Was die Ernte des Jahres 2016 betrifft, können die Landwirte der Kreisbauernschaft Mettmann keine gute Bilanz ziehen.
 
Derzeit müssten eigentlich noch die Speisekartoffeln vom Feld geholt werden, aber auch das gestaltet sich als äußerst unbefriedigende Angelegenheit. Sie sind klein, wiegen weniger oder sind teilweise sogar noch grün und müssen komplett aussortiert werden.

Kreisbauernschaft Mettmann berichtet über die Erntesituation


"Mit schlechten Wetterbedingungen mussten wir Landwirte schon immer zurecht kommen, die schlechten politischen Voraussetzungen und Entscheidungen haben hingegen erst in den vergangenen Jahren zu vielen Problemen geführt", sagt Martin Dahlmann. Damit macht der Vorsitzende der Kreisbauernschaft Mettmann deutlich, dass die Landwirte der Region derzeit nicht nur mit der Ernte, sondern auch mit der Gesetzeslage mehr als unzufrieden sind.

Sie blicken auf eine durch sehr starke Niederschläge im Frühjahr und Frühsommer sowie eine oft durch ungünstige Erntebedingungen gekennzeichnete Erntezeit im Jahr 2016 zurück. "Vergangenes Jahr war es eher die Trockenheit, die uns zu schaffen machte. In diesem Jahr war es der Dauerregen", sagt Josef Aschenbroich, stellvertretender Vorsitzender. Die Aussaat Ende vergangenen Jahres lief noch unter guten Bedingungen und die Pflanzen konnten sich zunächst optimal entwickeln. Kein starker Frost im Winter und ein zunächst trockenes Frühjahr - das ließ sie optimistisch der Getreideernte entgegenblicken.

Ab Ende Mai sorgte Regen für durchnässte Flächen


Doch es kam leider anders: Ab Ende Mai sorgte Regen - teilweise Starkregen und Hagel - für durchnässte Flächen und einen überhöhten Krankheitsdruck auf den Feldern. "Im Juni allein hatten wir einen so hohen Niederschlag, wie sonst durchschnittlich in einem Vierteljahr", verdeutlicht Christian Benninghofen, Betreiber eines landwirtschaftlichen Familienbetriebes in Ratingen. "Anders als im trockenen Vorjahr, wo Lehmböden mit hoher Wasserhaltekraft gefragt waren, führten die hohen Niederschläge in 2016 zu Staunässe und hohen Ertragsdepressionen", führt Aschenbroich aus. "In den Sandböden konnte das Wasser allerdings besser abfließen, wodurch dort zum Teil vergleichsweise bessere Erträge möglich waren. Dennoch: Insgesamt fielen die Ernteergebnisse über zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab. "Und zusätzlich führten die vielen Niederschläge auch noch zu niedrigen Hektolitergewichten und zu schlechten Qualitäten durch Pilzbefall", so der stellvertretende Vorsitzende der Kreisbauernschaft. Dadurch sei eine Verwendung als Brotgetreide oft unmöglich gewesen. "Einige Partien waren selbst als Futtergetreide nicht zu verwenden."

Die finanzielle Lage in vielen Betrieben ist stark angespannt


Alles in allem sind die Landwirte der Kreisbauernschaft Mettmann sehr unzufrieden mit der Ernte, die finanzielle Lage in vielen Betrieben ist stark angespannt. Derzeit müssten eigentlich noch die Speisekartoffeln vom Feld geholt werden, aber auch das gestaltet sich als äußerst unbefriedigende Angelegenheit. "Normalerweise müssten wir um diese Jahreszeit schon rund 80 Prozent der Ernte eingefahren haben", sagt Christian Benninghofen. "Wegen der aktuellen Trockenheit können wir aber nicht gut roden und es liegen noch 80 Prozent auf dem Feld." Außerdem seien die Kartoffeln klein, wiegen weniger als sonst oder sind teilweise sogar noch grün und müssen komplett aussortiert werden.

Politik ist gefragt, ein Umdenken nötig


Was den Landwirten zusätzlich Sorgen bereitet, ist die politische Situation und der Anspruch der Verbraucher. "Regionale Produkte in hoher Qualität werden gewünscht - das ist gut und richtig", betont Martin Dahlmann. "Allerdings muss der Markt dann auch dafür hergerichtet werden", fordert der Vorsitzende. Was viele nicht wissen: Während die Produkte zwar regional erzeugt werden, wird dennoch global über die Preise entschieden. Das sorgt aktuell gerade bei den Milchpreisen für Frust bei den Landwirten, ist aber auch bei Getreide und Co. ein wichtiges Thema.
"Die Politik, die gerade betrieben wird, ist kontraproduktiv, gerade für kleinere Familienbetriebe." Um den angedachten Regelungen und Gesetzen gerecht zu werden, sind oft hohe Investitionen auf den Höfen nötig. Der daraus resultierende Ertrag für den Landwirt hingegen, wäre sehr überschaubar. "Viele Bauern kalkulieren, was sich womöglich lohnt beziehungsweise was zu riskant ist", weiß Dahlmann. "Das Ergebnis ist meistens bitter und unter anderem einer der Gründe für das Hofsterben."
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