Geschichte im Acker entdeckt

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Mit einer solchen Sonde untersuchen Marcel Harms (links) und Christian Agricola die niederbergischen Äcker auf verborgene Relikte der Vergangenheit. (Foto: Ulrich Bangert)
 
Beim "sondeln" finden Marcel Harms (links) und Christian Agricola keine Schätze, aber wertvolle Funde, die von den Archäologen des Landschaftverbandes Rheinland ausgewertet werden.

Marcel Harms und Christian Agricola sind mit Metallsonden unterwegs


Am Rande einer Fortbildung stellten die beiden hauptamtlichen Feuerwehrleute Marcel Harms und Christian Agricola fest, dass sie die gleichen Interessen haben. Der eine versieht seinen Dienst in Velbert, der andere in Hilden, beide eint sie das Interesse für die Spuren der Geschichte, die in den niederbergischen Äckern schlummern.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege spüren mit ihren Sonden Metall im Boden auf. Doch so einfach loslaufen und die „Schatzsuche“ beginnen, das geht nicht. „Wir brauchen die Genehmigung des Besitzers“, sagt Marcel Harms. Davor steht die Recherche in Büchern und Archiven, um zu ermitteln , wo etwas von Bedeutung vorhanden sein könnte. "Das Zeitfenster ist recht klein, meistens wird zwischen Ernte und der neuen Aussaat auf den Feldern ,gesondelt'.“

Siegelstempel aus dem 14. Jahrhundert


„Wenn das Gerät anschlägt, handelt es sich zu 90 Prozent um Alupapier von Zigarettenschachteln oder Flaschenkronkorken“, beschreibt Christian Agricola die Routine. Doch am 7. September gelang Marcel Harms ein besonderer Fund. „Ich dachte, dass sei ein Knopf. Erst beim Saubermachen mit Wasser bemerkte ich, dass es sich dabei um eine Petschaft handelt. Die muss einem Adeligen oder hohen Geistlichen gehört haben. Eine Petschaft war im Mittelalter so etwas wie ein Personalausweis, mit dem zum Beispiel der Verkauf von Grundstücken besiegelt wurde.“
Aufgrund der Form und Schriftart gehen die beiden Hobbyforscher davon aus, dass es sich um einen Siegelstempel aus dem 14. Jahrhundert handelt. „Eine Petschaft war für den Besitzer extrem wertvoll und wurde um den Hals getragen, wahrscheinlich hat er sie zu Lebzeiten verloren.“ Die genaue Bestimmung ist jetzt Sache der Archäologen des Römisch-Germanischen Museums in Köln.

Für die Feuerwehrleute ist das „sondeln“ ein schöner Ausgleich zum Beruf. Der älteste Fund ist rund 1200 Jahre alt und auf den ersten Blick völlig unscheinbar. Christian Agricola hält ein fingernagelgroßes, dunkles Metallteil hoch: „Eine Kreuzfibel, vergleichbar mit einer Brosche, mit der im 8. und 9. Jahrhundert Gewänder zusammengehalten wurden.“ In der Vergangenheit saß den Menschen das Geld locker in der Tasche, gefunden wurden neben zwei Stübern auch viele andere Münzen, darunter die harte D-Mark. Spuren des Dreißigjährigen Krieges sind immer noch vorhanden, angefangen vom Musketenabzug bis hin zu jeder Menge Bleikugeln. Entdeckt wurden auch Taschenmesser aus dem Zweiten Weltkrieg und Bestecke. Die gesammelten Fundstücke schicken die Freizeitforscher zur Auswertung zu einer Außenstelle des LVR in Overath. Dort weiß man die Erfahrungen der Sondengänger zu schätzen und fordert sie bei Grabungen an: „So haben wir drei Tage ein Römerfeld bei Duisburg untersucht.“

Wer weiß, wo hier in der Gegend noch Spuren der Geschichte im Boden vorhandenen sein könnten, kann sich unter der E-Mail-Adresse ehrenamt-sondeln@web.de melden.
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