„Manchmal war es ein Drahtseilakt!“

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Ein letztes Mal an seinem Schreibtisch: Der ehemalige Schulleiter des NEG, Werner Schuhmacher-Conrad.
Velbert: Nikolaus-Ehlen-Gymnasium | Im Februar 1995 wurde Werner Schuhmacher-Conrad stellvertretender Schulleiter des Nikolaus- Ehlen-Gymnasiums. Seit 2001 war er dort Schulleiter. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet. Einen Blick zurück warf er im Gespräch mit Stadtanzeiger-Mitarbeiterin Astrid von Lauff.


Herr Schuhmacher-Conrad, dies ist Ihr letzter Arbeitstag in diesem ehrwürdigen Gemäuer des Nikolaus-Ehlen-Gymnasiums. Wie fühlen Sie sich? Gut. Ich werde bald 65 Jahre alt und es gibt viele Dinge, die ich in den vergangenen Jahren liegen lassen musste. Jetzt habe ich Zeit dafür. Unter anderem gehört da sicherlich auch eine Reise in die USA dazu.

Bei einem Blick zurück - wo lagen für Sie die größten Herausforderungen als Schulleiter und als Lehrer? Die Anforderungen an das Lehrpersonal haben sich in den vergangenen Jahren stetig verändert. Lehrer müssen viel mehr erzieherisch tätig sein. Dazu kommen vermehrt Aufgaben wie die Berufsorientierung, Lernstandserhebungen und soziale Projekte. Das alles ist wichtig und will betreut sein. Dabei muss aber der Fachunterricht seinen Stellenwert behalten. Der Praxisbezug an Schulen ist wichtiger geworden, wenngleich meiner Meinung nach nicht alles Aufgabe der Schule sein kann. Wir vermitteln Allgemeinbildung - Banküberweisungen oder Steuererklärungen gehören nicht dazu.

Und Ihre Erfahrungen als Schulleiter? Hier war meine größte Herausforderung die Umstellung von G9 auf G8. Besonders in den Anfängen. Es gab keine Lehrpläne, keine Bücher, der Ganztag musste eingerichtet werden, da war Improvisationstalent gefragt. Bei allen. Und G8 ist auch heute noch nicht erfolgreich beendet. Es muss sukzessive weiterentwickelt werden. Den Weg zurück finde ich verkehrt. Nicht alles ist G8 schuld.

Was hat Ihnen während Ihrer Laufbahn am meisten Freude bereitet? Es wurde nie langweilig. Nicht als Lehrer und auch nicht als Schulleiter. Man arbeitet eng mit seinen Kollegen zusammen, setzt sich mit jungen Menschen auseinander, mit Eltern und oft auch mit vorgesetzten Behörden. Man muss versuchen, allem gerecht zu werden. Das ist manchmal ein Drahtseilakt - und darin liegt die Herausforderung.

Was würden Sie gerne Ihrem Nachfolger mit auf den Weg geben? Als Mathematik- und Physiklehrer liegt mir sehr am Herzen, dass wir ein aturwissenschaftsfreundliches Gymnasium bleiben. Wir bieten in Kooperation mit dem Geschwister Scholl-Gymnasium Leistungskurse in Physik und Chemie. Ich würde mich freuen, wenn dieser Stellenwert erhalten bliebe bzw. ausgebaut würde.
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