Wenn die Sucht das Leben bestimmt…

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Sabine Marquadt, Beraterin der Fachstelle Sucht, führt mit Betroffenen Einzelgespräche und leitet zudem auch jede Woche die Frauengruppe.
Alkohol, Medikamente, das Internet - es gibt vieles, wonach man süchtig werden kann. Auch Essstörungen oder ein regelmäßiger Kaufrausch zählen dazu. Suchterkrankungen sind für viele Frauen eine scheinbare Brücke, um den Alltag zu bestehen.

Betroffenen fällt es schwer, darüber zu reden, noch schwerer ist es, sich das Problem überhaupt einzugestehen. Das wissen auch die Beraterinnen der Fachstelle Sucht in den Sozialen Diensten Niederberg der Bergischen Diakonie. Daher bieten sie für die Region Velbert und Heiligenhaus spezielle Beratungs- und Therapiemöglichkeiten für Frauen an. "Neben Einzelgesprächen findet bei uns auch jede Woche eine Frauengruppe statt, in der süchtige und suchtgefährdete Frauen Gehör finden", so Sabine Marquadt, Beraterin der Fachstelle Sucht. "Ohne dass ein Mann zugegen ist, können sie über ihre Gefühle sprechen und finden bei den anderen Teilnehmerinnen einen wichtigen Halt."

Eine Velberterin, die dies bestätigen kann, ist Frau M. Der Tod ihres Mannes vor mehreren Jahren, ein Auf und Ab im Berufsleben, gesundheitliche Probleme eines nahen Verwandten und die Erziehung der beiden Kinder hatte sie alleine zu bewältigen. Ein Gläschen Wein am Abend half ihr dabei dies irgendwie zu verkraften, schließlich brauchte sie zwei Gläser, dann eine Flasche...Langsam, in einem schleichenden Prozess, wurde der Alkohol unverzichtbar. "Das ging über sieben Jahre so, bis mich meine Kinder schließlich dabei erwischten", erinnert sie sich. Ohne groß zu zögern brachten sie ihre Mutter damals ins Krankenhaus, übten auch Druck aus und Frau M. gestand sich ein: "Ich bin eine Alkoholikerin, ich habe ein Problem und ich brauche Hilfe!"
Einzelgespräche bei Judith Ortmann, Leiterin der Fachstelle Sucht in den Sozialen Diensten Niederberg, eine dreimonatige Entwöhnung und auch die Teilnahme an dem Gruppenangebot für Frauen folgten. "Obwohl es unterschiedliche Suchtmittel sind und wir in unterschiedlichen Lebensabschnitten stecken, haben wir eine gemeinsame Basis", so Frau M. "Es gibt etwas, das uns bewegt, wir fühlen uns einsam oder überfordert und wir haben mit Hilfe von Alkohol, Medikamenten oder anderem eine Fluchtmöglichkeit gesucht."

In der Gruppe wird unter Seinesgleichen über Gefühle, Ängste und Sorgen gesprochen. "Beginn und Ende ist immer das sogenannte ,Blitzlicht'", erläutert Sabine Marquadt, die sich jede Woche eineinhalb Stunden mit den rund sieben Frauen zusammensetzt. "Dabei erzählt jeder kurz, wie es ihm geht beziehungsweise, wie er sich nach der Gesprächsrunde fühlt." Einmal im Monat wird außerdem zusammen gefrühstückt, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken. "Für mich ist die Frauengruppe ein fester Bestandteil, auf den ich nicht mehr verzichten möchte", sagt Frau M., die weiß, dass sie immer gefährdet bleiben wird, wieder mit dem Trinken anzufangen. "Jetzt verheimliche ich das aber nicht mehr, mein Umfeld weiß Bescheid."

Finanziert wird die Beratungs- und Motivations-Gruppe durch Kreis- und Landesmittel sowie durch einen Teil des Trägers, also die Bergische Diakonie. "Für die Teilnehmerinnen entstehen keine Kosten", informiert Ortmann. Auch für Männer gebe es eine solche Gruppe. "Sie besteht, ebenso wie das Angebot für Frauen, seit über 16 Jahren." Wer ebenfalls Hilfe benötigt - egal ob Mann oder Frau - kann sich an die Fachstelle Sucht wenden und einen Beratungstermin vereinbaren, Tel. 02051/952252.
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