Wald, Wiesen, Wurzelland: Wald-Kiga feiert 10. Geburtstag

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  Velbert: Bernsmühle |

Seit zehn Jahren gibt es den Wald-Kindergarten „Wurzelland“ in Velbert. Im exklusiven Stadtanzeiger-Interview erzählt Leiterin Reinhild Gusy, was diese Einrichtung ausmacht.

Frau Gusy, seit sieben Jahren leiten Sie schon den Kindergarten. Was ist das Besondere an dem Konzept?
Alles, was wir machen, machen wir draußen, egal ob es schneit, regnet oder die Sonne scheint. Familien, die ihre Kinder zu uns bringen, entscheiden sich bewusst für einen Kindergarten ohne Spielzeug und Türen. Im Gegensatz zu anderen Einrichtungen müssen wir auf die wechselhaften Bedingungen draußen reagieren. Ansonsten ist auch unser Ziel die Förderung von Motorik und Gesundheit, von Sprache und Fantasie sowie von sozialem Miteinander. Darüber hinaus legen wir natürlich auch Wert auf Umweltbildung.

Wissen Sie, wie damals die Idee entstand, in Velbert einen Waldkindergarten zu eröffnen?
Karen Schemken lernte damals einen Waldkindergarten in Süddeutschland kennen und war so begeistert, dass sie hier in Velbert andere Familien von dem Konzept überzeugte. Zusammen fand man in Kolping-Kindertagesstätten Velbert einen Träger. Mit vereinten Kräften konnten Politik und Verwaltung überzeugt werden, auch der Förster stieg mit ein. Ein Bauwagen wurde umgebaut, angestrichen und zur Bernsmühle gebracht. Die Betriebserlaubnis wurde 2004 erteilt und das erste Team mit 15 Kindern startete.

Was hat sich in den vergangenen zehn Jahren verändert?

Nicht viel, auch in der heutigen schnelllebigen Zeit funktioniert das Konzept nach wie vor. Inzwischen sind es 20 Kinder zwischen drei und sechs Jahren, die wochentags von 8 bis 13.30 Uhr betreut werden.

Inwiefern gelten für einen Waldkindergarten andere Bestimmungen?

Natürlich sind die Bestimmungen für einen Waldkindergarten etwas modifiziert. Wir haben an der Bernsmühle aber auch einen Waschraum für Kinder einrichten müssen. Außerdem gibt es eine mobile Waschstation, die wir im Wald aufhängen, wenn wir dort unterwegs sind und auch Desinfektionsspray muss immer dabei sein. Ansonsten sind es Anforderungen, wie sie heute an alle Kindertagesstätten gestellt werden.

Welche Vorurteile bekommen Sie meist von Eltern mit?
Viele glauben leider, dass ein Waldkindergarten weniger gut auf die Schule vorbereitet. Das stimmt natürlich nicht. Auch wir haben einen Bildungsauftrag, den wir sehr ernst nehmen. Wir bieten Projekte an, überlegen uns genau, was wir den Kindern vermitteln und vor allem wie es sich vermitteln lässt. Die Bildungsarbeit wird mit dem Ziel durchgeführt, Kinder für die Schule und das Leben stark zu machen, nur arbeiten wir mit anderen Materialien.

Welche Materialien sind das?
Wir sitzen lieber auf Baumstämmen als auf Stühlen und gestalten unsere Kunstwerke lieber aus Lehm und Ästen als aus Wasserfarbe. Natürlich kommen auch Papier und Stifte zum Einsatz, allerdings sitzen wir dann unter Bäumen im Wald und nicht in einem Gruppenraum. Auch Seile und Werkzeuge benötigen wir. Und natürlich wird aus vielen Büchern vorgelesen.

Welche Eltern interessieren sich bevorzugt für den Waldkindergarten?

Es ist tatsächlich so, dass die meisten Eltern, die mit ihren Kindern zu uns kommen, selber in der Nähe eines Waldes aufgewachsen sind und daher gut einschätzen können, welche Möglichkeiten ein Wald als Spielraum bietet. Oder es sind Eltern, die sehr naturverbunden sind und sich viel im Freien bewegen.
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