Die Wirtschaft als Feindbild?

Vorab dies: Ich bin keiner Partei zugehörig – weder der CDU, der FDP oder sonst einer Partei, die weiter rechts als die SPD und erst recht weniger links als Die Linke eingeordnet wird. Mir erscheint es sinnvoll, dieses vorwegzuschicken, denn ich bin mir ziemlich sicher, dass nach diesem Beitrag etliche Kommentare erscheinen werden, die mir eine entsprechende Parteizugehörigkeit unterstellen.

Auf der Plattform des Lokalkompass erscheinen auch viele Beiträge politischen Inhalts. Oftmals haben diese Themen wie die soziale Gerechtigkeit zum Gegenstand. Meinungsäußerer, die einen Mangel an sozialer Gerechtigkeit in Deutschland teilweise vehement anprangern, sehen als eine primäre Ursache dieser vermeintlichen Ungerechtigkeit oft „die Wirtschaft“ an. Diese wird geradezu zu einem Feindbild erhoben, so zumindest mein Eindruck. Und jeder, der mit diesem „Feind“ (angeblich) sympathisiert, gilt es zu bekämpfen und wird auch regelrecht beschimpft. Ich könnte auf diverse Beiträge hinweisen, in denen genau dieses geschieht.

Aber ist es wirklich so? Ist „die Wirtschaft“ DAS Feindbild einer sozial gerechten Gesellschaft? Gilt es, gegen „die Wirtschaft“ vorzugehen, denn nur so besteht die Möglichkeit, ein Mehr an sozialer Gerechtigkeit zu erreichen? Und stimmt es wirklich, dass soziale Gerechtigkeit und eine unangetastete Wirtschaft nicht in friedlicher Koexistenz nebeneinander bestehen können?

Und nun zu meiner – vollkommen unbedeutenden – Meinung, die (trotz ihrer Unbedeutsamkeit) höchstwahrscheinlich zahlreiche Kommentare herbeibringen wird. Kommentare, die Unverständnis zum Ausdruck bringen werden. Kommentare, die mir unterstellen werden, ich sei weltfremd und hätte von dem tatsächlichen Zustand der deutschen Gesellschaft keine Ahnung und von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen per se nicht.
Nun ja….vielleicht waren die Professoren der Volkswirtschaft, deren Vorlesungen ich über viele Jahre besucht haben, ja auch in der Tat alle unwissend und fehlgeleitet. Wenn dem so sein sollte, habe ich wahrscheinlich wirklich keine Ahnung von der Funktionsweise von Märkten in einer globalen Welt.

Denn genau hierum geht es – und genau das ist es, was von den Meinungsträgern, die „die Wirtschaft“ als das große Übel und Wurzel sozialer Ungerechtigkeit ansehen, vollkommen außer Acht gelassen wird:

Wir leben in Deutschland nicht auf einem nach außen abgeschotteten, in sich autarken Mikrokosmos. Wir alle leben inzwischen in einer globalen Welt. Diese globale Welt stellt die Rahmenbedingungen unserer Existenz dar und ist der Markt, auf dem es zu wirtschaften gilt.

Zunächst einmal aber zu der Wirtschaft selber:
Was wird eigentlich unter der „Wirtschaft“ verstanden, gegen die von Personen linksgerichteter Gesinnung oftmals heftig angegangen wird? Der Kioskhändler an der Ecke? Der Imbissbudenbetreiber? Der kleine Metall verarbeitende Betrieb mit vielleicht 10 Mitarbeitern? Das mittelständische Unternehmen mit 500 Mitarbeitern? Das Großunternehmen mit 5.000 Mitarbeitern? Banken und Sparkassen?

Gegen wen oder was wird gewettert, wenn die „Wirtschaft“ als Verhinderer sozialer Gerechtigkeit angeprangert wird? Alle vorstehend benannten Akteure zählen zur Wirtschaft!
Und auch soziale Einrichtungen – sei es das Rote Kreuz, die Caritas oder wer auch immer – sind Akteure der Wirtschaft. Denn alle müssen wirtschaftlich handeln.

Ergo: „DIE Wirtschaft“ gibt es also nicht!

Vielleicht ist ja auch nicht unbedingt die Wirtschaft gemeint, sondern „die Arbeitgeberseite“. Möglicherweise sind es ja „die Arbeitgeber“, die soziale Gerechtigkeit verhindern?

Ist das denn wirklich richtig?

Ohne Arbeitgeber, also Unternehmen unterschiedlichster Größe, gibt es keine Arbeitnehmer. Ohne Arbeitgeber hätte kein Arbeitnehmer die Möglichkeit, ein monatliches Gehalt zu erhalten. Ein fehlendes Gehalt würde die eigene wirtschaftliche Situation sicherlich nicht positiv beeinflussen.
Somit muss man zunächst einmal festhalten: Nur aufgrund der Wirtschaft – verstanden als Summe arbeitgebender Unternehmen – verfügen überhaupt erst sehr viele Menschen über ihr monatliches Gehalt. Da dieses Basis der eigenen Existenzgrundlage ist, wäre es unsozial, gegen die Wirtschaft im Ganzen vorzugehen und dadurch möglicherweise die Existenzgrundlage unzähliger Haushalte zu gefährden.

Grundsätzlich kann man nämlich festhalten: Es gibt keine sozialere Einrichtung als ein arbeitgebendes Unternehmen. Denn dieses bietet die Chance und ist erst die Grundlage, durch ein regelmäßiges Einkommen ein eigenständiges Leben zu führen.

Und eben aus diesem Grunde ist vollkommen falsch, gegen arbeitgebende Unternehmen und somit „die Wirtschaft“ pauschal und undifferenziert als „blutsaugende Monster“ anzuschreien, die es zu beschränken gilt. Wer das tut, ist eben weit davon entfernt, tatsächlich für soziale Gerechtigkeit einzutreten. Vielmehr riskieren solche Gedanken ein nochmals weiter ansteigendes Armutsniveau.

Nur, wenn die Wirtschaft „funktioniert“, können viele Menschen der Armut entkommen. Wer die Wirtschaft in Gänze beschränken und ihr flächendeckend Restriktionen auferlegen möchte, ist hinterher gerade mit verantwortlich, wenn Arbeitnehmern ihre Existenzgrundlage genommen wird.

Würde ein solches Vorgehen wirklich zu sozialer Gerechtigkeit führen? Nun – dann wären noch größere Bevölkerungsteile arm und somit wirtschaftlich gleichgestellt. Aber ich glaube nicht, dass ein solcher Zustand tatsächlich von den Klägern mangelnder sozialer Gerechtigkeit gewünscht ist, oder?

Und da eben arbeitgebende Unternehmen zunächst einmal als ausgesprochen soziale Institutionen anzusehen sind, spricht auch nichts dagegen, wenn sie aus politischer Richtung Unterstützung erfahren und geschützt werden. Denn dieses ist ein weiterer Beitrag, um die Existenzgrundlage in Form eines monatlichen Einkommens vieler Millionen Menschen zu schützen. Aus diesem Grund ist es auch vollkommen falsch, generell gegen Parteien oder einzelne Politiker zu klagen, die eine vermeintlich wirtschaftsfreundliche Politik betreiben. Dabei können diese Parteien und Politiker gerade eben die soziale Gerechtigkeit verfolgen.

Auch muss man sich bewusst machen, dass Transferleistungen, deren deutliche Erhöhung stets von den Personen eingefordert wird, die einen Abbau sozialer Ungerechtigkeit einfordern, erst durch Unternehmen ermöglicht werden. Wo kommt denn das Geld für Hartz IV her? Es muss erwirtschaftet werden. Unternehmen erzielen Gewinne und müssen dafür Steuern zahlen. Arbeitnehmer erhalten dank der Unternehmen ein Einkommen – und müssen darauf Steuern zahlen. Dadurch stehen überhaupt erst Gelder zur Verfügung, um staatliche Unterstützung zu ermöglichen! Keine funktionierende Wirtschaft bedeutet auch kein Kapital für staatliche Unterstützung! Ein Grund mehr, nicht pauschal und undifferenziert gegen „die Wirtschaft“ vorzugehen – gerade im Interesse sozialer Gerechtigkeit!
Die arbeitgebenden Unternehmen sind die Basis des Einkommens des Arbeitnehmers und Basis des Einkommens des Staats.

Diese Aussagen mögen bei Links denkenden Personen wie der blanke Hohn und Zynismus wirken. Aber letztlich ist es so und ist so festzuhalten: Nur wenn es arbeitgebende Unternehmen in Deutschland gibt, verfügen viele Menschen in Deutschland über ein Einkommen. Dieses ist Grundlage, um der Armut zu entfliehen. Und deshalb gilt es, Unternehmen in Deutschland zu halten und ihnen die Möglichkeit zu geben, jeden Monat Millionen Bürgern Gehälter zu überweisen.

Aber: Auch ich propagiere nicht eine komplett ungezügelte Wirtschaft!
Es gibt Grenzen, die einzuhalten sind. Und es obliegt der Politik, gewisse Grenzen aufzuzeigen und auf ihre Einhaltung zu achten!

Wenn Unternehmen tatsächlich so agieren, dass sie ihren Mitarbeitern trotz einer 7-Tage-Woche mit 80 Wochenarbeitsstunden kein Gehalt zahlen, welches diesen ein selbstbestimmtes Leben ohne zusätzliche staatliche Unterstützung ermöglicht, die Unternehmen gleichzeitig immer reicher werden, so ist auch für mich eine Grenze überschritten. Denn dann bin auch ich der Meinung, dass DIESES Unternehmen nicht mehr als soziale Institution verstanden werden kann. Hier ist dann eine Grenze deutlich überschritten und in diesem Fall gilt es in der Tat, seitens der Politik Restriktionen aufzuerlegen! Keinesfalls bin ich ein Befürworter von Ausbeutung!

Mit den Restriktionen und politischen Vorgaben ist das allerdings so eine Sache – und nun kommt eben zum Tragen, dass wir nicht in einem isolierten Mikrokosmos, sondern in einer globalen Welt leben:
Sind die einseitig – also nur in Deutschland und nicht in der gesamten Welt – den Unternehmen auferlegten Restriktionen zu hoch bzw. zu einschneidend, so haben Unternehmen heutzutage die Möglichkeit ihren Geschäftssitz jederzeit in Ausland und somit in ein Land zu verlagern, in dem diese Restriktionen eben nicht gegeben sind.
Erlässt man derartig einschneidende Restriktionen gegen „die Wirtschaft“ in Gänze – und eben nicht nur gegen Unternehmen, die meinen, moderne Sklaverei betreiben zu müssen – so werden auch zahlreiche Unternehmen ihren Geschäftssitz verlagern, die bis dato ihren Mitarbeitern ein zufriedenstellendes Arbeitsumfeld und eben ein akzeptables Einkommen ermöglicht haben.
Das kann von niemandem wirklich angestrebt werden!

Und aus diesem Grund:
Es ist richtig, darauf zu achten und dagegen vorzugehen, wenn Unternehmen aus Habgier Grenzen überschreiten.
Es ist falsch, Restriktionen gegen „die Wirtschaft“ im Allgemeinen zu verhängen und dadurch zu riskieren oder sogar zu verantworten, dass auch verantwortungsvoll agierende Unternehmen ins Ausland abwandern!

Das ist meine Meinung und meine Überzeugung!

Ich billige Jedem eine andere Meinung zu, man wird aber akzeptieren müssen, dass ich bei dieser Meinung bleibe!

Autor:

Mila Steffens aus Velbert

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r

59 Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.