Hertie: In letzter Sekunde gezahlt

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  Velbert: Friedrichstraße |

Donnerstagmorgen, Amtsgericht Velbert: „Die Zwangsversteigerung findet nicht statt“, sagt der Beamte. Die Nachricht verbreitet sich wie ein Lauffeuer in der Stadt: Hertie kommt nicht unter den Hammer!

Einen Tag vor dem Termin hat der Grundschuldgläubiger der ehemaligen Firma Hertie die Forderungen der Stadt Velbert und der Technischen Betriebe beglichen - inklusive Gerichtskosten rund 500.000 Euro. Wer die Überweisung getätigt hat, dazu „können wir aus Steuergeheimnisgründen nichts sagen“, so Stadt-Pressesprecher Hans-Joachim Blißenbach auf Anfrage des Stadtanzeigers.
Die Stadtkasse als Vollstreckungsbehörde hat nach Zahlungseingang das Zwangsversteigerungsverfahren aufgehoben.

Was bedeutet das
für die Zukunft?


Wilfried Löbbert, Leiter der Wirtschaftsförderung, wertet die Zahlung positiv: „Offensichtlich verspricht sich der Besitzer der Hertie-Immobilie, das Gebäude freihändig verkaufen zu können“, ließ er durch Blißenbach ausrichten. Die Stadt sei bestrebt, das Gelände planerisch zu entwickeln und habe dies bereits auf den Weg gebracht. So solle Einzelhandelsfläche zugunsten von Wohnen und Dienstleistungen zurückgenommen werden. Aufgabe der Wirtschaftsförderung sei es nun, interessierte Investoren und Gläubiger zusammenzubringen.

Was sagt der Vermarkter der Immobilie?


„Wir wollten Herr des Verfahrens bleiben“, begründet Sebastian Mogos-Lindemann von CR Management in Berlin die späte Zahlung. „Wir wollten nicht, dass das Haus für einen symbolischen Betrag den Besitzer wechselt.“ Es gebe zurzeit direkte Verhandlungen mit Interessenten, bezüglich eines Verkaufs sehe er positiv in die Zukunft. Aber: „Das größte Problem in Velbert waren und sind die Erbbaurechte.“ Das heißt: kleine Teilgrundstücke, auf denen Hertie steht, gehören Dritten, die - vertraglich geregelt - gegen Zahlung eines regelmäßigen Entgeltes (des sogenannten Erbbauzinses) ermöglichen, ein Bauwerk zu errichten oder zu unterhalten. „Die Erbbaurechte müssen aufgelöst werden“, beschreibt Mogos-Lindemann eine oft gehörte Forderung von Investoren.

Was sagt ein Kauf-Interessent?


Doguhan Tokat von der Düsseldorfer Immobilienfirma CFI Real Estate hatte Anfang August öffentlich sein großes Interesse an der Immobilie bekundet. Er war bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Blick in andere Städte


Immer wieder kommt es zu Zahlungen des Schuldners bzw. eines Grundschuldgläubigers (in anderen Städten die Deutsche Bank London) kurz vor der Zwangsversteigerung. So geschehen unter anderem in Delmenhorst, Neustadt an der Weinstraße und in Gladbeck. Bereits vier Zwangsversteigerungstermine waren in Gladbeck angesetzt, berichtet Stadt-Pressesprecher Peter Bresser-Barnebeck. Zweimal hatte der Hauptgläubiger, die Deutsche Bank, kurz vor dem Termin die Forderungen der Stadt beglichen. Aber: Zum Verkauf ist es bislang nicht gekommen, das Gebäude steht weiter leer. „Uns wurde von Seiten des Vermarkters mitgeteilt, es gebe erfolgsversprechende Gespräche.“
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