Kommentar zur Erhöhung der Kita-Gebühren: Velbert familienfreundlich? So nicht!

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Von Miriam Dabitsch
Velbert: Rathaus |

In diesen Tagen durften sich viele Eltern aus Velbert über Post des Bürgermeisters „freuen“. Darin wird ihnen mitgeteilt, dass ab 1. August die Elternbeiträge für die Betreuung in einer Kindertagesstätte sowie in der Kindertagespflege steigen. Acht Prozent mehr werden pro Monat fällig – auf einen Schlag eine ordentliche Steigerung!

Bei Gebühren bis zu 364 Euro pro Monat (alt) beziehungsweise ab August 393 Euro wird das eine oder andere Elternteil doch zu schlucken beginnen. Zumal die Verpflegung des Kindes noch obendrauf kommt. Da beginnen sicher beim einen oder anderen die Rechenbeispiele im Kopf: Lohnt es überhaupt noch, dass zum Beispiel die Mutter in Teilzeit arbeiten geht? Steuerklasse V, wenn der Mann der Hauptverdiener ist, und vom ohnehin recht kläglichen Netto fällt noch mal – je nach Jahreseinkommen der Familie und der Betreuungsstunden in der Kita – eine beachtliche Summe weg.

Warum zahlen Geringsverdiener nichts?


Ins Grübeln kommen wohl auch Geringverdiener mit einem Jahreseinkommen knapp über 15.000 Euro. Dies ist die magische Grenze oberhalb des Nulltarifs. Wer bis zu 15.000 Euro im Jahr zur Verfügung hat, zahlt nämlich nichts für die Kinderbetreuung. Aber warum eigentlich „nichts“? Muss den wirtschaftlich Schwachen die Betreuung wirklich geschenkt werden? Warum wird von ihnen nicht ein kleiner Obolus verlangt? Aus meiner Sicht wäre das gegenüber dem Arbeitenden mit nur geringen Mehreinnahmen, zum Beispiel 16.000 Euro im Jahr, viel gerechter. Der muss für die Betreuung seines Kindes bis zu 50 Euro pro Monat hinblättern – per anno 600 Euro mehr als der, der unter der 15.000-Euro-Grenze liegt.

Warum wurden keine weiteren Gehaltsstufen eingeführt?


Nicht gerade gerecht geht es auch in den oberen Gehaltsstufen zu. Die Obergrenze von 80.000 Euro Jahreseinkommen bleibt in der neuen Beitragstabelle unangetastet. Wer mehr verdient, zahlt den Höchstsatz. Ganz egal, wie viel mehr er verdient. Dass einer Familie mit 81.000 Euro der Kita-Beitrag mehr weh tut als einer mit 150.000 Euro, kann man sich leicht vorstellen. Warum wurden in Velbert nicht, wie zum Beispiel in Dortmund mit der Obergrenze von 150.000 Euro, weitere Stufen eingeführt? Dies hätte zusätzliche Mehreinnahmen für die klamme Stadtkasse bedeutet – und ein bisschen mehr Gerechtigkeit für die Eltern.

Grenzen abschaffen!


Am gerechtesten wäre ohnehin, diese Grenzen komplett abzuschaffen. Jede Familie müsste einen Einkommensnachweis erbringen und davon – beispielsweise – fünf Prozent für die Kinderbetreuung bezahlen. In der Feinjustierung könnte man darüber nachdenken, diesen prozentualen Betrag bei Geringverdienern vielleicht noch niedriger zu gestalten.
Es ist nicht zu bestreiten, dass es in NRW durchaus Städte gibt, in denen die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung noch teurer sind. Allerdings geht der Trend in den vergangenen Jahren eher zur Entlastung der Eltern statt zu einer weiteren Belastung. Über den alten Slogan „Velbert – die familienfreundliche Stadt“ jedenfalls können Velberter Eltern nur noch müde lächeln.
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1 Kommentar
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Michael Alfermann aus Essen-Ruhr | 20.07.2016 | 21:14  
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