Machtwechsel im Land wurde in den Rathäusern verfolgt

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Im Rathaus wurden die eintrudelnden Ergebnisse der Landtagswahl aufmerksam verfolgt und diskutiert. (Foto: Ulrich Bangert)
 
Auf mehreren Leinwänden verfolgten die Besucher im großen Sitzungssaal des Rathauses die Ergebnisse aus den einzelnen Stimmbezirken.

Am Wahlabend wurde nach den Gründen für Sieg und Niederlage gesucht

Wo sonst die Räte tagen, wurde am Sonntagabend der Ausgang der Landtagswahl verfolgt. Eine Dreiviertelstunde nach Schließung der Wahllokale lagen noch keine Ergebnisse aus den einzelnen Heiligenhauser Wahllokalen vor, aber durch das Fernsehen wurden die Anwesenden auf dem Laufenden gehalten.

Spätestens als „Landesmutter“ Hannelore Kraft an diesem Muttertag von allen Ämtern zurücktrat, wurde den Heiligenhauser SPD-Mitgliedern das ganze Ausmaß der Niederlage deutlich. „Der CDU ist es gelungen, eine Negativstimmung über Stau, Innere Sicherheit und Schule zu erzeugen“, analysiert Ingmar Janssen. „Ich sehe das sachlich anders“, fügte er hinzu. Da die Sitzungsverteilung wegen des Abschneidens der Linken zunächst nicht klar war, hoffte der SPD-Vorsitzende, dass es nicht zu einer großen Koalition kommt. „Für die Demokratie brauchen wir eine große Opposition.“

Für den Heiligenhauser CDU-Chef Jürgen Rolf Braun kam der Zugewinn seiner Partei nicht überraschend. „Wir haben an den Wahlständen immer wieder die Wechselstimmung gespürt. Außerdem fehlten der SPD die richtigen Themen, schließlich stellt sie seit 1966 mit einer Unterbrechung die Regierung im Land.“

Sehr zufrieden zeigte sich der FDP-Wahlkreiskandidat Sebastian Höing: „Unser Hauptziel war es, drittstärkste Kraft zu werden.“ An einem Wahlsieg des Direktkandidaten Dr. Jan Heinisch hatte niemand ernsthaft gezweifelt. Als der nun scheidende Heiligenhauser Bürgermeister von der CDU-Wahlparty in Ratingen im Rathaus erschien, wurde er von seinen Anhängern gefeiert, die politischen Gegner gratulierten mit demokratischem Anstand.

Im Velberter Rathaus herrschte nicht so eine Partystimmung, aufmerksam wurden die TV-Übertragungen und gleichzeitig die Ergebnisse aus den drei Stadtteilen verfolgt. Erwartungsgemäß lag der SPD-Kandidat Volker Münchow in „seinem“ Langenberg vorne, in Velbert-Mitte war der Vorsprung schon kleiner und die Nevigeser votierten in der Mehrheit für den ehemaligen Tönisheider Martin Sträßer, der nun in Wülfrath lebt und dem im zweiten Anlauf der Einzug in den Landtag gelang.

„Ich glaube, dass der Wechsel gewollt wurde“, so der Nevigeser CDU-Vorsitzende Stefan Ludwig. „Die Innere Sicherheit war ein Riesenthema.“ FDP-Mann Thorsten Hilgers spürte immer wieder eine hohe Zustimmung zu den Themen seiner Partei, die in Velbert im Landesdurchschnitt abschnitt, was er als einen Erfolg bezeichnete, weil sonst die Liberalen hier eher geschwächelt hatten.

Volker Münchow hatte von Anfang an gewusst, dass es für ihn knapp werden würde, deshalb hatte er mit seinem Team alles getan, was möglich war. Im „Thomas Carree“ verfolgten er und sein Wahlkampfteam die eintrudelnden Ergebnisse. In Velbert lag der Sozialdemokrat vorne, aber in Wülfrath und im Mettmanner Norden war der Vorsprung für den Unions-Kandidaten Martin Sträßer deutlich ausgeprägter. „Ich hoffe, er macht eine gute Politik und schafft genauso viele Millionen nach Velbert wie ich es gemacht habe.“ Wie die berufliche Zukunft aussieht, wusste der zweite stellvertretende Velberter Bürgermeister am Wahlabend noch nicht: „Einen Plan B habe ich nicht in der Tasche.“
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Michael Fischer aus Velbert-Neviges | 16.05.2017 | 14:21  
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