Den Beschluss der Gläubiger hinzunehmen, die Schlecker Drogerien abzuwickeln, ist tief beschämend. Für Fehlentscheidungen aus Wirtschaft und Politik müssen jetzt bundesweit 25.000 Schlecker-Beschäftigte gehen. Zum größten Teil Frauen, darunter zahlreiche Ältere und Alleinerziehende.
Viel. Zum Beispiel ist die Politik dafür verantwortlich, die Rahmenbedingungen zu schaffen, unter denen die Wirtschaft arbeitet. Die Politik kann auch Lösungsansätze für gefährdete Unternehmen unterstützen, sofern das im Interesse des Allgemeinwohls liegt.
Außerdem ist es Aufgabe der Politik, Menschen zu helfen, die aufgrund wirtschaftlicher Fehlentwicklungen in Not geraten.
Wenn man schon davon spricht, dass es eine "soziale Marktwirtschaft" sei, dann sollte der Staat seine Aufgabe als Korrektiv des Marktes schon ernst nehmen.
Es ist nicht Aufgabe staatlichen Handelns konkurse Unternehmen zu retten, die durch schlechtes Management zerstört wurden.
Für das Format Schlecker, nämlich überwiegend kleine Drogeriemärkte mit sehr zahlreichen Filialen, die sich gegenseitig Konkurrenz machen, gab es seit Jahren kein erfolgreiches Geschäftsmodell mehr.
Meine Familie hörte auf dort zu kaufen, nachdem die ungeheuren Verfehlungen im Personal-Management zu Tage kamen. Nur weil Schlecker groß ist, gibt es keinen Grund den Konzern zu retten.
Kleine und mittelständische Unternehmen rettet auch niemand und die Zahl der Mitarbeiter, die solche Firmen jedes Jahr freisetzen ist bei weitem größer als bei Schlecker.
Man kann nun natürlich argumentieren, dass man die Banken auch geretten hat und hätte damit Recht, aber die Bankenrettung war ja auch ein Fehler! Hier hätte man die Spareinlagen garantieren sollen und die Banken in Konkurs schicken müssen.
Hat ein Unternehmen kein gutes, oder sogar kriminelles Management, oder kein tragfähiges Geschäftsmodell, nützt auch Geld vom Staat nichts. Das sollte man aus der Holzmann Krise gelernt haben.
Der Staat ist nicht der Gesundbeter der Wirtschaft. Der staatliche Rahmen funktioniert ausgezeichnet, da es auch auf dem Geschäftsfeld Schleckers sehr erfolgreiche Firmen gibt. Hier hat schlicht das Management versagt und nicht der Staat.
Wer nach der Agenda 2010 noch immer an eine angeblich soziale Marktwirtschaft in Deutschland glaubt, den kann ich nicht als Realist bezeichnen. Aber auch in einer sozialen Marktwirtschaft wäre der Staat nicht für eine Schlecker-Rettung zuständig gewesen.
Man kann nichts retten was unrettbar verloren ist, eine traurige Tatsache, die uns der Euro noch sehr schmerzhaft vor Augen führen wird!
Ja. Aber das entbindet den Staat nicht von seiner Verantwortung für die Menschen, die Opfer des falschen oder gar verbrecherischen Managements werden. Dass der Staat diese Verantwortung nicht wahrnimmt (und daher praktisch die Selbstbezeichnung "soziale Marktwirtschaft" ihren Sinn verliert), stimmt leider. Richtig finden muss man das noch lange nicht.
Der Staat bietet allen Schlecker-Beschäftigten die gleichen Hilfen und Maßnahmen wie allen anderen Bürgern. Das mag unzureichend sein, aber es ist nunmal so.
In Deutschland gibt es ganz großes Problem mit reiner Faulheit. Die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung glaubt es sich leisten zu können, gänzlich unpolitisch zu sein. Wenn man aber irgendwann selbst in Not ist und plötzlich realisiert wie bescheiden die staatlichen Hilfen geworden sind, dann schreit man nach Sonderprogrammen des Staates.
Ich sage hier klar nein zu solchem Unfug. Wir brauchen die Rückkehr zur sozialen Marktwirtschaft und keine Sonderprogramme für die Beschäftigten großer Firmen. Mit welcher Legitimation sollte man solche Hilfen genehmigen?
Wer mehr will als ihm gesetzlich zusteht sollte halt auch mal den Hintern hochkriegen, bevor er selbst bedürftig ist!
Die Agenda 2010 Gesetze gibt es schon lange, der öffentliche Aufruhr dagegen war schnell verebbt. Bei mir muß niemand mehr Hilfe für sich fordern, der nicht auf die Barrikaden gegen dieses Unrecht gegangen ist.
Wir haben in Deutschland die Bananenrepublik die wir verdienen, da das deutsche Volk faul und abgestumpft ist. Diese Erkenntnis trifft mich auch immer wie ein Schlag ins Gesicht, aber es ist leider die nicht zu leugnende Wahrheit.
Was soll man von Mitbürgern halten, die immer noch glauben Mutti würde die Krise gut managen?
Klar, wir bräuchten ausreichende Regelungen für alle. Aber wenn über 10.000 Beschäftigte aus der gleichen Branche gleichzeitig arbeitslos werden, ist das schon eine besondere Situation, auf die man staatlicherseits reagieren könnte.
Auf welcher Rechtsgrundlage sollte der Staat berechtigt sein diesen 10000 mehr Hilfe angedeihen zu lassen, als den Hunderttausenden die jedes Jahr ihre Jobs verlieren und nicht bei Schlecker angestellt waren?
Wenn es am Arbeitsmarkt ein Ungleichgewicht gibt, weil in irgendeiner Branche, z.B. Stichwort Strukturwandel, wesentlich mehr Arbeitskräfte vorhanden sind als Bedarf, dann muss darauf reagiert werden. Mit Umschulungen, Förderung neuer Arbeitspätze in verwandten Bereichen etc. Alles schon da gewesen und schlicht pragmatisch notwendig. Das trifft halt auch zu, wenn auf einen Schlag über 10.000 meist wenig qualifizierte VerkäuferInnen arbeitslos werden. Soviele konnte der Arbeitsmarkt zu dem Zeitpunkt in dem Bereich nicht aufnehmen. Dafür trug der einzelne Verkäufer auch keine Verantwortung. Mit welchem Recht legt der Staat da die Hände in den Schoß?
Der Staat legt die Hände in den Schoß, da er das auch bei anderen Betroffnen tut. Es gibt nämlich Regeln für den Umgang und die Hilfen gegenüber arbeitslosen Menschen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz verlangt einfach alle gleich zu handhaben.
Ich möchte ausdrücklich sagen, dass ich den staatlichen Rahmen hier als ungenügend erachte, aber es gibt ihn und er hat für alle Betroffnen zu gelten.
10000 Beschäftigte sind nicht viel, wenn man sich die Verteilung auf ganz Deutschland vor Augen führt. So mancher Mittelständler entläßt an einem Stadort/ in einem Bundesland mehr Leute wenn er in Konkurs geht und hier verteilen sich die Beschäftigten meist nur auf wenige Standorte und nicht auf ganz Deutschland.
Was die Situation für die Betroffnen weit schlimmer macht. Kommt dann der Staat auf die Idee den Betroffnen Sonderhilfen zu gewähren? Nun ich kann aus eigener Erfahrung sagen, nein.
Die Schlecker-Mitarbeiter zahlten aber nicht mehr Beiträge als andere Beschäftigte, warum sollte man sie also bevorzugen? Man kann im Gegenteil davon ausgehen, dass sie eher weniger Beiträge als der Durchschnitt entrichtet haben, da sie aus einer einkommensschwachen Branche kamen.
Ende Januar wurde Insolvenz beantragt und heute sind schon mehr als 20% der arbeitslosen Schlecker-Mitarbeiter in NRW wieder in Arbeit vermittelt. Ich kann hier keine unüberwindbaren Schwierigkeiten entdecken wieder in Arbeit zu kommen.
Wieviele der Beschäftigungsverhältnisse waren Vollzeitstellen, wieviele waren Teilzeitstellen und wieviele waren nur 400Euro Jobs?
Hier sind eigentlich nur die Vollzeitstellen wichtig, da Inhaber von Teilzeitstellen meist auch noch auf ein anderes, zweites Familieneinkommen zurückgreifen können.
Um es klar zu sagen, die Schlecker-Mitarbeiter stehen hier besser da, als viele andere die in Deutschland ihre Jobs verlieren, Sonderhilfen sind nicht nötig und auch nicht begründbar gegenüber jenen die "normal" arbeitslos werden und nicht bei Schlecker waren.
Sollte z.B. Operl in Bochum mal seine Tore schließen müssen, so sind hier tausende von Hauptfamilieneinkommen betroffen und zwar an einem Standort, in einer sehr spezialisierten Branche. Die dort auftretenden Probleme sind ganz andere, als die bei Schlecker.
Außerdem ist jeder am Arbeitsmarkt selbst dafür verantwortlich, wie er sich für die Arbeitswelt qualifiziert. Das gilt auch für Verkäuferinnen und es ist nicht staatliche Aufgabe den Beschäftigten diese Aufgabe abzunehmen.
Man kann sich nicht über jahrzehnte zurücklehnen und darauf hoffen, dass irgendwer schon so dumm sein wird trotz mangelnder Qualifikation ein Gehalt zu zahlen. Da wäre es zielführend sich mal weiterzubilden, bevor man ohne Job dasteht! Vernunftbegabte nennen das Eigenverantwortung. Aber Vernunftbegabte jammern auch nicht über mangelnde staatliche Hilfen, sondern suchen sich neue Arbeit.
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für den Wahlkreis 39 (Velbert/Wülfrath/Mettmann Nord)
Allgemeines
Serdar Agit Boztemur wurde am 12. August 1989 in Velbert geboren. Er studiert an der Heinrich Heine Universität in Düsseldorf Medien-und Kommunikationswissenschaften, Politikwissenschaft und Soziologie.
Neben seinem Studium ist er Landesgeschäftsführer der Linksjugend [´solid] NRW, dem nahestehenden Jugendverband der Partei DIE LINKE und arbeitet als...
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