Christopher Mies nahm Stadtanzeiger-Mitarbeiterin mit auf Nürburgring

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  Auf dem Beifahrersitz sehe ich die Beschleunigung auf dem elektronischen Tacho, vor meinem Fahrer und mir liegt eine enge Kurve, er drückt noch einmal aufs Gas, überholt ein Auto, lenkt schnell in die nächste Kurve. Was sich ein wenig nach Fahrerflucht oder absoluten Horrorvorstellungen anhört, ist in Wahrheit ein wahnsinniger Adrenalinkick mit garantiertem Glücksgefühl.

. Das letzte VLN (Langsstreckenrennen) am Nürburgring in dieser Saison steht an. Immer wieder sind die vierstündigen Rennen ein absoluter Publikumsmagnet. Seit ich meinen Freund kenne, der ein echter Nürburgring- und Autofan ist, habe auch ich meine Leidenschaft für das Tempo am Limit entdeckt.
Bislang allerdings nur als Zuschauer. Dann erreicht mich ein Anruf von Peter Mies, dem Vater der beiden Heiligenhauser Rennprofis Alexander und Christopher Mies. „Lust, ne Runde mit meinen Jungs mitzufahren?“ Keine Frage. Nur zwei Tage später stehe ich in der Lounge vom Team „Getspeed“, mit stark erhöhtem Puls und angespanntem Lächeln. Während der jüngere der beiden Brüder Alexander mir erklärt, was mich erwartet, schlüpft Christopher ins Rennoutfit. Dann bin auch ich dran. Sicherheit muss sein. Wenn da nicht diese lästigen Größen wären. Begleiterin Anna sucht bei den Overalls vergeblich nach Damengrößen – schnell wird klar, auch Beifahrer zu sein, ist hier wohl eher Männersache. Aber Optik ist mir grad eher egal. Ich bin nervös. Nicht, weil ich Angst habe, dass etwas passieren könnte, sondern weil ich befürchte, mich bei der Fahrt in den wunderschönen Porsche übergeben zu müssen. Anna bietet mir eine Reisetablette an. Ein weiterer, routinierter Beifahrer beruhigt mich. Auch Peter Mies garantiert mir: „Wenn Sie Achterbahnfahrten mögen, werden Sie es lieben.“ Achterbahn? Bin ich noch nie gefahren. Viel Zeit zum Überlegen bleibt zum Glück nicht mehr.
An der Box steht ein Porsche 997 GT3, ein etwas aufgemotzter Straßenporsche mit Semi-Slicks. In das Dienstfahrzeug von Christopher steige ich also nicht ein. Ich bin ein bisschen erleichtert – dann wird es also nicht ganz so rasant.
Christopher steigt in den Porsche ein, tritt im Leerlauf aufs Gas. Hört sich deutlich anders an als mein alter Corsa. Mein Adrenalin prescht in die Höhe, meine Hände sind heiß, kribbeln. Christopher grinst zufrieden. Er freut sich auf die erste Fahrt an diesem Wochenende im Porsche, den er heute gegen seinen Audi R8 LMS eingetauscht hat, mit dem er sonst in der ganzen Welt unterwegs ist. „Für mich ist jede Runde hier ein Training“, sagt er. „Du fährst ja schön vorsichtig, ne?“ frage ich. „Klaro“, er zwinkert mir zu, bevor die Türen geschlossen werden und wir auf die Rennstrecke fahren. Dann gibt er Gas, prescht durch die erste Kurve, über die rot-weißen Curbs. „Wir machen erst einmal langsam und beschleunigen nach hinten raus, oder?“ Ich nicke nur tapfer. Der Nürburgring, auch Grüne Hölle genannt, ist eine Herausforderung für jeden Fahrer. Allein auf dem alten Rennstreckenteil, der Nordschleife, gibt es 73 Kurven auf 20,832 Kilometern.
Vom Asphalt betrachtet sieht die Strecke ganz anders aus als vom Zuschauerrand. Die Kurven wirken kürzer, enger. Christopher sieht entspannt aus. Er überholt lässig ein Auto nach dem anderen. Egal ob in Geraden oder Kurven. Die meisten blinken, signalisieren, wo Christopher an ihnen vorbei kann. Meine Hände sind jetzt heiß. Egal, wie schnell mein Fahrer in die Kurven geht, ich vertraue ihm, das klassische Beifahrerphantombremsen und auch die befürchtete Übelkeit bleiben aus. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl in diesem irren Tempo bis zu 250 km/h (die Geschwindigkeitsbegrenzung ist nach einem Unfall im Frühjahr, bei dem ein Auto über einen Zaun flog und einen Zuschauer tötete, limitiert worden) durch die Grüne Hölle zu rasen. So richtig entspannen kann ich aber nur kurz, dann schlägt Christopher in die nächste Kurve ein und über einer Bodenwelle heben wir ab. So richtig in Schieflage geraten wir am Karussell, einem betonierten Steilwandkreisel. Nach den kürzesten neuneinhalb Minuten und den schnellsten 25 Kilometern meines Lebens erreichen wir wieder die Box, Christopher wirkt wie nach einer Spazierfahrt. „Wir fahren hier ja nicht auf der letzten Rille, weil wir ja auch für die Sicherheit unserer Gäste verantwortlich sind.“ Ich steige aus, bedanke mich noch kurz. Meine Hände zittern noch, als Christopher schon mit dem nächsten Gast unterwegs ist.
Und als ich in der Lounge sitze, die Nervosität nachlässt und ich endlich etwas essen kann, sehe ich auf einem Monitor aus Fahrerperspektive, wie es aussieht, wenn Christopher im echten Porsche dann mal richtig Gas gibt. Vielleicht hätte ich da in der einen oder anderen Kurve dann doch mal mitgebremst.
Neben diesem einmaligen Erlebnis hatte ich auch noch die Chance, Alexander und Christopher Mies exklusiv zu ihrer Rennfahrerkarriere zu befragen, ein Portrait der beiden Brüder können Sie jeweils in einer unseren nächsten Ausgaben lesen.

DAS VIDEO ZU FAHRT HIER:

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