Handball-Schiris hängen Pfeife an den Nagel

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Zwanzig Jahre haben sie Seite an Seite gepfiffen. Jetzt ist für das Handballschiedsrichterduo Hans-Gerd Dombach und Wolfgang Klemp Schluss.

Die Handballsaison ist zu Ende. Und mit ihr beendet ein wahres Dreamteam das Schiedsrichteramt. Gerd Dombach (65) beschloss: „Ich mache die 50. Saison voll, dann machen wir Schluss.“ Mit ihm hängte somit auch Schiri-Kollege Wolfgang Klemp die Pfeife an den Nagel. 25 Jahre war er insgesamt im Amt. 20 Jahre pfiff das Duo fast ausschließlich Seite an Seite.
Zum Schiedsrichteramt ist Klemp dabei ungewollt gekommen. „Mein Bruder Dieter hat mich damals angemeldet. Er war zu der Zeit auch Schiedsrichter und es gab zu wenig Leute, die pfeifen im Verein.“ Für jeden fehlenden Schiri musste Strafe gezahlt werden. Und da war noch etwas: „Unsere Mannschaften wurden immer verpfiffen und da sagte Dieter, mach‘ es selbst, dann kannst du es besser machen.“ Damals war es noch der TUS, der mittlerweile zur VSG geworden ist. Auch Dombach störten die ständigen Fehlentscheidungen der Schiris und so beschloss er schon mit 15 Jahren: „ich pfeife jetzt selbst.“
Beide räumen ein: „Es kann wirklich viel Spaß machen als Schiedsrichter bei den Spielen zu sein, muss es aber nicht immer.“ Für das Amt benötige man viel Idealismus. Besonders heben die beiden Schiedsrichter hervor: „Es ist sehr zeitintensiv, aktiver Spieler und gleichzeitig Schiri zu sein.“ Zwei bis drei Mal in der Woche trainieren, am Wochenende Spiele und dann auch noch pfeifen? Viele haben dafür keine Zeit mehr. Dazu kommt noch, dass „viele Schiris heutzutage regelrecht verschlissen werden.“ Klemp spricht da insbesondere über die Trainer, die „die Schiris beschimpfen und versuchen zu beeinflussen. Aber nicht minder harmlos sind die Eltern, die am Spielfeldrand ordentlich zur Sache gehen.“
Ein Zuckerschlecken ist das Amt nicht. Doch in den vielen Jahren haben sich die Beiden einen Ruf aufgebaut. „Wir haben die Beschimpfungen nicht an uns ran gelassen. Und wir haben ganz klar gezeigt, dass man mit uns so etwas nicht machen kann.“
Wenn der Trainer dann mal über die Stränge schlug, wurde er einfach des Spielfeldes verwiesen. „Dafür haben wir ja unsere Gelben und Roten Karten.“
Dennoch möchten die beiden Ruheständler den Nachwuchs motivieren, ein Schiedsrichteramt zu übernehmen. „Der Schiri hat für Ruhe zu sorgen und letzten Endes entscheidet er ja durch seine Entscheidungen das Spiel.“ Dombach sagt: „Er muss das Spiel leiten und manchmal auch einfach Dompteur spielen.“
Wer Schiedsrichter werden möchte, muss zunächst eine Prüfung ablegen. Sie beinhaltet Regelkunde, aber auch einen Fitnesstest - Handball spielen muss der Bewerber selbst nicht. „Aber es ist natürlich leichter, so das Regelwerk zu beherrschen.“ Drei Mal im Jahr wird dann die Regelkunde bei einer Fortbildung aufgefrischt.
Bei der VSG gibt es derzeit allein in der Handballabteilung einen Fehlbestand von 14 Schiedsrichtern. Für jeden fehlenden Schiri muss der Verein eine Strafe von über 100 Euro zahlen. Daher hoffen Klemp und Dombach, dass es bald Nachfolger für ihr Amt gibt.
Und warum haben sie selbst aufgehört? „Nicht, weil wir nicht mehr konnten, aber irgendwann muss man ja mal gehen. Und das am besten dann, wenn es am Schönsten ist!“
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